Die Sache mit dem Wolf

Mitglieder des SPD-Ortsvereins Leopoldshöhe-Nord ließen sich den Schießstand der Kreisjägerschaft erläutern. Foto: Thomas Dohna
Mitglieder des SPD-Ortsvereins Leopoldshöhe-Nord ließen sich den Schießstand der Kreisjägerschaft erläutern. Foto: Thomas Dohna

SPD-Nord besichtigte Jäger-Schießstand

Heipke (ted). Die Vereine wollen die Sozialdemokraten im Norden der Gemeinde besuchen, um sichtbarer zu werden. Sie waren beim TuS Bexterhagen zu Gast und jetzt bei der Kreisjägerschaft in Heipke.

Der SPD-Ortsverein Leopoldshöhe Nord ist bei den Kommunalwahlen im September 2025 ordentlich durchgerüttelt worden. Er verlor mehrere Ratsmandate. Jetzt nutzen die Sozialdemokraten ihre Kontakte zu den Vereinen im Norden, um zuzuhören, wie es aus den Reihen der Mitglieder hieß.

Albrecht Brokmeier zeigte sich überrascht, als ihn der Vorsitzende des Ortsvereins, Christian Kühnel, fragte, ob er Wünsche an die Politik habe. Der Leiter des Hegeringes Windwehe und Jäger musste erst nachdenken. „Nein“, meinte er, die Jäger hätten im Moment keine Wünsche an die örtliche Kommunalpolitik. „Es gibt ja keinen Ärger“, meinte Brockmeier.

Zuvor hatte Brokmeier die Aufgaben der Jäger und die Organisation des Jagens erläutert. Das Jagdgesetz sieht vor, dass es ab 75 Hektar Grundbesitz eine Eigenjagd gibt. Da es in dieser Region aber kaum solche Größen von Grundbesitz gebe, seien die Grundbesitzer in Jagdgenossenschaften per Gesetz zusammengeschlossen. Das Jagdrecht werde an einen Pächter vergeben. Der sei befugt, dem Wild nachzustellen, es zu erlegen und es sich anzueignen, sagte Brokmeier.

Letzteres sei vor allem bei Unfällen wichtig. Werde ein Stück Wild angefahren oder getötet, dürfe das Wild nicht einfach mitgenommen werden, sagte Brokmeier: „Das wäre Wilderei.“ Stattdessen solle die Polizei informiert werden. Die haben die Kontakte zu den Jagdpächtern, die dann zum Unfallort kämen, das vielleicht noch lebende und leidende Wild töten und es an sich nehmen. Verwertet werde solches Wild nicht mehr. „Wir bringen es in den Wald und legen es dort ab. Dann können andere Tiere den Körper fressen.“

Abschusspläne wie früher gebe es nicht mehr, sagte Brokmeier. Viel Wild käme durch Unfälle ums Leben. Bei der Jagd gelte die Regel „jung vor alt“, junge Tiere würden eher geschossen als alte. Ab dem 1. Februar gelte für Rehwild Schonzeit, weil die weiblichen Tiere tragend werden und ihre Kitze zur Welt bringen.

Für Wildschweine gebe es keine Schonzeit. Geschont würden „führende Bachen“, also weibliche Tiere mit Frischlingen. Ohne Muttertier hätten die Frischlinge kaum eine Chance zu überleben. Die von Wildschweinen übertragene Afrikanische Schweinepest müsse beobachtet werden. Wenn sie hier ankäme, werde sie eine „wirtschaftliche Vollkatastrophe“ werden.  

Hasen würden zurzeit kaum gejagt, weil es zu wenige gebe und der Bestand sich erholen soll. Dennoch würden durch Unfälle getötete Hasen bei der sogenannten Strecke mitgezählt, sagte Brokmeier, um auf den Bestand rückschließen zu können. Die Niederwildbestände seien zurückgegangen. Deswegen verzichte die Jägerschaft auf Treibjagden.

Aus den Reihen der Sozialdemokraten kam die Frage nach dem Wolf. Es gebe auf dem Truppenübungsplatz Augustdorf ein Rudel. Die Region hier sei zu dicht besiedelt, es gebe aber durchziehende Einzelgänger, sagte Brokmeier. Ein viel größeres Problem seien die Waschbären. Der überwiegende Teil werde per Falle gefangen. Dabei gelte auch, dass die Tiere keine Schonzeit hätten, führende Muttertiere aber freigelassen würden.

Wenn es in Siedlungen Probleme mit Waschbären gebe, könnten die Jäger nicht direkt helfen, weil sie in „befriedeten Bezirken“ nicht jagen dürfen, sagte Brockmeier. Es gebe aber „Waschbärenbeauftragte“, Jäger, die die Erlaubnis haben, per Falle in befriedeten Bezirken Waschbären zu jagen und sie nach dem Fang zu erlegen.

Nach dem Gespräch mit Brokmeier ließen sich die Sozialdemokraten den Schießstand zeigen. Auf dem darf mit großkalibrigen Langwaffen bis 100 Meter, mit Kleinkaliber und Kurzwaffen auf 25 und 50 Meter sowie mit Schrot auf 25 und 35 Meter geschossen werden, jeweils auf Schießscheiben oder bewegliche Ziele. Einige Teilnehmer probierten einen Schrot-Schuss mit einer Flinte und ein paar Schüsse mit einem Kleinkalibergewehr aus.

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