Winterlibelle ist “Libelle des Jahres 2026”

Die Winterlibelle - Sympecma fusca. Foto: Hans Dudler
Die Winterlibelle – Sympecma fusca. Foto: Hans Dudler

NABU Leopoldshöhe – Naturinfo

Von Ewald Thies

Leopoldshöhe. Nur wenige Monate, zwischen Mai und September  sind die meisten Libellen bei uns an Teichen und Tümpeln, Bächen und Flüssen zu sehen. Es gibt aber auch Libellen, die bis in den späten Herbst fliegen: Winterlibellen. 

Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) ist die einzige Libellenart in Deutschland, die als erwachsenes Tier überwintert. Sie schlüpft ab Juli/August, überwintert als flugfähiges Insekt in geschützten Baumstrukturen oder trockener Vegetation und ist bereits an warmen Frühlingstagen ab März aktiv.

Die Tiere überstehen in Kältestarre Minustemperaturen. Ab dem Spätherbst und Winter sitzen sie oft regungslos an braunen Halmen, wodurch sie gut getarnt sind.

Da sie als ausgewachsene Tiere überwintern, können sie bis zu 10–11 Monate alt werden. Paarungszeit ist im Frühjahr.

Im Herbst fliegt die Gemeine Winterlibelle einige Kilometer weit, um sich einen geeigneten Überwinterungsplatz zu suchen, der sie vor Kälte und Wind schützt. Meist überwintern sie an Waldrändern oder Waldlichtungen, wo sie sich beispielsweise unter Baumrinden oder Steinen verkriechen können. Sie können auch frei sitzend einfrieren, sich von Raureif überziehen, oder sich einschneien lassen. Dabei überstehen sie auch deutliche Minusgrade. Haben die Tiere die Kälteperiode überstanden, sind sie geschlechtsreif. Sobald dann im Frühjahr die Sonne scheint, beginnt für die Winterlibellen die Paarungszeit. Die Eiablage erfolgt, indem das Pärchen in einer Tandemformation zur Wasseroberfläche fliegt, und das Weibchen dort seine Eier in abgestorbenes Substrat von Gräsern ablegt. Das Männchen bewacht den Vorgang. Nähern sich Feinde, zieht das Männchen das Weibchen aus der Gefahrenzone raus. Die Jungtiere schlüpfen dann im Sommer und sind wieder bis in den Mai des kommenden Jahres zu sehen.

Sie sind bräunlich gefärbt, was zur Tarnung dient, und bevorzugen Gewässer mit viel Uferbewuchs.

Neben der Gemeinen Winterlibelle gibt es noch die seltenere und vom Aussterben bedrohte Sibirische Winterlibelle.
Die Sibirische Winterlibelle (Sympecma paedisca) ist eine in NRW extrem seltene Libellenart, die als Eiszeitrelikt gilt und in Deutschland am westlichen Rand ihres Verbreitungsgebiets vorkommt. Sie hat ihre Verbreitungsschwerpunkte eher im Alpenvorland  und in Nordostdeutschland.

In Ostwestfalen – Lippe ist sie, wenn überhaupt, nur als absoluter Ausnahmegast zu erwarten. Als einzige Art neben der Gemeinen Winterlibelle überwintert sie als fertiges Insekt, bevorzugt in nährstoffarmen Moorgewässern oder Streuobstwiesen.

Vorkommen sind auf wenige spezielle Lebensräume begrenzt, oft im Bereich von Hoch- und Übergangsmooren oder verlandenden Gewässern. Nachweise sind selten.

Im Gegensatz zur häufigeren Gemeinen Winterlibelle (Sympecma fusca) ist die Sibirische Winterlibelle (Sympecma paedisca) wählerischer bei der Lebensraumwahl, insbesondere was nährstoffarme Verlandungszonen angeht. Sie ist meist etwas dunkler und weist eine stärkere Zeichnung auf.

Die Sibirische Winterlibelle ist vor allem durch Veränderungen ihrer Fortpflanzungsgewässer und ihrer Landlebensräume gefährdet. Diese Veränderungen sind zumeist eine Folge von Nährstoffeinträgen einerseits sowie der Aufgabe traditioneller Nutzungsformen (Streuwiesennutzung) andererseits.

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