
SPD ehrt Jubilare
Leopoldshöhe (ted). Als Hans Koppmann erzählte, wurde es erst still im Saal, dann bekam er Applaus. Seit 60 Jahren ist der ehemals selbstständige Friseurmeister Mitglied der SPD. Gestern ehrte der SPD-Ortsverein Leopoldshöhe-Süd seine Jubilare.
„Ich konnte mich gar nicht wehren“, berichtete Koppmann. Seine Großeltern hätten 1910 den Ortsverein Asemissen gegründet. Die Eltern waren in der SPD. Schon als Neunjähriger schickte ihn sein Vater los, säumige Beitragszahler an den Parteibeitrag zu erinnern. „Damals gab es ja noch die Ortskassierer. Mein Vater war der hier bei uns“, sagte Koppmann. Für den jungen Hans war das gar nicht so unattraktiv. „Damals fiel für mich der ein oder andere Groschen ab.“
Koppmann lernte Friseur, trat in die SPD ein, machte seinen Meister und gründete sein Friseurgeschäft. Da sei eines Tages der jüngst verstorbene Wolfgang Strohmeyer (CDU) zu ihm in den Laden gekommen. Er habe gemeint, da Hans nun selbständig sei, solle er doch in die CDU übertreten. Da sei er besser aufgehoben. Koppmann lehnte ab: „Ich kann jeden Tag mein Hemd und meine Hose wechseln. Aber meine Gesinnung kann ich nicht ändern.“ Strohmeyer sei dennoch sein Kunde geblieben.
Koppmann war einige Zeit Mitglied im Gemeinderat. Heute ist der knapp 80-Jährige im Sozialverband Deutschland, eine seit ihrer Gründung in den 1920er Jahren der SPD nahestehende Selbsthilfeorganisation von Sozialversicherten, ehrenamtlich tätig. Koppmann ist Vorsitzender des lippischen Kreisverbandes, des Ortsvereins Leopoldshöhe-Asemissen-Oerlinghausen und Mitglied im Landesvorstand des SoVD. Er war lange Mitglied in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr und ist dort noch immer in der Ehrenabteilung aktiv. Bürgermeister Martin Hoffmann (SPD) sagte: „Da ist einer in der SPD, der kümmert sich“.
Einer, der sich ebenfalls 50 Jahre in der SPD gekümmert hat, ist Helmut Holthöfer. Der Leopoldshöher war lange Leiter des Bauamtes der Stadt Oerlinghausen. Politisch war er weniger aktiv. Er fand das als Mitarbeiter einer Verwaltung unpassend. Die SPD-Landtagsabgeordnete Ellen Stock erinnerte sich an Gespräche mit ihm übers Bauen und Planen: „Heute bin ich Vorsitzende des Ausschusses für Bauen, Wohnen und Digitalisierung im Landtag.“
Holthöfers Großvater war Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Greste, der auch den Bau der damaligen Schule und der heutigen Kindertagesstätte Greste in die Wege leitete. „Das war damals umstritten“, erinnert sich Holthöfer. Sein Vater war Ratsmitglied. Dass er selbst in die SPD eintrat, „ergab sich so“, sagt er. Dass sich die Konflikte aufgelöst haben, erklärt er so: „Man muss mit den Leuten sprechen.“
Uwe Fauck war schon immer sozial eingestellt, berichtete Elle Stock. Er saß 30 Jahre im Jugendhilfeausschuss des Kreises Lippe. Er trat an seinem damaligen Wohnort Steinhagen in die SPD ein, wechselte nach Bielefeld und ist jetzt als Beisitzer im Vorstand des Ortsvereins Leopoldshöhe-Süd aktiv. Die damalige NRW-Familienministerin Ute Schäfer hat vor viele Jahren das damals von Fauck geleitete Jugendzentrum in Dörentrup besucht und gemeint, es sei das attraktivste, was sie je gesehen habe.
Fauck ist mit 16 Jahren in die SPD eingetreten. „Ich war umgeben von einer sozial eingestellten Familie“, sagt er. Einer seiner älteren Verwandten war Bürgermeister des damals selbstständigen Ubbedissen. „Ich war immer an Politik interessiert“, sagt er. Soziale Arbeit habe auch immer etwas mit Demokratie zu tun, dem Einsatz für die Benachteiligten.
