
Kirchengemeinde feiert 175 Jahre Kirche am Marktplatz
Leopoldshöhe (ted). Mit einem festlichen Gottesdienst und vielen Gästen hat die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Leopoldhöhe das 175-järhige Bestehen der Kirche am Marktplatz gefeiert. Die persönlichste Ansprache hielt ein Politiker.
„Bauen auf der grünen Wiese“, so benannte Andreas Rodekamp, Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinde das, was vor 176 Jahren begann, der Bau der evangelisch-reformierten Kirche, die die Keimzelle des heutigen Leopoldshöhes werden sollte und heute bisweilen liebevoll „unser Dom“ genannt werde. Schon im 18. Jahrhundert hatte es erste Bestrebungen geben, für die Bauernschaften Greste und Hovedissen eine Kirche zu bauen, denn die Wege zu den Gottesdiensten in Schötmar, Oerlinghausen, Lage oder gar Heepen waren mit einem je zweistündigen Fußmarsch hin und zurück verbunden.
Zeit, die für die Versorgung von Vieh oder einfach zum sonntäglichen Ausruhen von der Wochenarbeit fehlte. Im August erlebten Teilnehmer einer Sternwanderung von den Kirchen nach Leopoldshöhe, was es bedeutet, in sommerlicher Hitze die Rückwege zu gehen.
1835 gab es das, was man heute eine Studie nennt. Argumente für den Bau einer Kirche wurden gesammelt und bald eine Baukommission gegründet. Die sollte herausfinden, ob man bauen wolle, wenn ja, wo man bauen wolle und wie das Ganze finanziert werden könnte.

Als das alles gefunden war, musste noch der damals in Lippe regierende Fürst Leopold II. überzeugt werden, der zugleich dem lippischen Kirchenkonsistorium vorstand und damit der höchste Repräsentant der lippischen Landeskirche war, wie Stephan Prinz zur Lippe in seinem Grußwort berichtete. Der legte 1850 den Grundstein für die Kirche. Die Fertigstellung des Baus 17 Monate später erlebte der Fürst nicht mehr.

Prinz zur Lippe erinnerte an die 1848 von Leopold II. erlassene liberale Verfassung Lippes – die sein Sohn Leopold III. allerdings wieder einkassierte. Leopold II. gründete das heutige Landestheater in Detmold als Publikums- und nicht als Hoftheater. Sein Sohn weihte die Kirche ein – und führte Lippe 1866 in den Norddeutschen Bund, den Vorläufer des 1871 gegründeten Deutschen Reiches, ein. Da bestand die Leopoldshöher Kirche schon 20 Jahre. Um die Kirche entstanden Gaststätten, Handwerksbetriebe, Wohnhäuser. Weitere 50 Jahre danach entstand aus den Bauernschaften Greste und Hovedissen die erste Kommune mit dem Namen Leopoldshöhe.

Die Kirche und die Gesellschaft haben sich seit der Gründung der Kirche verändert. „Die Kirche von heute ist nicht mehr die begeisterte Kirche von 1851“, stellte Prinz zur Lippe fest. Es sei dennoch etwas von der damaligen Begeisterung für die Kirche geblieben. Er zitierte den Wahlspruch seiner Familie aus dem Römerbrief der Bibel, der heute noch am Tor zum Residenzschloss in Detmold in Stein gemeißelt zu lesen ist: „Wenn Gott für uns ist, wer sollte wider uns sein?“
Es habe in der Geschichte immer Aufs und Abs gegeben, sagte Prinz zur Lippe. Mit Geduld und Zuversicht sei das bewältigt worden, sagte er, zitierte den Rocksänger Udo Lindenberg: “Hinterm Horizont geht’s weiter“ und verwies auf den letzten im Gottesdienst gesungenen Choral „Vertraut den neuen Wegen“.

Eine sehr persönliche Rede hielt der stellvertretende Bürgermeister Leopoldshöhes Klaus Fiedler. Er sei in der Kirchen getauft und konfirmiert worden, er haben hier geheiratet und seine Goldene Konfirmation gefeiert. “Diese Kirche war bei den wichtigsten Momenten meines Lebens dabei“, sagte Fiedler. Die Kirche habe große Bedeutung für das Leben der Menschen. Dabei sei die Kirche die Menschen, die sich gegenseitig annehmen und begleiten. Fiedler dankte den haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirchengemeinde, die die Kirche am Marktplatz mit Leben füllten.
Michael Keil, Präses der Lippischen Landessynode und damit Vorsitzender des höchsten kirchenleitenden Gremiums, sprach in seiner Predigt von der Kirche „mittendrin“, und von einer Kirche, die von den Menschen lebe, die in ihr zusammenkommen.
Den Gottesdienst begleiteten der Posaunenchor der Kirchengemeinde Helpup und der Projektchor der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Leopoldshöhe unter der Leitung von Kantorin Annette Wolf, die auch die Orgel spielt. Neben den Repräsentanten von Landeskirche, politischer Gemeinde und der fürstlichen Familie waren Vertreter vieler Vereine und der benachbarten Kirchengemeinden gekommen.




