Pastor aus Leidenschaft

Bebedikt Schwabe ist der neue Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Leopoldshöhe. Foto: Thomas Dohna
Bebedikt Schwabe ist der neue Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Leopoldshöhe. Foto: Thomas Dohna

Benedikt Schwabe ist der neue Pfarrer

Leopoldshöhe (ted). Schon früh ist er auf eine Kanzel gestiegen und hat sich vorgestellt, wie es wäre, vor einer Gemeinde zu predigen. Jetzt hat Benedikt Schwabe seine erste richtige Pfarrstelle angetreten. Und er genießt das, wie er sagt.

Der 33-Jährige ist der neue Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Leopoldshöhe. Nach langer Vakanz und Suche der Kirchengemeinde nach einem neuen Geistlichen ist Schwabe seit dem 1. Januar 2026 im Dienst. Die Suche war notwendig geworden, weil erst Pfarrerin Kornelia Schauf und dann auch Pfarrer Hendrik Meier Leopoldshöhe verlassen haben, Schauf in Richtung Südafrika, Meier ging nach Hamburg. In der Zeit der Vakanz übernahm Pfarrer im Probedienst Benjamin Braun die theologische Arbeit in der Gemeinde.

Schwabe ist kein Lipper. Er ist in Witten geboren. Witten liegt im südlichen Ruhrgebiet, etwas eingezwängt zwischen Bochum und Dortmund im Norden und Herdecke im Südosten. Bekannt ist Witten durch die private Universität Witten/Herdecke und bei den Kirchenmusikern durch die Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen, die bis 2024 ihren Sitz in Herford hatte.

Schwabe kommt aus einer freikirchlichen Gemeinde. Die Eltern waren dort Mitglieder, sie haben sich dort kennengelernt, berichtet Schwabe. Der Vater war Unternehmer. Schwabe ist der jüngste von drei Brüdern. Die beiden Älteren gingen in die Wirtschaft. Schwabe entdeckte mit 17 das Interesse am Predigen, erst allein und für sich. „Ich habe eine Art Ruf gespürt“, sagt er. Er wollte Theologie studieren. Das geht vor allem an Kirchlichen Hochschulen oder Universitäten mit theologischen Fakultäten.

Bis dahin kannte er die Landeskirche, in seinem Fall die westfälische Kirche von Westfalen, nicht. „Ich habe nicht gedacht, dass ich derjenige aus der Familie bin, der in die Landeskirche geht“, sagt Schwabe. Aber: Er habe theologisch nicht im eigenen Saft schmoren wollen. Er wählte Anglistik und evangelische Religion für das Lehramt aus, denn Schwabe liebt Sprachen. In der Oberstufe hatte er Englisch und Spanisch als Leistungskurs.

Ausbildung im Hotel

Nach drei Semestern brach er das Studium ab. Es war ihm zu wenig praxisnah. Schwabe suchte sich eine Ausbildungsstelle in einem Düsseldorfer Hotel einer weltweit bekannten Luxusmarke. Schon als Junge habe er sich immer Hotelurlaube gewünscht, berichtet Schwabe. Zugleich studierte er neben der Ausbildung weiter Theologie, und zwar online einen Studiengang, der sich an der Gemeindearbeit orientiert.

Doch nach einem halben Jahr brach er die Hotel-Ausbildung ab, was auch an den Verdienstmöglichkeiten im Hotelgewerbe lag. Schwabe nahm einen zweiten Anlauf in Theologie, diesmal mit Blick auf das Pfarramt. Die dafür nötigen Sprachzeugnisse für Altgriechisch, Hebräisch und Latein hatte er nicht. Er hing sich ins Studium und absolvierte die Sprachenkurse in kürzester Zeit. „Ich habe einfach das Arbeitspensum aus dem Hotel ins Studium mitgenommen“, sagt er.

