Vandalismus-Projekt in der zweiten Runde

Conner Smok als Vertreter der Jugendlichen (von links), Sandra Linnebecker als Leiterin des Leos, Andreas Brinkmann, Initiator des Vandalismus-Projektes und Till Neuhaus, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Bielefeld, stellen die neuen Motive für die Anit-Vandalismus-Plakate vor. Foto: Privat
Conner Smok als Vertreter der Jugendlichen (von links), Sandra Linnebecker als Leiterin des Leos, Andreas Brinkmann, Initiator des Vandalismus-Projektes und Till Neuhaus, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Bielefeld, stellen die neuen Motive für die Anit-Vandalismus-Plakate vor. Foto: Privat

Ideen von FFG-Schülerinnen und Schülern werden umgesetzt

Leopoldshöhe (ted). Andreas Brinkmann hatte genug. Er sitzt für die SPD im Gemeinderat und ist dort eigentlich für Bauen und Planung zuständig. 2023 aber hatte der Vandalismus in der Gemeinde einen neuen Höhepunkt erreicht. Brinkmann wollte andere Wege gehen und kam so mit Till Neuhaus von der Universität Bielefeld in Kontakt. Daraus entstand ein Anti-Vandalismus-Projekt, das nun in die zweite Runde geht.

Um frische Ideen aus der Bevölkerung zu sammeln, stellte Brinkmann einen Postkasten vor dem Rathaus auf. Bürgerinnen und Bürger konnten dort Vorschläge einwerfen, wie die Situation verbessert werden könnte. Brinkmanns Idee war, einen niedrigschwelligen Dialog zu ermöglichen und neue Perspektiven auf das Thema zu gewinnen.

Der Impuls gelangte zu Till Neuhaus, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bielefeld. Er beschäftigt sich mit „Nudging“, dem gezielten „Anstupsen“ von Menschen, um gewünschtes Verhalten wahrscheinlicher zu machen.

Eines der von Schülerinnen und Schülern entwickelten Motive.
Eines der von Schülerinnen und Schülern entwickelten Motive.

Neuhaus schlug vor, mit kleinen, aber wirkungsvollen Veränderungen in der Umgebung zu arbeiten. Beispiele wie die berühmte „Fliege im Urinal“, die Verschmutzungen um 80 Prozent reduzierte, zeigten das Potenzial solcher Maßnahmen, sagte Neuhaus damals.

Brinkmann ließ sich überzeugen und nahm Kontakt zum Jugend- und Familienzentrum Leos und dessen Leiterin Sandra Linnenbecker auf. Die Gruppe entwickelte Slogans, Sticker und Plakate, die 2024 im Gemeindegebiet unter anderem an Bushaltestellen angebracht wurden. Ein Jahr später meldete der Bauhof der Gemeinde weniger Vandalismus und Müll und damit geringere Kosten.

Kurz nach dem positiven Beginn stieg die Zahl der Vandalismusfälle erneut. Nudges könnten wirken, aber sie nutzten sich mit der Zeit ab, stellte die Projektgruppe fest. Deshalb entschied sie sich für einen neuen Ansatz und beteiligte junge Menschen.

Linnenbecker wandte sich an die Felix-Fechenbach-Gesamtschule. Kunstlehrerin Seher Tunali entwickelte mit der neunten Jahrgangsstufe Entwürfe für neue Sticker und Plakate.

Die Projektgruppe, unterstützt vom Schüler Connor Smok, der bald seinen Bundesfreiwilligendienst im Leos beginnt, wählte sechs Entwürfe aus. Vier Motive werden künftig als Sticker auf Mülleimern zu sehen sein. Zwei weitere dienen als Grundlage für neue Plakate im Gemeindegebiet. Die Skizzen gehen nun an einen Grafiker, der sie professionell umsetzt. Für die Jugendlichen plant das Leos ein kleines Dankeschön für ihre Kreativität und ihren Einsatz.

„Ich bin mir im Klaren darüber, dass es niemals keinen Vandalismus in der Gemeinde geben wird“, sagt Brinkmann. „Wichtig ist jedoch, dass wir die Aussage verstehen, die hinter diesen Taten steht.“ Es sei gelungen mit einem guten Team und geringem finanziellen Aufwand einen Dialog zu einer Altersgruppe aufzubauen, die im digitalen Zeitalter für fast nicht erreichbar gilt.

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