
Heimatverein feiert Jubiläum
Leopoldshöhe (ted). Scharfe Kritik an der Leopoldshöher Gemeindeverwaltung hat der Vorsitzende des Heimatvereins Leopoldshöhe, Helmut Depping, geübt. Anlass war die Feierstunde zum 50-jährigen Bestehen des Vereins.
Die Idee, einen Heimatverein in der damals noch nicht einmal zehn Jahre alten Großgemeinde Leopoldshöhe zu gründen, kam 1975 auf. Im Dezember gab es eine Bürgerversammlung. Im Februar 1976 war der Heimatverein Leopoldshöhe gegründet. Helmut Depping zog eine positive Bilanz der vergangenen 50 Jahre. Der Verein habe sich damals zum Ziel gesetzt, eine Verein für alle Leopoldshöher zu sein.
Acht ehemals selbstständige Gemeinden waren im Zuge der nordrhein-westfälischen Gebietsreform zur Gemeinde Leopoldshöhe zusammengeschlossen worden. Der verstorbene ehemalige Bürgermeister und Vorsitzende des Heimatvereins Rudi Struck habe oft davon erzählt, wie es durch zwei Abweichler im damaligen Lemgoer Kreistag zur Gründung der Großgemeinde Leopoldshöhe gekommen war, berichtete Depping. Das Ziel, ein Verein für die ganze Gemeinde zu sein, sei erreicht worden, sagte er.
Depping erinnerte an die Restaurierung des Heimathofes durch die Aktiven des Heimatvereins vor etwa 40 Jahren. „Das waren unsere Alten, wie wir sie heute nennen“, sagte Depping. Sie richteten das Haupthaus des Eickmeierschen Hofes her und darin das Heimatmuseum ein. Sie bauten das Backhaus und die Grillhütte in tausenden ehrenamtlichen Arbeitsstunden aus und um.
Zuletzt legten die Aktiven der vor etwa 30 Jahre gegründeten Dienstagsgruppe Hand an der neuen Remise an. Depping lobte die Unterstützung der NRW Stiftung, die 20.000 Euro Zuschuss zu den Kosten beisteuerte. Er erkannte die wohlwollende Begleitung des Kreises Lippe als Baugenehmigungsbehörde an. „Diese Unterstützung konnten wir von der Heimatgemeinde nicht erfahren. Sie versuchte uns auszubremsen“, sagte Depping.

Die Leopoldshöher Gemeindeverwaltung hatte den Bau der Remise mit Verweis auf den geltenden Bebauungsplan abgelehnt und so den Bau um ein Jahr verzögert. Im Bebauungsplan ist der Teil des Heimathofes, auf dem die Remise nun steht, als Grünfläche gezeichnet, obwohl dort eine Betonplatte liegt, die auch schon vor dem Beschluss des Bebauungsplans dort lag. Der Kreis setzte sich nach einer Intervention des Lippischen Heimatbundes über die Gemeinde hinweg.
„Wir bewahren Geschichte, weil wir ihr eine Zukunft geben“, sagte Depping und verwies auf die mehrfache Auszeichnung des Vereines auf Kreis- und auch Bundesebene. Der Verein betreibe Heimatpflege, die nicht aus rückwärtsgewandter Traditionspflege bestehe. „Wir bewahren, was uns wichtig ist und schaffen etwas, auf das andere aufbauen könne“, sagte Depping. Heimat entstehe dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernähmen.

Klaus Fiedler, stellvertretender Bürgermeister Leopoldshöhes, stellte fest: „Heute ist ein besonderer Tag für die Gemeinde.“ Der Heimatverein stehe für Bewahrung, Begegnung und gelebte Gemeinschaft. Er beweise eine beeindruckende Ausdauer. Der Verein sei der lebendige Mittelpunkt des Gemeindelebens.
Der stellvertretende Vorsitzende des Lippischen Heimatbundes, Stefan Wiesekopsieker, sah den Heimatverein als „wichtigen Motor kultureller Veranstaltungen“. Kurt Kalkreuter, stellvertretender lippischer Landrat, zitierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit: „Das Vereinsleben ist der Kit unserer Gemeinschaft.“ Das Engagement sei von unschätzbarem Wert für Leopoldshöhe und Lippe.

Die lippischen Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge (CDU) zitierte den Sänger Herbert Grönemeier mit „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“. Vieregge sieht das Engagement in Vereinen als Garant für die demokratische Resilienz der Gesellschaft. Wer lerne, im Verein etwas auf die Beine zu stellen, schaffe das Fundament für diese Resilienz. Im Heimatverein werde alles andere als provinzielle Tümelei betrieben. Er sei nicht rückwärtsgewandt.
Der Heimatverein Leopoldshöhe sei „ein unübersehbares Zentrum des kulturellen Lebens in Leopoldshöhe“, sagte Vieregge. Der Bau der Remise sei ein Zeichen echter Tatkraft. Dass der Heimatverein die Erlöse des Jubiläumsfestes dem Verein Cup der Guten Hoffnung spende, zeige wahre innere Größe. Der Verein Cup der Guten Hoffnung unterstützt Eltern schwerkranker Kinder.

Erstmals in seiner Geschichte verlieh der Heimatverein verdienten Mitgliedern eine Ehrenmitgliedschaft. Gründungsmitglieder Gustav Koch und Karl Willi Vahle sowie Gerlinde Huxhage, die seit 1977 Mitglied ist und sich vor allen in der ehemaligen Theater- und der ebenfalls aufgelösten Plattdeutschgruppe engagierte.

Kurt Abel (90) und August Steinhage bekamen ebenfalls die Ehrenmitgliedschaft. Beide sind Mitglieder der Dienstagsgruppe, wo der inzwischen 90-jährige Abel immer noch mit seinen Tischler-Kenntnissen wertvolle Arbeit leistet. Steinhage leitet die Naturschutzgruppe des Heimatvereins und kümmert sich um die Rasenflächen rund um den Heimathof.

Der Heimatverein hatte etliche Handwerker gewinnen können, die ihre Fähigkeiten dem Publikum vorstellten. So zeigte ein Hufschmied, wie aus einem Streifen Stahl ein Hufeisen wird. Kinder durften mit Hilfe der Handwerker einen Glücksbringer schmieden.

Die Strickschläger des Heimatvereins Rahden waren zu Gast und zeigten, wie aus Sisalgarn Seile werden. Enkel und Großvater Havemann führten das fachgerechte Dengeln von Sensen vor. Dachdeckermeister Relzow schlug mit seinen Mitarbeitern Schiefertafeln zu Dekostücken und Mitbringseln zurecht. An der Remise zeigten die Zimmerleute der Zimmerei Schulz ihre Künste. Der Zimmermann Benjamin Neunes baute mit Hilfe von Lehm die Gefache an der Remise in traditioneller Weise aus. Der Schützenverein Nienhagen bot erste Schritte im Bogenschießen an. Schäferin Pia Völkers und die Schafschererin Carolin Bünting zeigten, wie Schafe geschoren werden.




