Der Grenzstein steht

Steinmetz Karsten Sümnich, Manfred Burkamp, Hauptsponsor Hans-Jürgen Laufer und Bürgermeister Martin Hoffmann stehen am Grenzstein. Foto: Thomas Dohna
Steinmetz Karsten Sümnich, Manfred Burkamp, Hauptsponsor Hans-Jürgen Laufer und Bürgermeister Martin Hoffmann stehen am Grenzstein. Foto: Thomas Dohna

Denkmal ist an Radweg versetzt worden

Asemissen (ted). Manfred Burkamp ist am Ziel. Der lippische Grenzstein steht am neuen Geh/Radweg entlang der neuen Trasse der B66. Neun Jahre nach der letzten Reise des Grenzsteins und drei Jahren Kampf mit den Behörden setzte Steinmetzmeister Karsten Sümnich den Stein auf sein neues Fundament.

2017 hing der rund 3,6 Tonnen schwere Stein zum letzten Mal an einem Kran. Damals musste er von seinem Standort am Radweg entlang der alten Trasse der B66 weichen. Er stand den Bauarbeiten im Wege. Außerdem war der damalige Verkehrsminister und heutige Ministerpräsident NRW Hendrik Wüst im Anmarsch, um den ersten Spatenstich für die Bauarbeiten zu setzen.

Zwar dauerte es noch eine ganze Weile, bis die Arbeiten an der neuen Trasse endlich begannen, aber der Grenzstein hatte am Wendehammer der Rollkrugsiedlung seinen Platz gefunden. Die Baustelle wuchs und damit auch eine Lärmschutzwand und ein Zaun um einen Trinkwasserbrunnen. Der Grenzstein stand zwischen ihnen. Wer ihn sehen wollte, musste wissen, wo er stand und ihn gezielt aufsuchen.

Manfred Burkamp war damals der Ansicht, dass der Grenzstein an dem Wendehammer nur vorübergehend eine Bleibe gefunden hatte. Er fragte nach, wann der Stein wieder einen anderen Standort bekommen solle und staunte. Nach Auffassung der Bezirksregierung sollte der Stein dort auf Zeit und Ewigkeit stehen bleiben.

Burkamp war damit nicht einverstanden. „Das wollen wir doch einmal sehen“, meinte er. Der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Leopoldshöhes setze seine gesamte mehr als 40-jährige politische Erfahrung ein, um einen neuen, sichtbareren Standort für das Denkmal zu finden. Burkamp nahm Kontakt zur Gemeindeverwaltung auf – nicht zuständig. Immerhin befürwortete der Gemeinderat das Ansinnen.

Manfred Burkamp wird vom WDR interviewt. Foto: Thomas Dohna
Manfred Burkamp wird vom WDR interviewt. Foto: Thomas Dohna

Er sprach mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW. Auch die Verantwortlichen dort winkten ab. Burkamp korrespondierte mit dem Kreis Lippe. Wieder nichts. Schließlich schrieb er die Bezirksregierung als obere Denkmalbehörde an. Die war zuständig und lehnte ab. Der Standort sei denkmalgerecht. Das empfand Burkamp ganz und gar nicht so.

Schließlich wandte er sich an den Petitionsausschuss des Landtages. Dorthin können sich Bürger wenden, wenn es Probleme mit Behörden aller Art gibt. Der Ausschuss unternahm einen Vermittlungsversuch, hörte Burkamp, die Gemeinde und die Bezirksregierung an. Schließlich kam es zu einem Kompromiss.

Der Grenzstein schwebt am Haken. Foto: Thomas Dohna
Der Grenzstein schwebt am Haken. Foto: Thomas Dohna

Der Stein könne versetzt werden, sagte die Bezirksregierung zu, wenn die Gemeinde die Kosten trage. Die sagte zu, die Genehmigung zur Versetzung des Grenzsteins zu beantragen, wenn Burkamp die geschätzten Kosten von 11.000 Euro bis zum Jahresende 2026 zusammenbekomme.

Weil die Gemeinde sich außerstande sah, ein Spendenkonto zur Verfügung zu stellen, sprang die Bürgerstiftung Leopoldshöhe ein. Innerhalb von vier Wochen kam der Betrag zusammen. Die Gemeinde beantragte die Umsetzung, die Bezirksregierung genehmigte und Steinmetzmeister Simnich aus Lemgo schritt zur Tat.

Er goss ein Fundament und stellte gestern den Stein auf. Zuvor hatte Heinrich Dingerdissen vom Verein für Dorfgeschichte Ubbedissen und Lämershagen den Stein gereinigt. „Der sah schlimm aus“, berichtete er an der Baustelle. Dieser Verein hatte seinerzeit die Betreuung des Steins übernommen, denn er stand auf Bielefelder Gebiet.

Burkamp, Bürgermeister Martin Hoffmann und einige Mitglieder des Vereins für Geschichte beobachteten die Aufstellung des Steins. Der steht nun an der Höhe des Bruchweges am Rand der B66. Ein paar Restarbeiten sind noch zu erledigen. Eine Bank soll auch aufgestellt werden. „Sechs Behörden waren beteiligt“, sagt Burkamp, ein Drittel habe konstruktiv mitgearbeitet, ein Drittel habe sich abwartend verhalten, ein Drittel aktiv dagegen gearbeitet.

Alle sind sich einig. Den Stein wird kaum einer der Autofahrer auf der B66 wahrnehmen. Aber die, die auf dem Geh/Radweg unterwegs sind, werden ihn sehen, sind sich Burkamp und die anderen sicher. Schon am Wochenende wird der Stein ein Zwischenziel einer Wanderung des Vereins sein, sagt Wilfried Kohlmeyer. Ziel ist der Bahnhof Oerlinghausen in Asemissen und das dortige Café Fahrzeit. „Da gibt es dann Kuchen“, sagt er.

Sabine Bewersdorff, die Vorsitzende des Dorfgeschichtsvereins, ist ebenfalls froh, dass der Stein nun seine endgültige Bleibe gefunden hat. Sie spricht von guter nachbarschaftlicher Zusammenarbeit. „Das war ja ein Schandfleck, wo der Grenzstein stand“, stellt eine Bielefelderin fest.

Am Samstag, 11. Juli 2026, soll es eine offizielle Veranstaltung zur Aufstellung des Steines geben. Der steht übrigens nicht genau auf der Grenze zwischen Bielefeld und Lippe, sondern klar auf lippischem Gebiet. Um genau auf der Grenze zu stehen, hätte er ein Stück weiter westlich rücken müssen. Aber dort hat Straßen.NRW Regenwasserkanäle und Fledermausschutzzäune gebaut.

Die Bielefelder Historiker ficht der lippische Standort nicht an. Der lippische Einfluss habe vor 200 Jahren, der Bauzeit des Steins, ohnehin weiter als bis zur offiziellen Grenze zwischen Lippe und Preußen gereicht. So hätten die preußischen Senner sonntags zur Alexanderkirche nach Oerlinghausen gemusst und lippisches Platt gesprochen. „Der Pfarrer predigte ja auf lippisch“, sagt Kohlmeyer, der sich nun der Geschichte des Steins genauer widmen will.

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