Leos Kino Filmtipp

Leos Kino-Aktiver Ulrich Schumann weist auf gute Filme hin. Foto: Edeltraud Dombert/Montage: Thomas Dohna
Leos Kino-Aktiver Ulrich Schumann weist auf gute Filme hin. Foto: Edeltraud Dombert/Montage: Thomas Dohna

Wenn man mit Nazis zusammenarbeitet…

Von Ulrich Schumann

Der finnische Historienfilm „Nie allein“ erzählt ein fast vergessenes Kapitel des Zweiten Weltkriegs / ab 5. Februar 2026 in den deutschen Kinos

Finnland ist 1941 auf der Suche nach Verbündeten. Gerade hatten die Finnen im Winterkrieg große Teile Kareliens an die Sowjetunion verloren. Nun steht das nationalsozialistische Deutschland als vermeintlicher Partner bereit. Finnische Soldaten kämpften bei der folgenden Invasion in der UdSSR Seite an Seite mit Soldaten der Wehrmacht. Doch was bedeutete die Zusammenarbeit Finnlands mit den Nationalsozialisten für die Juden im Land?

Dieser Frage geht der finnisch-deutsche Regisseur Klaus Härö in seinem neuen Film „Nie allein“ nach und erzählt die Geschichte des jüdisch-finnischen Textilfabrikanten Abraham Stiller (Ville Virtanen). Stiller ist vermeintlich sicher. So hatten sich die Regierungen in Berlin und Helsinki 1941 geeinigt, dass den finnischen Juden nichts geschehen solle. Aber die zahlreichen jüdischen Flüchtlinge in Finnland sollten ausgeliefert werden. Stiller weiß: für diese Menschen wäre die Auslieferung nach Deutschland der sichere Tod.

In Rückblenden erzählt der Film eindrucksvoll Stillers engagierten Kampf für die jüdischen Geflüchteten. Und für die wird es immer schwieriger: Gewaltsam werden sie in Arbeitslagern in Nord-Finnland zusammengetrieben, Stiller gerät unter enormen Druck und muss versuchen seine persönlichen Gefühle und sein strategisches Denken in Einklang zu bringen.

Klaus Härö („Die Kinder des Fechters“) ist ein atmosphärisch dichtes und mitreißendes Historiendrama gelungen. Mit enormem Rechercheaufwand erinnert er an die wahre Geschichte eines fast vergessenen Textilfabrikanten. Neben dem brillanten Ville Virtanen überzeugt vor allem die eindringliche Musik in diesem spannenden Film.

Zehn Jahre hat Härö an „Nie allein“ gearbeitet und man merkt dem Film seine Präzision an. Härös Gegenwartsbezug ist unverkennbar: Aus einer Zusammenarbeit mit Nazis kann nichts Gutes entstehen. Nicht zwischen Ländern, nicht in Regierungen, nirgendwo. Nicht 1941. Nicht 2026.

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