Nicht nur ein Kostenfaktor

Kita Greste. Archivfoto: Thomas Dohna
Kita Greste. Archivfoto: Thomas Dohna

Diskussion um die Kita Greste

Debattenbeiträge geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder.

Von Hans-Christian Asemissen

Die Diskussion um die Zukunft der Kitas in kommunaler Trägerschaft in Leopoldshöhe hinterlässt einen ernüchternden Eindruck. Bereits vor Beginn des Arbeitskreises bestanden Zweifel daran, ob dieser tatsächlich zu einer fundierten Entscheidungsgrundlage führen würde. Die bisherigen Ergebnisse lassen diese Zweifel leider eher bestätigt erscheinen.

Dabei sind insbesondere drei Punkte hervorzuheben.

Erstens: Der Arbeitskreis wurde eingerichtet, um eine Entscheidung vorzubereiten. Entscheidungen dieser Tragweite sollten auf belastbaren Fakten und nachvollziehbaren Ergebnissen beruhen. Das Ergebnis des Arbeitskreises ist bisher jedoch, dass weder ein Konsens erreicht noch entscheidende neue Erkenntnisse gewonnen wurden.

Während ein fehlender Konsens durchaus Ausdruck eines demokratischen Meinungsbildungsprozesses sein kann, wiegt das Ausbleiben neuer Erkenntnisse deutlich schwerer. Die offenen Fragen zu Kostenstrukturen und Wirtschaftlichkeit im Kita-Bereich stehen nicht erst seit den Diskussionen um die Kita Greste im Raum, sondern beschäftigen Politik und Verwaltung bereits seit mehreren Jahren. Dass diese Fragen bis heute nicht ausreichend beantwortet werden konnten, wirft Fragen hinsichtlich der Vorbereitung und Transparenz des gesamten Prozesses auf.

Zweitens: Der Bürgermeister hat grundsätzlich Recht, wenn er darauf hinweist, dass jeder Euro, der für die Kinderbetreuung aufgewendet wird, nicht für andere kommunale Aufgaben zur Verfügung steht. Die Priorisierung knapper Ressourcen gehört zu den Kernaufgaben einer kommunalen Verwaltung.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Prioritäten eine Gemeinde setzen möchte. Leopoldshöhe versteht sich als familienfreundlicher Ort. Dieses Selbstverständnis wird auch und gerade aus der Verwaltung regelmäßig betont. Ebenso offensichtlich ist jedoch, dass die kommunalen Kitas für viele Familien ein attraktiveres Angebot darstellen als Einrichtungen in freier Trägerschaft. Gerade die aktuell – während der Ferien – deutlich flexibleren Schließzeiten zeigen, welchen konkreten Mehrwert die kommunalen Einrichtungen für Eltern bieten können.

Drittens: Die wiederholt vorgebrachte Behauptung, ein freier Träger könne die Kitas grundsätzlich kostengünstiger betreiben, ist bislang nicht belastbar belegt worden.

Vielmehr zeigt beispielsweise die betriebswirtschaftliche Auswertung der Kita Greste (vorgelegt im Januar), dass ein erheblicher Teil des Defizits auf Fixkosten zurückzuführen ist. Diese Kosten entstehen unabhängig davon, wer die Einrichtung betreibt. Ein Trägerwechsel allein beseitigt daher nicht automatisch die wirtschaftlichen Herausforderungen.

Damit verbunden ist, dass bislang kein überzeugendes Konzept erkennbar ist, wie mit den Immobilien und den damit verbundenen Kosten umgegangen werden soll, wenn ein Trägerwechsel vollzogen wird. Gerade diese Faktoren stellen den wesentlichen Kostenblock dar und bleiben auch bei einer Schließung oder einem Betreiberwechsel bestehen. Ohne Antworten auf diese Fragen erscheint die Diskussion über alternative Trägermodelle wieder nicht vollständig betrachtet.

Für mich persönlich war das hervorragende Betreuungsangebot ein wichtiger Grund früher als eigentlich geplant, mit meiner Familie nach Leopoldshöhe zu ziehen. Als Vater von drei kleinen Kindern weiß ich die Qualität und Verlässlichkeit der Kinderbetreuung vor Ort sehr zu schätzen.

Ich hoffe daher, dass Politik und Verwaltung die Bedeutung einer hochwertigen Kinderbetreuung nicht nur als Kostenfaktor betrachten, sondern auch als wichtigen Standortvorteil für Familien. Die Entscheidungen, die heute getroffen werden, beeinflussen maßgeblich die Attraktivität Leopoldshöhes als lebenswerter und familienfreundlicher Wohnort in der Zukunft.

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