
Zeitkapsel der Grundschule Nord entdeckt
Leopoldshöhe (ted). Ein Stück Leopoldshöher Geschichte ist bei Sanierungsarbeiten an der Grundschule Nord ans Licht gekommen: Mitarbeitende der Gemeinde haben durch eine Kernbohrung eine Zeitkapsel gefunden, die vor rund 66 Jahren beim Bau der damaligen Dörfergemeinschaftsschule in den Grundstein gelegt worden ist.
In den 1950er Jahren hatte sich die damals noch selbstständigen Gemeinde im heutigen Leopoldshöher Norden entschlossen, eine neue Volksschule zu bauen, die Dörfergemeinschaftsschule. Sie sollte neuesten pädagogischen Erkenntnissen entsprechen und zum Ersatz für die kleinen Volksschulen in den Gemeinden Nienhagen, Schuckenbaum, Krentrup und Leopoldshöhe werden.
Greste hatte erst 1953 eine neue Schule gebaut, die heutige Kindertagesstätte. Die Krentruper Schule ist zu Wohnungen umgebaut worden, dasselbe Schicksal teilen die Volkschulgebäude im Ortsteil Leopoldshöhe sowie die in Nienhagen und Schuckenbaum.
Die Dörfergemeinschaftsschule bekam ein Schwimmbad, dessen Sanierung inzwischen sieben Jahre andauert. Auch die sogenannte Holzhalle, deren Renovierung beim ersten Versuch im vergangenen Jahr fehlschlug, ist Teil der neuen Schule. Beide waren damals enorme Fortschritte im Vergleich zu den alten Volksschulen, die weder ein Schwimmbad noch eine Turnhalle hatten. Zu der neuen Schule gehörten Werkräume (für die Jungen) und eine Schulküche (für die Mädchen). Neu war auch der “Feierraum”, die heutige Aula, und der Physikraum. An der neuen Schule wurde auch Englisch unterrichtet.
Am 9. Februar 1962 nahm die Dörfergemeinschaftsschule den Betrieb auf. Ihr Bau kostete damals 1,5 Millionen D-Mark.
Wo genau die metallene Zeitkapsel gefunden wurde, teilt die Verwaltung nicht mit. Sie sei aufgesägt worden, sei aber vollständig erhalten. In der Kapsel hätten sich unter anderem Schulpläne und Tageszeitungen aus dem Mai 1960 befunden. Ein Foto vom damaligen Baustellenschild mit der Aufschrift „Neubau der Gemeinschaftsschule“ lag ebenfalls in der Kapsel.
In einer Niederschrift zur Gründung des Schulverbandes für die Schule werden die damaligen Bürgermeister der Gemeinden Leopoldshöhe, Schuckenbaum, Krentrup und Nienhagen namentlich genannt: Rudolf Brinkmann für Leopoldshöhe, August Schilling für Krentrup, Georg Kelle für Schuckenbaum und Wilhelm Rüter für Nienhagen. Die vier damals noch eigenständigen Gemeinden waren am Bau der Gemeinschaftsschule beteiligt und hatten sich auf einen zentralen Standort verständigt. Der lag im damaligen Schuckenbaum. Die damals eigenständige und 1921 gegründete Gemeinde Leopoldshöhe grenzte an.

Die heutige Großgemeinde Leopoldshöhe ist erst mit der kommunalen Gebietsreform 1. Januar 1969 gegründet worden. Der ehemalige Krentruper Bürgermeister August Schilling soll dabei im Lemgoer Kreistag eine entscheidende Rolle gespielt haben. Dort stimmten zwei Abweichler gegen den vom Land favorisierten Plan, die im heutigen Norden Leopoldshöhe liegenden Gemeinde der Stadt Bad Salzuflen zuzuschlagen und die südlichen der Stadt Oerlinghausen.
Der Kreistag stimmte mit Hilfe der Abweichler für die Gründung der Großgemeinde Leopoldshöhe, obwohl der Norden und der Süden nicht einmal durch eine Buslinie und nur über die Dahlhauser Straße miteinander verbunden waren.
„Es ist etwas Besonderes, wenn bei einer Sanierung plötzlich ein Stück Geschichte auftaucht, das direkt mit dem Gebäude und unserer Gemeinde verbunden ist“, wird Bürgermeister Martin Hoffmann in der Mitteilung zitiert.
Die gefundenen Dokumente sollen nun historisch eingeordnet werden. „Besonders die Tageszeitungen aus dem Mai 1960 bieten dabei einen spannenden Blick auf die Zeit, in der die Gemeinschaftsschule gebaut wurde“, heißt es in der Mitteilung der Gemeinde.
“Dörfergemeinschaftsschule” Leopoldshöhe, bericht des WDR von 1962





