Leos Kino Filmtipp

Leos Kino-Aktiver Ulrich Schumann weist auf gute Filme hin. Foto: Edeltraud Dombert/Montage: Thomas Dohna
Leos Kino-Aktiver Ulrich Schumann weist auf gute Filme hin. Foto: Edeltraud Dombert/Montage: Thomas Dohna

„Breaking Bad“ auf Finnisch – aber besser!

Von Ulrich Schumann

Queen Of Fucking Everything“ ist genau die Serie, die die Welt jetzt braucht

Straßenfeger. Quotenrekord. Social-Media-Hit. Erfolgreichste finnische Serie überhaupt. „Queen Of Fucking Everything“ hat in Finnland so ziemlich alles getoppt. Die Serie um eine Immobilienmaklerin, die alles verliert und doch den Kopf über Wasser hält, ist ein Musterbeispiel für europäische Serien-Power. Und das Beste: das ZDF hat mitproduziert, sodass die Serie kostenfrei im ZDF-Streamingportal für alle bereitsteht.

Linda Saarlinuoto (Laura Malmivaara) will eigentlich nur eine Runde Latte für ihre Kollegen ausgeben. Doch die Kreditkarte funktioniert nicht. Und die Zweitkarte auch nicht. Und auch sonst geht nichts mehr. Linda, 50, erfolgreiche Immobilienmaklerin in Helsinki, ist reingelegt worden. Ihr Mann ist spurlos verschwunden und hat das ganze Vermögen einfach mitgenommen. Von einem Moment auf den anderen ist sie mittellos.

Linda versucht den Schein zu wahren: sie klaut die Tablets der Kollegen, um bei einer Solidaritäts-Spende für die Ukraine solvent zu wirken, sie lässt bei glitzernden Buffets Lebensmittel in ihrer Handtasche verschwinden und bittet beim Sozialamt um die Finanzierung von High Heels im vierstelligen Bereich. Ist halt Arbeitskleidung.

Schon in diesen Anfangsszenen zeigt sich der bittere Humor der Serie, der die ausweglose Situation Lindas oft bissig kommentiert. Linda bekommt beim Sozialamt natürlich kein Geld, doch über ihre Freundin Marke (genial: Katja Küttner) gelangt sie an ein GPS-Gerät, das sie zu einem Sack Drogen führt, den sie mit Marke in Spanien vertickt. Und jetzt beginnen die Probleme erst…

Ein „Normalo“, der die Grenzen des Möglichen immer weiter für sich verschiebt? Das erinnert natürlich an „Breaking Bad“, doch „Queen Of…“ ist mehr, ist absurder, verrückter, düsterer. Die beiden letzten Folgen sind in ihrer Atemlosigkeit, Spannung und Skurrilität schon jetzt ein Stück TV-Geschichte. Und alles kreist um die Frage: wieviel Identität bleibt, wenn alle Statussymbole schwinden?

Der Kopf hinter der Serie heißt Tiina Lymi. Sie hat mit „Queen Of…“ einen Nerv getroffen, wenn sie gekonnt das skandinavische Wohlstandsversprechen karikiert – vielleicht liegt darin ein Erfolgsgeheimnis. Die Serie wird weitergehen, sagt Lymi in der „Variety“. Es wird einen Spielfilm geben, der eine der männlichen Nebenfiguren im Fokus haben wird. Wer das sein könnte, wird nicht verraten. Aber der Titel des Films steht bereits fest: „King Of Fucking Everything“. Wir können es kaum erwarten!

„Queen Of Fucking Everything“ ist im ZDF-Streamingportal abrufbar bis zum 12. Dezember 2026.