
Aktion zum 175-jährigen Bestehen der Kirche am Marktplatz
Leopoldshöhe (ted). Die Wege waren weit, vor allem für die, die zu Fuß zur Kirche gingen. Diese Wege nachzuvollziehen und den Weg zu einem Pilgergang zu machen, war die Idee der Sternwanderung, die die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Leopoldshöhe anlässlich des 175-jährigen Bestehens anbot.
Dass man zur Kirche ging, war gar keine Frage, sagt Adolf Meyer zu Döldissen, der sich intensiv mit der Geschichte der Kirche am Marktplatz beschäftigt. Im 19. Jahrhundert wuchsen die Bauernschaften zwischen Heepen, Schötmar, Oerlinghausen und Lage. Sonntags zur Kirche zu gehen, musste sein. Die einen gingen nach Heepen, die anderen nach Schötmar, Lage oder Oerlinghausen.
Der Gottesdienst in der Alexanderkirche in Oerlinghausen ist vorbei. Im Anschluss gibt es Kaffee und Gespräche. Wie in den Kirchen in Lage und Schötmar sind auch hier Oerlinghauser zu Gast. Svenja Düning wird die Gruppe der Wanderer anführen. Eine andere Gruppe wird sich mit dem Fahrrad nach Leopoldshöhe aufmachen, nicht ohne einen Schlenker über den Hof Döldissen zu machen.

Die Wanderer nehmen sich Zeit. Es solle keine Wanderung sein, sondern Pilgern, sagt Svenja Düning. Angesichts der Temperaturen verteilt sie etwas Wasser und Sonnencreme. Die Pilger sprechen ein Gebet und gehen los. Die Route nach Leopoldshöhe würde über den Stöhnebrink führen, die heutige B66 querend, die es als Handelsweg vor 175 Jahren auch schon gab.
Die Gruppe besteht vor allem aus Älteren. Der älteste, ein 88-jähriger Leopoldshöher, erinnert sich noch an die Panzersperren, die die Oerlinghauser gegen Ende des Zweiten Weltkrieges auf der Hauptstraße in der Oerlinghauser Altstadt bauen mussten. Hier führte ein fanatisierter Offizier seine Wehrmachtssoldaten in den Tod.
Die Teilnehmer sollten nicht einfach wandern, hatte Svenja Düning gesagt, sie sollten miteinander ins Gespräch kommen. Es geht um frühere Wandererfahrungen, um den jüngsten Urlaub, um Pilgerreisen. Die Gruppe biegt auf die Rathausstraße ein.

Kurz vor dem Stöhnebrink genannten Fußweg durch ein Waldstück lässt Düning die Gruppe anhalten. Sie verteilt Papiertüten. In die solle man symbolisch seine Gedanken, aber auch das, was den Pilgern am Wegrand begegnet, hineingeben. Den Stöhnebrink hinunter solle geschwiegen und hintereinander gegangen werden.
Der Weg lässt kaum etwas anderes zu. Manche pflücken Blätter in die Tüte, andere Beeren. Die Tüte soll später auf dem Altar der Leopoldshöher Kirche abgelegt werden, um das, was einen beschwert, abzugeben.
Kaum ist die Gruppe durch das Wäldchen hindurch, stimmt Düning ein Lied an. Nur zögerlich kommen die Gesprächen wieder in Gang. Die Gruppe beratschlagt, wo sie die B66 queren soll, über die Kreisel und die neue Brücke, oder weiter Richtung Helpup. Sie einigt sich auf die Brücke.
Immer einmal wieder hält Düning die Gruppe an, gibt einen sogenannten Impuls, der zum Nachdenken anregen soll. Einmal geht es um Einsamkeit, und wie der begegnet werden könne. Die Gespräche werden intensiver, persönlicher. Manche Gesprächspartner nehmen Tempo auf, andere fallen zurück, in Gespräche vertieft.
Die Gruppe versucht dem alten Kirchweg zu folgen. Der führte über die heutige Hauptstraße. Wegen der intensiven Sonne weicht die Gruppe auf schattigere Nebenwege aus. „Wer den Kirchturm als erster sieht, singt“, fordert Düning die Teilnehmer auf. Vom Telgenweg aus zeigt sich die Kirchturmspitze.
In der Kirche erwartet die Gruppe Kühle. Die Fahrradfahrer sind schon da, die Gruppen aus Schötmar und Lage treffen ein. Eine Küchengruppe hat ein Buffet vorbereitet. Adolf Meier zu Döldissen erzählt von den Kirchwegen und dass die einer der Gründe waren, die Kirche am Marktplatz 1870/71 zu planen und zu bauen, denn anders als die Pilger mussten die Kirchgänger vor 180 Jahren den Weg zu Fuß wieder zurückgehen. Er erzählt auch, dass es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft gab. Die Bauern, die Landbesitzer konnten mit der Kutsche zum Gottesdienst fahren.
Während einer Andacht denken die Pilger unter der Leitung der neuen Diakonin der Gemeinde Vera Vogt über das Erlebte nach.





