Der kleinste Funke reicht

Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Leopoldshöhe löschen einen Brand. Foto: Freiwillige Feuerwehr Leopoldshöhe
Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Leopoldshöhe löschen einen Brand. Foto: Freiwillige Feuerwehr Leopoldshöhe

Feuerwehren und Polizei warnen

Leopoldshöhe/Kreis Lippe (ted). Der Schmeltebruch hat gerade noch Glück gehabt. 80 Quadratmeter Gartenfläche haben gebrannt, die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Leopoldshöhe mussten mit mehreren Trupps unter Atemschutz löschen. Am Freitag waren die Feuerwehrleute an der Kachtenhauser Straße zu einem Brand im Wald im Einsatz.

Leopoldshöhe ist die waldärmste Gemeinde im Kreis Lippe. Dennoch waren die Leopoldshöher Kräfte in der vergangenen Woche bei zwei Einsätzen im Kampf gegen Waldbrand im Einsatz. Am Montagabend waren die ehrenamtlichen Kräfte zur Straße Am Schmeltebruch in Bechterdissen gerufen worden. Dort sollte ein Gebüsch brennen.

Vor Ort habe sich die Lage etwas anders dargestellt, teilt die Feuerwehr mit. Der Brand habe sich auf weite Teile des Gartens ausgebreitet, sodass auf rund 80 Quadratmetern Buschwerk, Rasenfläche und Holzscheite brannten. Mit mehreren Trupps unter Atemschutz sei der Brand mit drei C-Rohren gelöscht worden. Anschließend kontrollierten die Einsatzkräfte mit Hilfe einer Wärmebildkamera die Fläche und löschten Glutnester ab.

Am Freitag waren die Leopoldshöher Kräfte am Siekbach in Greste im Einsatz. Dort hatten nach Angaben Frank Kogelniks Anwohner Brandgeruch festgestellt. Sie waren der Sache nachgegangen und fanden einen Mann, der versuchte, im Wald ein Feuer zu entzünden. Als der Mann die Anwohner sah, sei er geflüchtet. Die Anwohner griffen zu Gießkannen und Eimern und löschten die etwa einen Quadratmeter große brennende Fläche ab. Die Feuerwehr habe die Fläche kontrolliert und dann der Polizei übergeben. Die fahndet nach dem Brandstifter.

Durch die andauernde Trockenheit sei die Waldbrandgefahr signifikant gestiegen, schreibt die Polizei in einer Mitteilung. Bei ihr würden zunehmend Brände gemeldet, die auf einen fahrlässigen Umgang mit dieser Gefahr hindeuteten.

In NRW gilt grundsätzlich vom 1. März bis zum 31. Oktober ein generelles gesetzliches Rauch- und Feuerverbot im Wald. Offenes Feuer, Grillen und Lagerfeuer sind im Wald sowie in einem Abstand von 100 Metern streng verboten.

Feuerwehr und Polizei bitten, keine Zigarettenreste oder Asche ins Grün zu werfen, keinen Müll zurücklassen und Autos nur auf ausgewiesenen Flächen parken, denn heiße Katalysatoren können trockenes Gras am Boden entzünden, auch wenn zwischen beiden kein Kontakt besteht. Außerdem sollte kein Unkraut geflämmt werden, was auch in Leopoldshöhe in den vergangenen Jahren immer wieder zu Heckenbränden geführt hat.

In der vergangenen Woche hatte der Deutsche Wetterdienst für Lippe die zweithöchste von fünf Waldbrandgefahrenstufen ausgerufen. „An denen orientieren wir uns“, sagt der stellvertretende Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Leopoldshöhe Frank Kogelnik. Die Waldbrandgefahrenstufe senkt der DWD bis Mitte der Woche auf 1 ab.

Neben der Waldbrandgefahrenstufe gibt der DWD auch einen Graslandfeuerindex heraus. Gestern, Sonntag, 16. August 2026, stand der noch bei Stufe 3, sinkt im Laufe der Woche auf die Stufe eins, um am Freitag wieder auf die Stufen 2 und 3 anzusteigen.

Hintergrund für diese Entwicklung ist der vom DWD für die kommenden Tage bis einschließlich Freitag erwartete zeitweilige Regen, der schon heute fallen soll.

Nach einem Bericht der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) haben Waldbrände in Deutschland zugenommen. Vernichteten Brände zwischen 1991 und 2017 durchschnittlich 680 Hektar Wald pro Jahr, waren es zwischen 2018 und 2025 durchschnittlich mehr als 1.400 Hektar. Der Waldzustandsbericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft dokumentiert nach Angaben der MPG in Deutschland einen Wald mit ausgeprägten Trockenschäden: Nehme man alles zusammen, auch die Sturmschäden, seien seit 2018 etwa 500.000 Hektar durch die Folgen des Klimawandels in Mitleidenschaft gezogen worden. Das seien fünf Prozent der gesamten Waldfläche Deutschlands oder etwas weniger als die Fläche des Schwarzwaldes. Der Schaden der letzten fünf Jahre beziffere sich auf etwa 20 Milliarden Euro.

Im Vergleich: In Kanada sind im Jahr 2023 rund 18 Millionen Hektar Wald Bränden zum Opfer gefallen, in den Jahren seit 2010 seien es zwei Millionen Hektar jährlich im Durchschnitt gewesen. Kanada habe mit über 200 Millionen Hektar nach Russland und Brasilien die größte Waldfläche der Welt.

Eine neue Studie sieht einen Zusammenhang zwischen dem durch Menschen verursachten Klimawandel und der Häufigkeit und Stärke von Waldbränden zumindest für Spanien und Frankreich. Deutschland ist in dieser Studie nicht beobachtet worden.

Wer einen auch noch so kleinen Brand entdeckt, sollte umgehend die Feuerwehr unter 112 alarmieren. Die Mitarbeiter in der Leitstelle des Kreises fragen alle nötigen Daten, insbesondere den genauen Standort ab und setzen die zuständige Feuerwehr in Marsch. Die Meldenden sollten dann den Gefahrenbereich verlassen, aber vor Ort bleiben, um die Feuerwehr nötigenfalls einweisen zu können.

Links

Waldbrandgefahrenindex
Graslandfeuerindex
Fakten zu Waldbränden (Max-Planck-Gesellschaft)
Climate change increases likelihood of compounding drivers of severe wildfire conditions in France and Spain
Welche Rolle spielt der Klimawandel bei Waldbränden? (Tagesschau)
Dürren und Waldbrände unter Klimawandel (PiK Potsdam)

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