Die B66 wird fertig

So soll die Brücke über die B66 aussehen. Grafik: Landesbetrieb Straßen.NRW
So soll die Brücke über die B66 aussehen. Grafik: Landesbetrieb Straßen.NRW

Freigabe von Straße und Brücke

Leopoldshöhe (ted). Was vor mehr als zehn Jahren mit Probebohrungen begann, endet im Laufe dieser Woche. Offiziell soll die neue Trasse der B66 im Bereich des Gewerbegebietes Asemissen im Frühjahr 2027 freigegeben werden. Das teilt der Landesbetrieb Straßen.NRW mit.

Ab Mittwoch soll der Verkehr unter der neuen Brücke fließen, die die Detmolder Straße mit der Gewerbestraße verbindet. Da der Asphalt noch frisch und nach Angaben von Straßen.NRW noch nicht die ausreichende Griffigkeit hat, darf dort zunächst nur mit Tempo 50 gefahren werden.

Zugleich kündigt der Landesbetrieb auch die Freigabe der Brücke an. Dort müssten noch Markierungsarbeiten geleistet werden. Die können laut Straßen.NRW vorbehaltlich der Witterung, im Laufe dieser Woche durchgeführt werden.

Die endgültige Fertigstellung der Baumaßnahme ist für das kommende Frühjahr geplant. Bis dahin stünden Restarbeiten aus, für die es zu Verkehrseinschränkungen komme. Beispielsweise seien abschließende Arbeiten an Geländern und Schutzplanken vorgesehen, schreibt Straßen.NRW. Damit ginge eine mehr als 30-jährige Planungs- und Bauzeit für die neue Trasse der B66 zuende.

Die Scherenkrugkreuzungvor Beginn der Bauarbeiten. Foto: Privat
Die Scherenkrugkreuzung vor Beginn der Bauarbeiten. Foto: Privat

Erste Überlegungen für den Ausbau der Strecke gab es schon 1930. Im September 1930 legte das Reichsverkehrsministerium nach längeren Vorarbeiten und Verhandlungen mit den Beteiligten die „Reichskarte der Fernverkehrsstraßen“ sowie Richtlinien für deren Ausbau vor. Die „Nordharz-Autobahn“ sollte von Bielefeld über Lemgo nach Hameln führen und dort an die A36 anschließen. Von da sollte es bis Bad Harzburg weitergehen.

Der Zweite Weltkrieg und die Deutsche Teilung vereitelten die Pläne, die nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland von den Planern zumindest als Bundesstraßenausbau teilweise weitergeführt wurden, wie die B66 zwischen Bielefeld und Asemissen.

1995 begann der Landesbetrieb mit der Planung der Strecke. Zunächst war für die damalige sogenannte Scherenkrugkreuzung ein gewaltiges Damm- und Brückenbauwerk vorgesehen. Diese Pläne stießen auf entschiedenen Widerstand in der Leopoldshöher Politik und Bürgerschaft.

Im Jahr 2016 ließ der Landesbetrieb Straßen.NRW Bodenproben nehmen. Archivfoto (2016): Thomas Dohna
Im Jahr 2016 ließ der Landesbetrieb Straßen.NRW Bodenproben nehmen. Archivfoto (2016): Thomas Dohna

Nach der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens im Juli 2010 erließ die Bezirksregierung Detmold den Planfeststellungsbeschluss schließlich im März 2015. Die Planer des Landesbetriebs begannen mit der Ausführungsplanung. Im Januar 2016 war klar, dass die Straße in die Verkehrsplanung des Bundes aufgenommen war. Gegen Ende 2016 wurden die Ausschreibungen veröffentlicht. 2017 sollten die Arbeiten vergeben werden und auch beginnen. Im Lauf des Jahres 2016 begann der Abriss der Scherenkruges und damit die erste Verzögerung, denn dort fanden die Behörden Asbest.

Zugleich begannen Erkundungsbohrungen an Freesenberg. Die sollten Erkenntnisse über die Qualität des Bodens liefen. Einige Jahre später waren sie Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. Das Bauunternehmen bezweifelte die Ergebnisse der Untersuchungen. Das warf die Bauarbeiten um ein Jahr zurück.

Vorarbeiter Ulrich Gneiser schaufelt unter das schon verlegte, 700 Millimeter starke Wasserrohr. Die oberhalb quer durch die Grube laufende Leitung ist eine Gasleitung. Sie wird im Zuge der vorbereitenden Arbeiten zum Neubau der B66 in Leopoldshöhe-Asemissen durch eine tieferliegende Leitung ersetzt. Archivfoto (2018): Thomas Dohna
Vorarbeiter Ulrich Gneiser schaufelt Sand unter das schon verlegte 700 Millimeter starke Wasserrohr. Die oberhalb quer durch die Grube laufende Leitung ist eine Gasleitung. Sie wird im Zuge der vorbereitenden Arbeiten zum Neubau der B66 in Leopoldshöhe-Asemissen durch eine tieferliegende Leitung ersetzt. Archivfoto (2018): Thomas Dohna

Wegen des Neubaus der B66 musste die Wasserversorgung der Gemeinde neu aufgebaut werden. Die Straße schneidet an der Oberfläche acht Meter tief ins Gelände. Damit lagen die Hauptversorgungsrohe zu hoch und mussten neu gebaut werden. Damit die Leopoldshöher nicht auf dem Trockenen saßen, ließ die Gemeinde eine Verbindung zwischen dem Bielefelder und dem Leopoldshöher Wassernetz bauen.

