
Die Zukunft der Kindertagesstätten
Leopoldshöhe (ted). Förderverein und Elternbeirat der Kita Greste kritisieren den Umgang der Verwaltung mit dem Arbeitskreis Kindertagesstätten. Den hatte der Gemeinderat eingesetzt, um über die Lage der Kindertagesstätten in der Gemeinde zu betraten. Zurzeit gibt es einen Überschuss an Plätzen in den Kindertagesstätten.
Mareike Loges und Tobias Schilling fordern in einem offenen Brief Bürgermeister Martin Hoffmann auf, Stellung zu beziehen. Schilling und Loges beziehen sich auf Gerüchte um Gespräche der Verwaltung mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) über eine Übernahme von kommunalen Kindertagesstätten. In die Gespräche sei der Arbeitskreis nicht eingebunden.
Der Arbeitskreis sei eingerichtet worden, um mit allen relevanten Akteuren tragfähige Lösungen zu entwickeln und das Vertrauen der Öffentlichkeit zu stärken. Dass nun hinter den Kulissen bereits konkrete Gespräche stattfinden sollen, empfinden Elternvertretung und Förderverein als „Missachtung der gemeinsamen Arbeit“ und als Bruch mit dem Ratsbeschluss, der den Arbeitskreis legitimiert.
Besonders kritisch sehen die Vertreterinnen und Vertreter, dass durch solche „Parallelprozesse“ der Eindruck entstehe, die Ergebnisse des Arbeitskreises seien politisch bereits vorentschieden. Dies gefährde nicht nur die Glaubwürdigkeit des gesamten Verfahrens, sondern erschüttere auch das Vertrauen vieler Familien in die kommunalpolitische Zusammenarbeit.
Die kommunalen Kindergärten seien ein „zentraler Bestandteil der Gemeinde“, heißt es in der Stellungnahme. Sie stünden für Verlässlichkeit, pädagogische Qualität und eine enge Bindung an die Menschen vor Ort. Entscheidungen über ihre Zukunft dürften daher nicht „hinter verschlossenen Türen“ vorbereitet werden.
Elternbeirat und Förderverein fordern die Verantwortlichen im Rathaus auf, offen zu legen, ob und in welchem Umfang Gespräche mit dem DRK bereits geführt wurden, zu erklären, warum diese Gespräche parallel zur Arbeit des Arbeitskreises stattfinden, darzustellen, wie dieses Vorgehen mit dem Ratsbeschluss vereinbar sein soll, und sicherzustellen, dass zukünftige Entscheidungen transparent und unter echter Beteiligung aller Betroffenen getroffen werden.
Zudem äußern Loges und Schilling die Sorge, dass für das „millionenschluckende Projekt Brunsheide“ an anderer Stelle – nämlich bei der frühkindlichen Betreuung – gespart werden könnte. Dies müsse alle Bürgerinnen und Bürger alarmieren, da es unmittelbar die Zukunft der Kinder betreffe.
Die Elternvertreter betonen, weiter zu einem konstruktiven Dialog bereit zu sein. Voraussetzung sei jedoch, dass politische Prozesse ernst genommen und nicht durch inoffizielle Absprachen unterlaufen würden.
In seiner Antwort versichert Bürgermeister Hoffmann, dass der Arbeitskreis zur Kita-Situation in Leopoldshöhe weiter daran arbeite, die finanziellen und demografischen Herausforderungen im Gemeindegebiet aufzuarbeiten. Drei Sitzungen hätten stattgefunden, eine weitere sei geplant.
Die Ergebnisse des Arbeitskreises sollen im Juli im Ausschuss für Bildung und Kultur sowie im Rat vorgestellt werden, schreibt Hoffmann. Eine endgültige Entscheidung über die Kita-Landschaft in Leopoldshöhe werde erst in der Oktobersitzung des Gemeinderates gefällt.
Die Verwaltung stehe in engem Austausch mit allen Kita-Trägern, schreibt Hoffmann. Sinkende Geburtenzahlen und knappe Finanzmittel beträfen sowohl die kommunalen Einrichtungen als auch die der Arbeiterwohlfahrt (AWO), des DRK und weiterer Träger. Während rund 200 Kinder kommunale Kitas besuchen, seien etwa 400 Kinder in Einrichtungen freier Träger untergebracht. Die Defizite der kommunalen Kitas trügen jedoch alle Bürgerinnen und Bürger, schreibt Hoffmann. Einige freie Träger hätten bereits Gruppen geschlossen und finanzielle Einbußen hingenommen.
Politische Entscheidungen wirkten sich auf alle Kinder in Leopoldshöhe aus, schreibt Hoffmann. Sollte der Abbau von Plätzen nicht auch die kommunalen Kitas betreffen, würde dies automatisch zulasten der freien Träger gehen. Der Arbeitskreis solle daher eine Lösung entwickeln, die allen Beteiligten gerecht werde. AWO und DRK seien eingeladen worden, um über ihre Arbeit zu berichten. Konkrete Gespräche über eine mögliche Trägerübernahme fänden erst statt, wenn der Rat einen entsprechenden Beschluss fasse, schreibt Hoffmann.
Der Bürgermeister bittet Eltern und Mitarbeitende um Geduld und Vertrauen. Die Lage sei komplex, und alle Beteiligten arbeiteten daran, die bestmögliche Lösung für Leopoldshöhe zu finden, schreibt Hoffmann.
Die Diskussion um die Zukunft der kommunalen Kindertagesstätten läuft schon länger. Sie bekam Aufschwung, als die Verwaltung im Oktober vergangenen Jahres versuchte, die Kita Greste zu schließen. Anlass war ein Schaden in einer abgehängten Decke. Eltern, Mitarbeiterinnen und auch Fraktionen des Gemeinderates wandten sich gegen die Schließung und setzten sich für die Renovierung der Kita ein.
Zurzeit gibt es einen Überschuss von mehr als 40 Plätzen gegenüber den Anmeldungen für das Kindergartenjahr 2026/2027. Die ursprünglich im Baugebiet Brunsheide Geplanten Tagesstätte wird vorläufig nicht gebaut. Die Verwaltung sieht nach Angaben im Sozialausschuss perspektivisch vor allem im Norden der Gemeinde einen Bedarf an Plätzen.



