
Ukraine-Hilfe belädt Lkw
Leopoldshöhe (ted). Es herrscht geschäftiges Treiben auf dem Hof von Martin Betge. Dort steht ein Sattelzug. Eine Gruppe von Männern und einer Frau beladen ihn. Der Lkw wird der 44. Hilfstransport der Ukraine-Hilfe nach Kostopil in der Ukraine.
Geladen hat der Lkw Intensivpflegebetten, ausrangierte Computer aus der Kreisverwaltung und einen elektrischen Rollstuhl, gestiftet von der Firma PVM. „Die Firma verleast die Geräte wie auch Rollstühle und Rollatoren“, sagt Gerhard Schemmel, einer der Aktiven der Ukraine-Hilfe. Nach einiger Zeit gehen sie aus dem Umlauf.
Vor wenigen Tag erreichte die Aktiven ein Anruf aus Kostopil. Ein kriegsversehrter Soldat benötigte einen neuen elektrischen Rollstuhl, weil sein Gerät bei einem russischen Luftangriff zerstört worden sei. Die Aktiven nahmen Kontakt zur Firma PVM auf, die mehrfach medizinisches Material gespendet hat – und bekamen den Rollstuhl.
Der Transport ist nach Angaben der Ukrainehilfe der sechste Transport im laufenden Jahr. Er sei ein erneuter Beweis für das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement der zahlreichen Helferinnen und Helfer aus der Region.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert nun schon länger als viereinhalb Jahre. Er ist damit länger als der Erste Weltkrieg und auch länger als der in Russland sogenannte „Große vaterländische Krieg“, wie dort der Teil des Zweiten Weltkriegs genannt wird, im dem Deutschland 1941 die UdSSR angegriffen hat.
Noch immer sei die Zivilbevölkerung fast täglich schweren Bombardierungen sowie Raketen- und Drohnenangriffen ausgesetzt, schreibt die Ukraine-Hilfe. Diese Zerstörung der Infrastruktur bringe unermessliches Leid und erschwere die Grundversorgung extrem. Besonders ältere Menschen, Familien mit Kindern, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen seien dringend auf Unterstützung angewiesen.
„Uns beeindruckt die Widerstandsfähigkeit und Wehrhaftigkeit der Menschen vor Ort immer wieder zutiefst. Sie bewältigen ihren Alltag unter extremsten Bedingungen – wie etwa im letzten Winter ohne Heizung und Wasser“, teilen die Organisatoren der Ukrainehilfe mit. „Mit unserem 44. Hilfstransport wollen wir nicht nur akute Not lindern, sondern auch deutlich machen, dass unser Engagement für die Menschen in der Ukraine nicht nachlässt und dringend fortgesetzt werden muss.“
Die Ladung des Sattelzugs sei gezielt nach den Bedarfslisten vor Ort zusammengestellt worden. An Bord befinden sich unter anderem: Medikamente, Verbandsmaterial und medizinische Hilfsmittel, Rollstühle und Gehhilfen, Feuerlöscher, Möbel und Büroausstattung, gut erhaltene Kleidung und Spielzeug für Kinder.
In Kostopil werden die Hilfsgüter von Nataliya Didenko und ihrem Team der Partnerorganisation „Hands of Hope and Care“ in Empfang genommen. Die Organisation sorge durch eine lückenlose Dokumentation dafür, dass sämtliche Spenden nachvollziehbar, transparent und zielgerichtet an notleidende Familien, medizinische Einrichtungen und soziale Organisationen verteilt werden, schreibt die Ukraine-Hilfe.
Die Evangelischen Kliniken Bethel (EvKB) stellten mehrere Intensiv-Pflegebetten zur Verfügung. Der Kreis Lippe spendete Schulmobiliar sowie gebrauchte Computer-Hardware. Markus Wendler und die Firma PVM spendete neben dem schon erwähnten elektrischen Rollstuhl Rollatoren und einfache Rollstühle. Daneben spendeten Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Vereine und Institutionen. „Ohne dieses breite bürgerschaftliche Engagement – sei es durch Geld- und Sachspenden oder durch die tatkräftige Hilfe beim Sortieren und Verladen – wären die regelmäßigen Transporte nicht möglich“, schreibt die Initiative.
Die Ukrainehilfe Bielefeld Lippe appelliert an die Öffentlichkeit: Die humanitäre Krise sei nicht vorbei, die Hilfe werde weiterhin dringend benötigt. Jede Unterstützung zähle. Sowohl finanzielle Mittel als auch gut erhaltene Sachspenden leisteten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Notleidenden. „Jede Spende ist dabei weit mehr als nur konkrete Hilfe – sie ist ein starkes Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine“, sagen die Aktiven.




