Ohne Wolle in den Sommer

Carolin Büntig und Pia Völker scheren die Schafe auf dem Heimathof. Foto: Heimatverein
Carolin Büntig und Pia Völker scheren die Schafe auf dem Heimathof. Foto: Heimatverein

Schafschur auf dem Heimathof

Leopoldshöhe (ted). Es ist ein wichtiger Termin für die Schafe auf dem Heimathof. Einmal im Jahr müssen sie geschoren werden. Das ist gesetzlich festgelegt. Am Wochenende war es auf dem Heimathof soweit.

Würden Schafe Wildtiere sein, würden sie ihr Winterfell spätestens im Frühjahr abwerfen. Als domestizierte Tiere ist ihnen in den vergangenen mehreren tausend Jahren der natürliche Fellverlust weggezüchtet worden. Wolle gilt seit Jahrtausenden als Rohstoff beispielsweise für Kleidung.

Jedes Jahr im frühen Sommer kommt Carolin Bünting auf den Heimathof, um die Schafe von Pia Völker zu scheren. Schafschererin ist kein Lehrberuf. Es gibt Seminare, in denen man lernen kann, wie man Schafe richtig schert, flach genug über der Haut, aber nicht zu flach und vor allem so, dass die Tiere nicht verletzt werden.

Carolin Bünting packt ein Schaf und legt es so auf den Rücken, dass es aussieht, als sitze das Schaf. Liegen Schafe so, rühren sie sich kaum und lassen die Schur fast unbewegt über sich ergehen. Vom dünnen Fell am Bauch aus fährt Bünting durch die Wolle.

Die Schere ist eigentlich ein Stück Federstahl mit Klingen an der Spitze. Bünting muss – anders als bei einer üblichen Haushaltsschere – nur zudrücken, um die Haare vom Schaf zu trennen.  Auf geht die Schere von allein. Sie muss scharf sein. Bünting nutzt einen Schleifstein, um den Klingen die nötige Schärfe zu verleihen.

Frisch geschoren tummeln sich die Schafe auf der Weide. Foto: Heimatverein Leopoldshöhe
Frisch geschoren tummeln sich die Schafe auf der Weide. Foto: Heimatverein Leopoldshöhe

Die Arbeit erfordert Kraft. Bünting hält das Schaf, schneidet gleichzeitig durch die Wolle, dreht das Tier immer wieder, um das ganze Fell zu erfassen. Nach ein paar Minuten ist sie fertig. Sie schubst das Tier auf die Beine und meckernd verlässt es den Schauplatz.

34 Mal ist das Schauspiel zu beobachten. 34 Schafe hält Völker auf dem Heimathof, dazu kommen die in diesem Jahr geborenen Lämmer. Die werden allerdings nicht geschoren.

Die geschorenen Schafe dürfen auf die Weide. Nach und nach füllt sich die Herde. Die Neuankömmlinge werden blökend begrüßt. Alle schlagen sich vom reichlich hohen Grün den Bauch voll.

Die Sonne an diesem Sonntag ist durchaus eine Gefahr für die Tiere. Einerseits sind sie ihrem wärmendem Fell entkleidet, andererseits können sie Sonnenbrand bekommen.

Für Pia Völker und Carolin Bünting ist die Schur Knochenarbeit. Am Schluss sind sie vollkommen durchgeschwitzt und erschöpft. Sie und die Schafe haben jetzt ein Jahr Ruhe. Dann kommt Carolin Bünting wieder, bei hoffentlich kühleren Temperaturen.

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