Mit der Brechstange

Kita Greste. Archivfoto: Thomas Dohna
Kita Greste. Archivfoto: Thomas Dohna

Die Verwaltung legt sich mit allen an

Debattenbeiträge geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder.

Von Thomas Dohna

Man kann nur über die politische, gesellschaftliche und kommunikative Unsensibilität staunen, mit der die Gemeindeverwaltung in Sachen kommunaler Kindertagestätten vorgeht. Hier findet Fortsetzung, was nicht erst mit dem Versuch, Windkraftanlagen im Norden der Gemeinde zu bauen, begann.

Erinnert sei hier an den Umgang mit den jeweiligen ehemaligen Allgemeinen Vertreterinnen des Bürgermeisters Heike Sunkowski und Karin Glöckner, an die Abwahl des stellvertretenden Bürgermeisters Andreas Brinkmann und die überfallartige Abschaffung der mündlichen Fragestunde für die Sitzungen des Gemeinderates und seiner Ausschüsse. Dazu kommen der pomadige Umgang mit dem Verlust aus dem Projekt Brunsheide, sowie der schon fast freche Umgang mit den ewigen Baustellen Holzhalle und dem Lehrschwimmbecken der Grundschule Nord. Der ebenfalls im Winter überfallartig gestellte Antrag der Verwaltung, die Kita Greste zu schließen, ist nur ein weiteres Symptom.

Zur Klarstellung: Nach wie vor hält der Autor dieses Kommentars die Verhinderung der Windkraftanlagen im Norden der Gemeinde für falsch, das Projekt Brunsheide für richtig, kommunale Kindertagesstätten für einen Luxus, den sich eine Gemeinde wie Leopoldshöhe noch nie leisten konnte. Die jeweiligen Adressaten kennen diese Haltung aus vielen Gesprächen. Um die Sinnhaftigkeit all dieser Angelegenheiten geht es hier nicht.

Es geht um den Umgang der Verwaltung und ihrer Spitze mit den jeweils Betroffenen und der öffentlichen Kommunikation dazu. Nach vielen Gesprächen des Autors mit den Betroffenen ergibt sich immer wieder dasselbe Bild: Mit uns wurde nicht gesprochen, erst im Nachhinein gesprochen, von oben herab gesprochen. In keinem dieser Fälle hat es die Spitze der Verwaltung fertiggebracht, selbst vor die Betroffenen zu treten und sich dem Gespräch zu stellen. Sie wies es vor allem Mitarbeiterinnen zu oder überließ es Ratsmitgliedern, sich dem Zorn der Menschen zu stellen.

Es ist dieser unsensible Umgang mit den Leuten, der die Menschen auf die Palme bringt, der eine im Verdacht des Rechtsextremismus stehende Partei in den Gemeinderat gebracht hat, der eine Wählergemeinschaft zur zweitstärkten Fraktion hat werden lassen und die SPD an den Rand der Spaltung bringt.

„Mut in allen Dienstobliegenheiten“ hieß es in Dienstanweisungen für das preußische Militär des 19. Jahrhunderts. Diese Anweisung geht inhaltlich direkt auf König Friedrich II von Preußen zurück. Der erwartete von seinen Beamten Mut, auch den Mut ihm zu widersprechen, Probleme und Versäumnisse – auch die eigenen – offen anzusprechen. Diesen „Mut in allen Dienstobliegenheiten“ lässt die Verwaltung dem Souverän, den Bürgern Leopoldshöhes gegenüber vermissen. Sie versucht zu überdecken, zu überfallen und schön zu reden, wo nichts schön zu reden ist.

Der Beschlussvorschlag für die Sitzung des Bildungsausschusses am 7. Juli 2026, die Kita Greste zu schließen, kommt „wie Ziethen aus dem Busch“. Dass sich die Betroffenen, Eltern und Mitarbeiterinnen wie mit der Schippe vor den Kopf geschlagen fühlen und jedes Vertrauen in die Verwaltung verloren haben, ist nachvollziehbar.  

„Alles im Plan“ verkündet die Gemeindeverwaltung mit Blick auf die Sanierung des Lehrschwimmbeckens der Grundschule Nord. „Alles im Plan“ ist inzwischen ein gängiges, bitteres Synonym für das Nicht-Wahrnehmenwollen von Realitäten, für das Überdecken dessen, was offenbar ist, für das Kleinreden eigener Versäumnisse.

Die Verwaltung und deren Spitze täten gut daran, Verantwortung zu übernehmen und Fehler einzugestehen, nicht mit der linken Hand, sondern offen und ernsthaft. Das wäre ein dringend notwendiger, wenn auch nicht hinreichender Beitrag zur Befriedung der Gemeinde und des Gemeinderates. Hinreichend wäre es erst, wenn sich diese Haltung über die nächsten Jahre bewähren würde.

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