
Schweizer treffen sich zum Nationalfeiertag
Leopoldshöhe (ted). Der Bundesbrief ist der Anlass. Auf den führen die Schweizerinnen und Schweizer die Gründung der Eidgenossenschaft der Schweiz zurück. Jetzt feierten die in Ostwestfalen-Lippe ansässigen Schweizer den Nationalfeiertag in Leopoldshöhe.
Die Feier könnte Vorurteile schüren. Nichts Pompöses, sondern ein Treffen auf dem Anwesen eines Mitgliedes, hier der Familie Betschart. Es wird gegessen und getrunken, wie in der Schweiz auch. Eine Rede zur Bedeutung des Schweizerseins wird gehalten. Der Präsident des „Schweizer Vereins Ostwestfalen-Lippe Silvio Tedaldi hielt sie zum Thema: «Weshalb ausgerechnet der 1. August?». Selten fallen die Schweizer mit lauten und unangemessenen Äußerungen auf. Dieses Vorurteil wird am Schweizertag in Leopoldshöhe bestätigt.
Seit 1891 wird der Tag in der Schweiz begangen. 600 Jahre zuvor ließen die führenden Familien von Uri, Schwyz und aus einem „unteren Tal in den Bergen“ den Bundesbrief auf Latein verfassen. Der wird heute als die Gründungsurkunde der Eidgenossenschaft angesehen. Es gibt mehrere Bundesbriefe, aber dieser hat diese besondere Bedeutung.

Der Bundesbrief liest sich trocken. Kein patriotisches Gewese, kein Weihrauch um eine unabhängige Eidgenossenschaft, denn das war die entstehende Schweiz damals noch nicht. Sie gehörte zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Der Tod des deutschen Königs Rudolf I. am 15. Juli 1291 war ein Einschnitt, wie jeder Tod eines Herrschers damals ein Einschnitt war. Gesetze galten im Grundsatz nur solange, wie ein Herrscher lebte. Der neue Herrscher sprach oft der Einfachheit halber die vorläufige Fortsetzung der geltenden Gesetze aus, um Rechtssicherheit zu gewähren.
Zugleich war der Tod eines Herrschers die Gelegenheit für die Lehnsnehmer und Treuegeschworenen, selbst Recht zu schreiben. Der Bundesbrief legt zum Beispiel fest, wie Recht gesprochen wird, welche Strafen wann drohen und wer Recht sprechen darf, nämlich ausschließlich Männer aus den eigenen Reihen. Der Bundesbrief ist ein Dokument der Selbstverwaltung. Dass die Kantone da noch nicht unabhängig waren, zeigt die Bestätigung der Reichsunmittelbarkeit der Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden im Jahr 1309 durch König Heinrich VII.
Der Schweizer Verein soll für alle da sein, die in OWL wohnen und in irgendeiner Weise an der Schweiz interessiert sind oder mit dieser verbunden sind, sei es durch die Herkunft, sei es durch das Schweizer Bürgerrecht, sei es aus wirtschaftlichen, kulturellen oder biographischen Gründen, schreibt der Verein in einer Mitteilung.
Seit 60 Jahren gibt es den Verein. Er wurde von Auslandsschweizern gegründet, deren Lebensmittelpunkt OWL war, deren Heimat aber zwischen den Jura-Ketten und den Alpen liegt. Das könne im einen oder anderen Fall zu komplizierten Antworten auf die Frage «Wo fühlst Du Dich zuhause?» führen, schreibt Präsident Tedaldi: „Es ist besser, an zwei Orten eine Heimat zu haben als nirgendwo“.
Der Verein wolle Brücken bauen „zwischen diesem einen und dem anderen Zuhause, zwischen diesen verschiedenen Kulturen, zwischen «Grüezi» und «Guten Tag», also zwischen den verschiedenen Dialekten, Gepflogenheiten und – last but not least – zwischen zwei Wirtschaftsräumen, zwischen zwei Staaten“, schreibt Tedaldi. Der Verein solle gebildete Brücken pflegen, stärken, ausbauen, den Kontakt zur ursprünglichen Heimat erhalten statt ihn abreißen zu lassen.
Gerade am Bundesfeiertag, dem 1. August, sei dieser Wunsch besonders spürbar. So hatten sich die Vereinsmitglieder an dem Tag in Leopoldshöhe bei der Schweizer Familie Betschart getroffen. Die habe das Fest so organisiert, dass jeder Teilnehmende gespürt habe, «dihei», also zuhause zu sein. Es gab Schweizer Würste, Schweizer Musik, einen Schweizer Garten, Schweizer Fahnen, sowie die Ansprache des Präsidenten Tedaldi.




