
Substanz erzeugt Atemgift
Leopoldshöhe (ted). Ein ungewöhnlicher Einsatz hat in der Nacht zu Dienstag die Feuerwehren aus Leopoldshöhe, Oerlinghausen und Helpup auf den Plan gerufen. Gegen 12.30 Uhr meldeten Anwohner der Hövenstraße in Leopoldshöhe einen Austritt des Gefahrstoffs Polythanol.
Auslöser war ein älteres Präparat zur Wühlmausbekämpfung, das ein Anwohner beim Ausräumen eines Nachbarhauses gefunden hatte. Das Mittel war bis 2012 im Handel erhältlich. Der Anwohner brachte das Mittel im Garten aus, bemerkte jedoch schnell, dass sich ein intensiver Geruch entwickelte. Daraufhin grub er die braun-grauen Bröckchen wieder aus und füllte sie in zwei Eimer um.
Polythanol reagiert mit Wasser und damit mit Feuchtigkeit im Erdreich. Der Name Polythanol ist ein Handelsname für ein Ratten- und Wühlmausbekämpfungsgift. Der chemische Stoff dahinter ist Kalziumphosphid mit der chemischen Formel Ca3P2. Dieser Stoff reagiert auf Wasser. Aus dem Stoff entsteht dabei während einer relativ langsamen chemischen Reaktion Phosphan.
Phosphane sind extrem giftige Substanzen. Sie sind sehr reaktionsfähig und können sich selbst entzünden. Diese Phosphorverbindungen haben einen knoblauchartigen Geruch, der schon in geringsten Konzentrationen wahrnehmbar ist. Das Gas wirkt als starkes Stoffwechselgift, das unter anderem zu toxischen Lungenödemen und Herzschäden führt.

Wegen dieser Eigenschaften hielt die Reaktion in den Eimern an. Der Anwohner rief daraufhin bei der Leitstelle an, die die Feuerwehr alarmierte. Die Einsatzkräfte übernahmen und berieten die Lage. Laut Einsatzleiter Frank Kogelnik riet das Sicherheitsdatenblatt für das Produkt, Reste ausreichend tief zu vergraben und die Stelle 25 Meter im Umkreis abzusperren. Nach 48 Stunden soll die Reaktion zu einem Ende gekommen sein und der Stoff nicht mehr ausgasen.

Unter schwerem Atemschutz vergruben Leopoldshöher Einsatzkräfte des ABC-Zuges Lippe West die Reste auf dem Grundstück des Anwohners und sperrten die Stelle ab. Insgesamt waren rund 20 Einsatzkräfte der Feuerwehren Leopoldshöhe, Oerlinghausen sowie Helpup über mehrere Stunden im Einsatz. Die Hövenstraße war in dieser Zeit für den Durchgangsverkehr gesperrt.