Die einzige Frau in der Runde der Jubilare ist Inge Berghoff. Die hatte sich die Rechte von Frauen auf die Fahne geschrieben. Sie war in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen aktiv, auch und vor allem auf lippischer Kreisebene. „Die Themen sind immer noch dieselben wie vor 50 Jahren“, meinte Ellen Stock. Es gebe zu wenige Frauen in der SPD und zu wenige, die Ämter übernehmen. Frauen übten oft zu viel Selbstreflektion, anstatt einfach einmal zu machen. Dabei seien die Rechte auf Kinderbetreuung oder auf Teilzeit keinesfalls selbstverständlich.
Die ehemalige Familienministern Schäfer war gekommen, um Gerhard Schemmel zu ehren. Mit dem ehemaligen Bürgermeister Leopoldshöhes verbindet sie eine lange politische Freundschaft. Schemmel trat 1976 in Lockhausen in die SPD ein. Der vormalige Bürgermeister der vor der Gebietsreform 1969 selbstständigen Gemeinde Heinrich Welslau sei eine der Persönlichkeiten gewesen, die ihn geprägt hätten.
Sieben Jahre, nachdem Schemmel in den Ortsverein Greste eigetreten war, wählten ihn die Bürger 1984 in den Gemeinderat. 1989 macht ihn der Rat zum stellvertretenden Bürgermeister und 1994 zum ehrenamtlichen Bürgermeister und zum Nachfolger von Rudi Strunk (SPD). Das blieb er bis 1999.
In diesem Jahren hatte das Land NRW die Doppelspitzte der Kommunen aus hauptamtlichem Gemeindedirektor und ehrenamtlichem Bürgermeister durch die Wahl hauptamtlicher Bürgermeister abgelöst. Gemeindedirektor Manfred Brügge fand im Rat zunächst keine Mehrheit, Schemmel bleib ein weiteres Jahr Bürgermeister. 1995 wählte der Rat Brügge zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister Leopoldshöhes. Bei der Kommunalwahl 1999 gewann Schemmel mit 142 Stimmen die Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Hans-Jürgen Niehage. „Das war ein fulminanter Erfolg für dich“, lobte Schäfer.
Bis 2020 bleib Schemmel Bürgermeister. In seine Amtszeit fiel die Umgestaltung des Marktplatzes und der Bau der Umgehungsstraße für den Ortsteil Leopoldshöhe. Die Bereitstellung preiswerten Baulandes, der Ausbau der Gemeinde zur einer familienfreundlichen Kommune, die beiden Jugendzentren und die Schule seien für Schemmel Herzensangelegenheiten gewesen, sagte Schäfer. Die damals neue Entwässerungssatzung habe zu Protesten geführt. Dabei habe Schemmel immer nach einer konstruktiven Lösung gesucht, sagte Schäfer. Der Ausgleich zwischen den Ortsteilen sei nicht immer einfach gewesen.
Schemmel habe einen guten Draht zum Familienbereich im Ministerium gehabt, sagte Schäfer. Die Gründung des Kinder- und Jugendparlamentes habe Jugendlichen die Gelegenheit gegeben, sich einzubringen. Schäfer erwähnte das immer noch aktive Soziale Netzwerk, das in Schemmels Amtszeit ins Leben trat. Dabei habe Schemmel viel Familiensinn gezeigt.
Schäfer stellte fest, dass die SPD in Leopoldshöhe tief verwurzelt sei. „Wir brauchen zupackende Sozialdemokraten“, sagte die ehemalige Ministerin. An die Jüngeren richtete sie ein Zitat des ehemaligen SPD-Vorsitzenden und Bundeskanzlers Willy Brandt: „Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen ist, sie zu gestalten.“ Hinter 50 Jahre SPD stehe eine Haltung, sagte Schemmel. Die wolle ja nicht kurzfristige Ziele verwirklichen.
Eine besondere Ehrung erfuhr Manfred Burkamp. Der stellvertretende Vorsitzendes der SPD Leopoldshöhe-Süd hatte die Umsetzung des Grenzsteins in Asemissen an der B66 durchgesetzt. Der Vorsitzende des Ortsvereins Erik Sroczynski überreichte ihm eine Blumenstraß und einen Flasche Sekt in Grenzstein-Grau.