Schnell durchs Studium

Schnell und konzentriert sei er in zehn statt der erforderlichen zwölf Semester durchs Studium gegangen. Nach fünf Semestern habe er festgestellt: „Wow, das macht Spaß.“ Am Ende habe die Fakultät zunächst die Prüfung nach dieser Zeit verweigern wollen. Eine Professorin überzeugte ihre Kollegen und Schwabe legte das erste Staatsexamen ab.  Nebenbei arbeitete Schwabe, zuletzt in einem China-Restaurant.

Dann begann ein Marathon: Vikariat und drei Jahre Probedienst, zwei davon in der westfälischen Landeskirche, eines in der lippischen. Ständig wechselnde Gemeinden. „Wann ist man endlich fertig?“, diese Frage habe er sich mehrfach gestellt, sagt Schwabe, vor allem weil man Beziehungen zu den Menschen in den Gemeinden aufbauen und dann wieder abbrechen müsse.

Nicht zufällig

Auch in Lippe arbeitete Schwabe in mehreren Gemeinden. Dann hörte er von der freien Pfarrstelle. Noch bevor sie zum zweiten Mal ausgeschrieben wurde, bewarb er sich, predigte zur Probe  – und musste wieder warten, bis die Kirchengemeinde ihm die Stelle zusagte. Jetzt sagt er: „Es ist für mich eine wirkliche Erleichterung, eine Stelle zu haben – und ein Büro“ und erläutert das gleich. Noch lebt er mit seiner Familie in Holzhausen. Ein Büro zu haben, in dem er in Ruhe Gottesdienste, Beerdigungen, Hochzeiten und andere Aufgaben vorbereiten könne, genieße er.

Leopoldshöhe hat er nicht zufällig ausgewählt. Biographisch wäre es sehr gut gewesen, wieder in den Heimatkirchenkreis zu ziehen, sagt er. Aber die Kirchengemeinde am Marktplatz in Leopoldshöhe habe ihn gereizt. Die Kinderbibelwoche im Sommer, die Veranstaltungen in der Kirche mit dem „Schwarmsingen“ zum Beispiel, die Lockerheit dort, mit einer Theke in der Kirche.

Interprofessionelles Team

Er kenne natürlich die Haltung auch in reformierten Kirchengemeinden, dass die Kirche ein heiliger Ort sei, sagt Schwabe. Aber für ihn mache die Gemeinschaft einen Ort heilig. „In anderen Ländern trifft man sich in Ställen, unter freiem Himmel, im Dschungel, in Lehmhütten zum Gottesdienst“, sagt er.

Ihn habe auch überzeugt, dass es hier ein interprofessionelles Team in der Gemeindeleitung gibt. Mit Gundula Huvendiek als Geschäftsführerin, ihm als Theologen sowie einer dritten nicht-theologischen Profession. So könne sein Fokus auf Seelsorge und Verkündigung liegen. Außerdem findet Schwabe hier etwas wieder, was es schon in seiner freikirchlichen Heimatgemeinde gab: die Gemeinschaft nach dem Gottesdienst bei einem Kaffee, zum Beispiel. Schwabe möchte endlich ankommen und würde in fünf Jahren von den Gemeindemitgliedern gern hören: „Das ist unser Pfarrer.“

Kontakte zu anderen

Schwabe möchte seine Fühler zu den anderen Kirchengemeinden, auch den freikirchlichen, ausstrecken. Er findet es bemerkenswert und freut sich darüber, dass die Freikirchliche Gemeinde vom Schemmelshof seit Jahren ganz selbstverständlich beim Adventsmarkt im Gemeindehaus die Kaffeestube betreibt.

Sobald das Pfarrhaus in Schuckenbaum frei wird, wird Schwabe mit seiner Familie dorthin ziehen. Dann kann er dort seiner Leseleidenschaft nachgehen, Klavierspielen und Gitarre lernen. Zurzeit liest er eine Biographie über Napoleon Bonaparte. Sein Spanisch will er weiter verbessern. Seine Frau ist Mexikanerin. Von dort kann er seine Runden laufen und zum Fußballspielen fahren.

Die Kanzel in der Kirche hat Schwabe schon erobert. Seit Dezember predigt er vor „seiner“ Gemeinde.

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