Blumen und Flächen

Mandy Göhler arbeitet gern mit großen Formaten. Foto: Thomas Dohna
Mandy Göhler arbeitet gern mit großen Formaten. Foto: Thomas Dohna

Offene Ateliers in Leopoldshöhe

Leopoldshöhe (ted). Christine Venjakob ist sich treu geblieben. Mandy Göhler ist in gewisser Weise auf der Suche. Die beiden Leopoldshöher Künstlerinnen beteiligten sich an den Offenen Ateliers in Lippe.

Künstler arbeiten üblicherweise im Verborgenen. In die Öffentlichkeit treten sie normalerweise erst mit ihren Arbeiten. Die „Offenen Ateliers“ wollen das verändern. Seit vielen Jahren gibt es diese Veranstaltung. In diesem Jahr nahmen 63 Künstlerinnen, Künstler und Künstlergemeinschaften daran teil. Vorab bot der Landesverband Lippe mit der Lippischen Künstleragentur eine Ausstellung im Schloss Brake mit beteiligten Kunstschaffenden an.

Christine Venjakob gehört zu denen, die gefühlt immer schon dabei sind. Nach einem Kunststudium mit dem Ziel Lehramt gab sie nach zwei Jahren ihre sichere Lehrerstelle auf, um fortan freischaffend tätig zu sein. Zusammen mit ihrem Mann baute sie im Ortsteil Leopoldshöhe am Weg Im Flick ein halb verfallenes Fachwerkhaus zu einem Wohn- und Atelier-Gebäude um. Dort entstehen seitdem ihre Arbeiten.

Die Motive sind vor allem Blumen, frisch geschnitten, in der Natur oder morbid verwelkend. „Das erfüllt mich“, sagt die 77-Jährige. Dabei scheint es, als sei die Gestaltung ihrer Motive eine Art Fortsetzung ihres gärtnerischen Schaffens, ihrer Beschäftigung mit dem Pflanzen rund ums Haus. In dem finden sich in den Wohnräumen aber eben auch in den beiden Atelierräumen im niedrigen Obergeschoss jede Menge Variationen ihres Lebensthemas. Dort unterrichtet Venjakob seit Jahrzehnten ihre Schülerinnen und Schüler. Auch das erfüllt sie und mag sie nicht missen.

Christine Venjakob nimmt seit 30 Jahren an den offenen Ateliers teil. Foto. Thomas Dohna
Christine Venjakob nimmt seit 30 Jahren an den offenen Ateliers teil. Foto: Thomas Dohna

Venjakob probiert aber auch anderes als Pflanzen in Aquarell. Kollagen, in denen sie asiatische Motive aufgreift und in goldene Farbtöne fasst. Akte sind immer noch ein Thema, wie sie sagt. Hier und da bringt sie ihre Motive auch in Acryl auf die Leinwände. Natürlicherweise sind da die Farben kräftiger und der Ausdruck nicht ganz so licht wie in den Aquarellen, die in den Räumen mit weitem Blick in die Landschaft wie in ihrem natürlichen Lebensraum zu sein scheinen.

Auch bei Mandy Göhler ist es hell. Die großen Fenster im alten Pfarrhaus am Leopoldshöher Marktplatz lassen Licht in die Räume fließen. Göhler hat einen Hang zum Großformatigen. Sie arbeitet mit den Händen. „Den Pinsel nehme ich höchstens zum Umrühren“, sagt sie lachend.

Sie arbeitet mit Gouache-Farben. Sie sind deckender als Aquarell-Farben und wie letztere wasserlöslich. Göhler lässt sich nicht von einem Motiv leiten, sondern von ihren Empfindungen und Gefühlen. Es gehe dabei um eine innere Größe, darum, sich wieder zu entdecken und auszudrücken.

Göhler unterrichtet neben ihrer künstlerischen Tätigkeit, für die sie gern viel mehr Raum hätte, Malen, aber auch Improtheater und ist als Fotografin unterwegs. Ihre Vergangenheit als Gebrauchsdesignerin liegt hinter ihr.

Sie streicht die Farben mit den Händen über die Leinwände. Die Formen ergeben sich wie von selbst. Dann muss sie warten, bis die erste Schicht getrocknet ist, bevor Göhler die nächste auftragen kann. In der Zeit entwickelt sich die Arbeit weiter.

Es gibt Arbeiten, in denen Gelb- und Grautöne dominieren, andere zeigen Blau- und Rottöne. In den Arbeiten der 49-Jährigen ist nichts Hartes, wenn man einmal von den klaren und scharfen Übergängen der Flächen zueinander absieht. Eine ihrer Arbeiten hat die Lippische Künstleragentur als Deckblatt für ihren „Reiseführer“ durch die Offenen Ateliers genommen.

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