Das Ende der Nachrichten

Eigenanzeige Kopf

Für die Existenz einer freien Presse sind auch die Bürger verantwortlich

Wir hatten uns vier Wochen Auszeit genommen, um die Leopoldshöher Nachrichten neu aufzustellen. Anlass waren unsere übermäßige Arbeitsbelastung und auch die mit Beginn der Corona-Krise fast vollständig eingebrochenen Abonnentenzahlen.

Wir haben das Projekt mit unseren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern aus dem Ort durchdacht und intensiv besprochen. Wir haben einen Plan aufgestellt und eine Betriebsorganisation ausgearbeitet, mit denen einerseits die Arbeitsbelastung der Herausgeber in gesunden Grenzen gehalten werden kann, andererseits der finanzielle Bestand der Leopoldshöher Nachrichten gesichert werden könnte. Dabei haben uns Überlegungen mit Blick auf die gesamte Medienbranche und auch mit Blick auf die Lage vor Ort hier in Leopoldshöhe geleitet.

Nach vielen Überlegungen sind wir mit unseren Gesprächspartnern zu folgendem Entschluss gekommen:

In der derzeitigen Lage der Medienbranche und der Wirtschaft insgesamt scheint es uns sehr schwierig und bis unmöglich, eine höhere fünfstellige Summe an Risikokapital einzuwerben. Sie wäre nötig, um die Kosten für Mitarbeiter und Herstellung der Zeitung vorzufinanzieren, bis genügend Abonnenten und Anzeigenkunden eingeworben sind, um die Zeitung wirtschaftlich zu betreiben. Diese Zeiten haben wir im Vergleich zu unserem ersten Plan deutlich strecken müssen.

In wenigen Jahren werden 4.400 Kommunen ohne Lokalzeitung sein

Das trifft auch für die Abonnentenzahl und die Erlöse aus Anzeigen zu. Weltweit haben die seriösen Medien während der Corona-Krise intensiven Zuspruch gefunden. Die wenigsten Medien waren und sind in der Lage, diesen Zuspruch in Umsatz umzuwandeln. Das gilt auch für die Leopoldshöher Nachrichten. Unsere Gesprächspartner und wir sehen daher nicht die Chance, in absehbarer Zeit auf auskömmliche Erlöse aus Abonnements und Anzeigen zu kommen. Offenbar wollen die Nutzer seriöse Informationen und Hintergründe haben, aber – anders als Sie – nicht dafür bezahlen. Die dahinterstehende Mentalität halten wir auch mit Blick auf den Bestand unserer Demokratie für problematisch. Studien haben ergeben, dass dort, wo es keine Lokalzeitungen mehr gibt, die Wahlbeteiligung dramatisch sinkt. In wenigen Jahren schon werden in Deutschland 4.400 der insgesamt 11.000 Gemeinden ohne Lokalberichterstattung sein. Das bedeutet: Niemand ist mehr da, um Missstände aufzudecken, Fehlentwicklungen öffentlich zu machen und Menschen eine Stimme zu geben, die sonst nicht gehört werden. Oder einfach über die Ereignisse im Ort zu berichten. Es ist eben offenbar nicht so, dass eine Kommune ohne unabhängige Presse politisch lebendig bleibt, so unbequem eine solche Presse für Politik und Verwaltung sein mag. Leopoldshöhe könnte eine dieser Gemeinden sein:  In den vergangenen fünf Jahren hat eine der Tageszeitungen am Ort rund 40 Prozent seiner Abonnenten verloren. Bei der anderen Tageszeitung kennen wir die Zahlen nicht sicher. Sie dürften mindestens im Branchentrend und damit um 20 Prozent liegen.

Die Leopoldshöher Nachrichten sollen eine Zeitung von Leopoldshöher Bürgern für Leopoldshöher Bürger sein. Mehr als 100 Abonnenten und knapp 30 Anzeigenkunden haben uns dabei unterstützt. Sie gehören dazu und dafür sind wir sehr dankbar. Leider reichen diese Zahlen bei weitem nicht aus, um die Leopoldshöher Nachrichten weiter zu betreiben. Eine Zeitung, die von der Zielgruppe nicht ausreichend angenommen wird, kann nicht bestehen bleiben. Mit anderen Worten: Der Erhalt einer freien und unabhängigen Presse ist nicht nur eine Aufgabe von Journalisten und Verlegern, sondern auch die der Bürger einer Kommune. Sie haben Ihren Beitrag dafür geleistet.

Unsere Gesprächspartner meinen, dass wir die Leopoldshöher Nachrichten nicht ganz aufgeben, sondern nur auf unbestimmte Zeit ruhen lassen sollten. Dem schließen wir uns an.