Unwucht im Wohnungsmarkt

Geschwungene Laubengänge kennzeichnen das Gebäude des Johanneshofes. Foto: Thomas Dohna
Der Johanneshof wird im Wohnungsmarktbericht der NRW Bank erwähnt. Archivfoto: Thomas Dohna

Leopoldshöhe hat zu wenige Mietwohnungen

Leopoldshöhe (ted). Bis zu 250 Wohnungen mehr könnte es in Leopoldshöhe geben, würden genehmigte Wohnungen von den Bauherren realisiert. Das zeigt das Wohnungsmarktprofil Leopoldshöhe der NRW Bank. Es zeigt auch, dass in den vergangenen zehn Jahren nicht einmal 50 öffentlich geförderte Wohnungen gebaut worden sind.

Die Zahlen der NRW Bank beruhen auf Erhebungen aus dem Jahr 2024. In Leopoldshöhe gibt es laut NRW Bank 7.783 Wohnungen. Davon 65,9 Prozent in Ein- und Zweifamilienhäusern. Im Lippe-Schnitt sind es 55,9 Prozent. Diese Unwucht im Wohnungsbestand hatte 2019 auch die Leopoldshöher Politik erkannt und das Wohngebiet Brunsheide ins Werk gesetzt.

98 geförderte Wohnungen

Zuvor hatte es eine Erhebung des damaligen Seniorenbeauftragten Wolfgang Tomiak gegeben, der feststellte, dass von 475 alleinstehenden, in Einfamilienhäusern lebenden Frauen etwa die Hälfte gern in eine kleinere Wohnung umziehen wollen würde, wenn es diese Wohnungen in Leopoldshöhe geben würde. Außerdem klagte die Freiwillige Feuerwehr Leopoldshöhe über den Verlust von gut ausgebildeten jungen Feuerwehrleuten, die in Leopoldshöhe keine bezahlbaren Wohnungen gefunden haben.

Im Jahr 2024 gab es in Leopoldshöhe knapp 250 Haushalte, die Wohngeld bezogen. Diese Haushalte hätten auch Anrecht auf den sogenannten Wohnberechtigungsschein, der für die Nutzung von öffentlich geförderten Wohnungen nötig ist. 98 solcher Wohnungen gibt es in Leopoldshöhe. Die Zahl dieser Wohnungen wird bis 2035 auf 40 sinken, sollte es beispielsweise im Wohngebiet Brunsheide oder auf dem Fillies-Gelände in Bechterdissen nicht neue öffentlich geförderte Wohnungen geben. 2024 sind genau fünf öffentlich geförderte Wohnungen in Leopoldshöhe genehmigt worden.

Zuwachs durch Zuwanderer

Die Leopoldhöher Bevölkerung wächst in etwa wie die Bielefelds, Lages oder Oerlinghausens um jährlich 0,25 Prozent. Das liegt aber nicht daran, dass die Leopoldshöher mehr Kinder bekommen als Menschen sterben. Hier ist der Saldo deutlich negativ. In den Jahren 2021 bis 2024 starben jährlich um die 50 Menschen mehr als geboren wurden. Der Zuwachs erklärt sich aus Wanderungsbewegungen in die Gemeinde. Von etwa 80 Personen im Jahr 2024 auf bis mehr als 250 Personen im Jahr 2022 reicht die Spanne.

Die größte Altersgruppe in Leopoldshöhe sind die 45- bis unter 65-Jährigen mit knapp 5.000 Menschen. Die nächstgrößere Gruppe sind die 25- bis unter 45-Jährigen mit gut 4.500 Personen. Die dritte Gruppe sind die unter 18-Jährigen mit gut 3.000 Jugendlichen und Kindern. Auffällig ist die Gruppe derer, die Haushalte in Leopoldshöhe gründen, den 18- bis 25-Jährigen. Das ist die Gruppe, in die die jungen Feuerwehrleute fallen. Die machen nur gut 1.000 Personen aus. Im Vergleich mit der Stadt Bielefeld zeigt sich: Die Verhältnisse decken sich.

Junge Leute gehen weg

Bei den Wanderungen nach Altersklassen ist auch diese Gruppe auffällig. Es wandern mehr aus als ein, was sich mit den Beobachtungen der Feuerwehr deckt. Die größte Gruppe der Zuziehenden sind die 25- bis 45-Jährigen, gefolgt von der etwa halb so großen Gruppe der unter 18-Jährigen.

Die Kaufkraft der Leopoldshöher liegt zehn Prozent über dem Landesdurchschnitt und damit höher als in Bielefeld und etwa auf demselben Niveau wie in Oerlinghausen. Dem gegenüber stehen die Bezieher von Sozialleistungen. In Leopoldshöhe gibt es knapp 300 sogenannter Bedarfsgemeinschaften und mehr als 900 Personen, die Arbeitslosengeld, Grundsicherung, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommen.

Wenige Leistungsempfänger

Damit bekommen rund fünf Prozent der Leopoldshöhe Leistungen. Das ist im ländlichen Umfeld ähnlich. Je städtischer es wird, desto höher wird die Quote. In Bielefeld und Herford liegt sie bei 15 Prozent. Gut 53 Prozent der Empfänger in Leopoldhöhe sind alleinstehend.

Die Kaufpreise für unbebautes Bauland sind in Leopoldshöhe mit um die 200 Euro pro Quadratmeter deutlich günstiger als in Bielefeld, Gütersloh, Paderborn oder Delbrück mit mehr als 350 Euro pro Quadratmeter. In Oerlinghausen und in Lage liegt der Preis bei bis 100 Euro.

Preise gesunken

Die Preise für Bestandsimmobilien sind in den vergangenen drei Jahren eher gesunken. Um ein Haus in Leopoldshöhe abzuzahlen, muss man hier sieben durchschnittliche Jahresnettoeinkommen aufwenden, in Bielefeld acht und in Oerlinghausen fünf. Wer schnell sein möchte, muss beispielsweise nach Lügde oder in den Kreis Höxter ziehen. Da ist man mit maximal vier Jahresgehältern dabei.

Bei den Mieten, die bei einer Wiedervermietung einer Wohnung verlangt werden, liegt Leopoldshöhe im OWL-Mittelfeld. Bis 8,50 Euro pro Quadratmeter werden verlangt, in Bielefeld sind es mehr als neun Euro. Wer es preiswerter haben will, muss nach Ost-Lippe oder in den schon genannten Kreis Höxter ziehen. Dort werden 6,50 Euro aufgerufen. Die Preise bei der Vermietung einer neuen Wohnung liegen in Leopoldshöhe inzwischen bei elf Euro und damit im teuersten Zehntel aller Mieten, die verlangt werden. In Bielefeld werden 13 Euro verlangt. In Lage sind es 10,50 Euro.

Insgesamt lässt sich sagen, dass Leopoldshöhe von der Nähe zu Bielefeld deutlicher beeinflusst ist als Oerlinghausen oder gar die weiter östlich gelegenen lippischen Kommunen. Die Preise für Miete oder Erwerb von Wohnraum bewegen sich auf den Niveaus des nördlichen Kreises Paderborn und des südlichen Kreises Gütersloh, was die allgemein angenommene Speckgürtel-Lage Leopoldshöhes zu Bielefeld bestätigt.

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