
Sportabzeichen beim Gemeindesportverband
Leopoldshöhe (ted). Der letzte Sprint auf Zeit liegt mehr als 40 Jahre zurück. 100 Meter damals, im August, bei 30 Grad im Schatten. Die Gedanken wandern zurück, bis zum Schulsport. Wie war das noch mit dem Sprint? Jetzt, bei dem Sportabzeichen-Training des Gemeindesportverbandes liegen altersgemäße 50 Meter im Blick.
Der im Schulsport viel geübte Tiefstart aus Blöcken ist nicht gefordert. An die Startlinie stellen, ein Bein vor und: „Auf die Plätze! Fertig! Los!“. An der Ziellinie auf dem Sportplatz am Schulzentrum steht Jörg Amelung in seinem warnwesten-orangenen T-Shirt, die Stoppuhr in der Hand. Corinna Meyer, ebenfalls in Orange, stoppt ebenfalls. „8,9 Sekunden“, liest Amelung ab „schade, eine Zehntelsekunde zuviel für Gold.“ 8,8 Sekunden hätten es dafür sein müssen. Ein Grummeln steigt innerlich auf. „Das ist fast immer so“, sagt Jörg Amelung, „erst wollen alle nur Bronze schaffen und dann kommt der Ehrgeiz.“
„Möchte noch jemand die 50 Meter laufen?“, fragt Amelung in die Runde. An dem Samstagmorgen sind da: Eine Mutter mit ihrer Tochter, eine Familie mit zwei Jungen, eine Läuferinnengruppe, einige Einzelsportlerinnen und -sportler, zusammen rund 20 Personen. Sie alle wollen das Deutsche Sportabzeichen ablegen.
Dafür muss man in vier Bereichen Leistungen erbringen: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination. Aus diesen Bereichen muss man sich eine Disziplin aussuchen. Einige der Läuferinnen sind Hermannslauf-Routiniers. Sie haben damit den Nachweis für Ausdauer gebracht. Andere entscheiden sich für den 3.000-Meter-Lauf auf dem Platz, andere haben gerade am Helpuper Dorffestlauf teilgenommen und dort die zehn Kilometer absolviert.
Wer will, darf auch 7,5 Kilometer Walking oder Nordic Walking oder 20 Kilometer Radfahren vorweisen, am besten durch die Teilnahme an einem Wettbewerb. Außerdem kann man einen Schwimmmeister zu überzeugen versuchen, die absolvierten 400 Meter Schwimmen zu bestätigen.
Nach dem Sprint versucht sich der Familienvater im Bereich Kraft. Er wählt das Werfen eines zwei Kilogramm schweren Medizinballs. Beim ersten Versuch bleibt er unter den für das Goldene Sportabzeichen in seiner Altersklasse nötigen 14 Metern. „Darf ich noch einmal?“, fragt der 37-Jährige. „Klar!“, bestätigt Amelung. Er wirft: 14,50 Meter. Gold! Wer möchte, kann die Kugel oder einen Stein stoßen, den Standweitsprung versuchen, Liegestütze oder Klimmzüge, Crunches oder Beugestütz machen.
Der 50-Meter-Lauf gehört in den Bereich Schnelligkeit für die ab 40-Jährigen. Jüngere müssen 100-Meter laufen. Alle können sich ersatzweise fürs 25-Meter-Schwimmen oder 200-Meter-Radfahren auf Tempo entscheiden. „Das ist alles zu schaffen“, sagt Amelung.

Bleibt der Bereich Koordination. Die klassischen Disziplinen Hoch- und Weitsprung gehören dazu. Man kann den Schleuderball werfen, was ungute Erinnerungen an den Schulsport hervorruft. Wer mag, kann reichlich Seilspringen. Es gibt aber auch Koordinationsübungen, die kaum sportliche Vorkenntnisse und Techniken benötigen, Ball umgreifen, Kick fangen, Koordinationsleiter oder der T-Lauf. Für den hat Amelung Plastikmarken in Form eines „T“ auf den Platz gelegt.
Die müssen angelaufen und berührt werden, erst den am Anfang, dann den in der Mitte des T-Balkens, dann im Seitschritt zum rechten T-Ende, dann zum linken T-Ende, schließlich den Weg zurück, rückwärts gelaufen. Ü-60-Sportler müssen das Ganze in 18,8 Sekunden schaffen, wollen sie die Leistungen für Bronze schaffen.
„Los“, sagt der Sportler und berührt den ersten Marker, der zweite in der Mitte, dann rasch seitwärts nach rechts, nach links und zurück. „15, 9“, misst Amelung, eine Zehntel zu viel für Gold. Willste noch ‘mal?“ Klar. Wieder vor, rechts, links und zurück. 14,8 Sekunden, eine Sekunde weniger als für Gold nötig. Jetzt noch einmal den Sprint wiederholen und dann ins Schwimmband, um den Schwimmnachweis zu holen. Dann ist das Goldene Sportabzeichen sicher.
Wer das Sportabzeichen ablegen möchte, kann donnerstags ab 16.30 Uhr auf den Sportplatz im Schul- und Sportzentrum an der Schulstraße in Leopoldshöhe kommen. Die Termine sind: 11. Juni, 26. Juni, 9. Juli, 23. Juli, 13. August, 27. August, 10. September, 24. September und 8. Oktober. Zuvor sollten sich die Interessenten auf dem Portal für das Deutsche Sportabzeichen registrieren. Dort werden von den Prüfern die Leistungen hinterlegt. Für Gruppen bieten Jörg Amelung und Corinna Meyer Sondertermine auf Anfrage an: Corinna Meyer, Tel. 0151 43600219; Jörg Amelung, Tel. 0160 97048219.
Die Leistungen in den einzelnen Disziplinen richten sich nach Alter und Geschlecht. Es gibt zur besseren Übersicht Tabellen für Frauen, für Männer, für weibliche Kinder und Jugendliche und für männliche Kinder und Jugendliche. Für Menschen mit Beeinträchtigungen gibt es das Deutsche Sportabzeichen mit angepassten Leistungen.



