Mit Drehorgel und lippischem Schützen

Ortsheimatpfleger Heinrich Dingerdissen aus Ubbedissen (von links), Initiator Manfred Burkamp, der lippische Schütze Werner Zahn und Gerhard Schemmel (Bürgerstiftung) feierten mit Gästen die Aufstellung des Grenzsteins am Radweg entlang der B66. Foto: Thomas Dohna
Ortsheimatpfleger Heinrich Dingerdissen aus Ubbedissen (von links), Initiator Manfred Burkamp, der lippische Schütze Werner Zahn und Gerhard Schemmel (Bürgerstiftung) feierten mit Gästen die Aufstellung des Grenzsteins am Radweg entlang der B66. Foto: Thomas Dohna

Feier für den Grenzstein

Asemissen (ted). Nun steht er da, der lippisch-preußische Grenzstein. Die Bürgerstiftung hatte zu einer kleinen Feier an den Geh/Radweg entlang der neuen Trasse der B66 geladen. Stilvoll mit Drehorgel, einem lippischen Schützen und feierlichen Reden lief die Feier ab.

Gerhard Schemmel von der Leopoldshöher Bürgerstiftung sprach über Manfred Burkamp, der den Grenzstein seit inzwischen 14 Jahren zu seinem Thema gemacht habe. Der Stein sei ein Erinnerungsstein, sagte Schemmel. Es gebe noch sehr viele Grenzmarkierungen mit kleineren Steinen, aber nur wenige solche. Er stehe an einem alten Handelsweg. In Ubbedissen habe es seinerzeit eine Zollstation gegeben.

Der Stein stammt wohl aus dem 19. Jahrhundert und markierte an dem Hellweg, der heute die B66 ist, die Grenze zwischen dem Fürstentum Lippe und dem Königreich Preußen. Nach dem Sieg über Napoleon 1815 bei Waterloo zogen die europäischen Regierungen die Grenzen zwischen den Staaten neu. Die Fürsten in Deutschland milderten die bis 1806 auf dem Gebiet des „Heiligen Römischen Reiches teutscher Nation“ herrschende Kleinstaaterei ab und gründeten den „Deutschen Bund“, der auch Österreich und seine norditalienischen Besitzungen umfasste. Damit hatte der Bund sowohl Zugang zur Nord- und Ostsee wie auch zum Mittelmeer.

Im Zuge dieser Neugründung gingen viele kleine und kleinste Herrschaften in größeren Fürstentümern auf. So verlor die einstige Reichsstadt Herford ihre Selbständigkeit und wurde Preußen zugeschlagen. Weltliche Herrscher übernahmen kirchliche Fürstentümer. Klöster und Stifte wie die beiden in Herford und das eine in Bielefeld-Schildesche mussten sich auflösen. Lippe, obwohl vergleichsweise klein, blieb selbstständig.

In der Folge reisten Landvermesser durch die Länder des Deutschen Bundes und vermaßen das Land neu. Überall wurden kleine Grenzsteine und – an bedeutenderen Stellen – Grenzsäulen errichtet. Ursprünglich zierten die Säule die Aufschriften „Königreich Preußen“ und „Fürstentum Lippe“. 1918, mit dem Untergang des Kaiserreiches und der Gründung der Weimarer Republik wurden Preußen und Lippe ebenfalls Republiken, zu Deutsch Freistaaten genannt. Die Aufschriften wechselten.

Mit der Drehorgel wurden die Gäste der Feierstunde unterhalten. Foto: Thomas Dohna
Mit der Drehorgel wurden die Gäste der Feierstunde unterhalten. Foto: Thomas Dohna

Allerdings nicht überall, wie einer der Gäste bemerkte. An der lippischen Grenze zu gebe es noch eine Säule mit den alten Aufschriften. Eine Frau wies auf eine Säule an der Grenze zwischen Herford und Bad Salzuflen hin.

Die ehemalige Bielefelder und Leopoldshöher Ratsfrau Marie-Luise Asemissen lobte Manfred Burkamp für sein mit lippischer Sturheit betriebenes Engagement.

Burkamp selbst verwies auf die Mithilfe von Vielen. „Wir sind hier, um uns selbst zu feiern“, sagte Burkamp. „Ich hoffe, dass der Stein die nächsten 100 Jahre hier stehen bleibt.“

Nach diesen Reden und der des Ubbedisser Ortsheimatpflegers Heinrich Dingerdissen, der auf das inzwischen gute Einvernehmen zwischen Preußen und Lippern hinwies, erklang von der Drehorgel der Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“. Der ist seit 1838 mit der Melodie des russischen Komponisten Dmitrij Bortnjanski Bestandteil des preußischen Zapfenstreichs.

Mit vielen Fotos, Gesprächen und Artigkeiten untereinander sowie flotter Drehorgelmusik fand die Feierstunde ihr Ende.

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