Die Trasse der Alleestraße ist abgesteckt.  Archivfoto (2020): Thomas Dohna
Die Trasse der Alleestraße ist abgesteckt. Archivfoto (2020): Thomas Dohna

Da mit dem Bau der neuen Trasse auch Busverbindungen in das Gewerbegebiet beeinträchtigt würden, planten Straßen.NRW und Gemeinde die Fortführung der Alleestraße ins Gewerbegebiet Asemissen. In dem Damm liegt auch die neue Wasserleitung.

2017 feierte der damalige NRW-Verkehrsminister und heutige Ministerpräsident Hendrik Wüst mit großem Bahnhof den ersten Spatenstich für die neue Trasse. Dafür war der historische Grenzstein, der der neuen Trasse im Wege stand, an den Wendehammer der Rollkrugsiedlung in Bielefeld versetzt worden.

Lemgos Landtagsabgeordneter Jürgen Berghan, Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen, der Bielefelder Bundestagskandidat Michael Weber, die Landtagsabgeordnete Martina Hannen, Landesverkehrsminister Hendrik Wüst, die Direktorin des Landesbetriebs Straßen.NRW Elfriede Sauerwein-Braksiek, Landrat Axel Lehmann, der Leiter der OWL-Niederlassung von Straßen.NRW Andreas Meyer, die stellvertretenden Bürgermeister Leopoldshöhes  Manfred Burkamp und Klaus Fiedler sowie Wolfgang Jedlicka vom Verkehrsausschuss des lippischen Kreistages enthüllten den umgesetzten Grenzstein. Damit sollte der Baubeginn für die B66 symbolisch dargestellt werden. Archivfoto (2017): Thomas Dohna
Lemgos Landtagsabgeordneter Jürgen Berghan, Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen, der Bielefelder Bundestagskandidat Michael Weber, die Landtagsabgeordnete Martina Hannen, Landesverkehrsminister Hendrik Wüst, die Direktorin des Landesbetriebs Straßen.NRW Elfriede Sauerwein-Braksiek, Landrat Axel Lehmann, der Leiter der OWL-Niederlassung von Straßen.NRW Andreas Meyer, die stellvertretenden Bürgermeister Leopoldshöhes Klaus Fiedler und Manfred Burkamp sowie Wolfgang Jedlicka vom Verkehrsausschuss des lippischen Kreistages enthüllten den umgesetzten Grenzstein. Damit sollte der Baubeginn für die B66 symbolisch dargestellt werden. Archivfoto (2017): Thomas Dohna

Der damalige Staatssekretär Rainer Bomba begründete den Ausbau mit der Verkehrsbelastung. 20.000 Fahrzeuge pro Tag nutzten die B66 damals, 2030 würden es 31.000 Fahrzeuge sein. Schon jetzt sei die Straße an der Belastungsgrenze, stellte Bomba seinerzeit fest. 18,8 Millionen Euro investiere der Bund. Drei Brücken und 170 Meter Lärmschutz würden gebaut, ein ökologischer Ausgleich vorgesehen. Bomba lud zur Einweihung der neuen Straße ein: für 2021.

Bomba wusste da noch nichts von dem schon erwähnten Rechtsstreit, ungeahnten Betonklötzen in dem Boden, Stahl- und Asphaltmangel infolge der Corona-Pandemie und des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sowie von kommenden Pleiten beteiligter Unternehmen.

Im September 2018 informierte Straßen.NRW über genaue Planung der Trasse und der Arbeiten dafür. Fünf Phasen sollte es geben. Die erste sollte im zweiten Quartal 2019 beginnen und drei Jahre dauern. Die Letzte Phase sollte der Bau der Brücke zwischen Detmolder Straße und Gewerbestraße sein.

Baustelle auf dem Gelände des ehemaligen Scherenkruges. Archivfoto (2020): Thomas Dohna
Baustelle auf dem Gelände des ehemaligen Scherenkruges. Archivfoto (2020): Thomas Dohna

Mitte Oktober 2020 begann der Bau der neuen Trasse für die B66n mit vorbereitenden Arbeiten. Den Auftrag über den zwei Kilometer langen Streckenbau bekam die Firma Johann Bunte aus Papenburg. Die Auftragssumme betrug nach Angaben des Landesbetriebs rund 17 Millionen Euro. Die neue Trasse der B66 sollte in der ersten Jahreshälfte 2023 für den Verkehr freigegeben werden.

Im Mai 2021 war klar, dass weder der Termin zur Fertigstellung noch der Kostenrahmen gehalten werden konnte. Statt den zu Beginn veranschlagten 15,5 Millionen Euro, sollte der Bau nun mehr als 35 Millionen Euro kosten. Fertigwerden sollte er nun 2024.

Die Brücke an der Gewerbestraße ist das letzte Bauwerk der neuen Trasse der B66. Archivfoto: Thomas Dohna
Die Brücke an der Gewerbestraße ist das letzte Bauwerk der neuen Trasse der B66. Archivfoto: Thomas Dohna

Aber auch der Termin war nicht zu halten. Viele kleinere zusätzliche und nicht geplante Arbeiten führten zu Verzögerungen. Mit dem Bau der Brücke an der Gewerbestraße sollte es nun bis 2025 dauern. Im Herbst 2024 hieß es, die Arbeiten an der Trasse könnten Ende 2024 beendet sein Der Bau der Brücke an der Gewerbestraße könne dann beginnen.

Der Landesbetrieb schrieb die Arbeiten für die Brücke aus, doch das Unternehmen, das die Brücke dann bauen sollte, ging im Februar 2025 in die Insolvenz. Mit einer neuen Ausschreibung fand Straßen.NRW ein neues Unternehmen und rechnete damit, dass die Brücke mit ein wenig Glück und gutem Wetter Ende 2026 fertig sein könne. In dieser Woche könnte es soweit sein.  

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