
Auch die Leopoldshöher Wehr ist im Einsatz
Oerlinghausen/Leopoldshöhe. Es war ein Schock für die Bewohner der Oerlinghauser Altstadt: Gegen kurz nach 10 Uhr am Mittwochmorgen drangen dichte Rauchwolken aus dem Dachstuhl einer imposanten, erst kürzlich renovierten Stadtvilla an der Detmolder Straße. Was als Routine-Arbeit an der Fassade begann, entwickelte sich binnen Minuten zu einem der größten Feuerwehreinsätze der letzten Monate in der Bergstadt, heißt es in einer Mitteilung der Blaulichtfotografen.
Brandursache: Fatale Malerarbeiten
Nach ersten Erkenntnissen der Polizei nahm das Unglück bei Renovierungsarbeiten seinen Lauf. Mit einem Gasbrenner sollten alte Farbschichten entfernt werden – eine gängige, aber brandgefährliche Methode. Offenbar entfachte die Hitze ein Feuer, das sich im trockenen Gebälk der historischen Villa rasend schnell ausbreitete, heißt es in der Mitteilung weiter.

Als die ersten Kräfte der Feuerwehr Oerlinghausen eintrafen, bot sich ihnen ein dramatisches Bild: Der Dachstuhl stand bereits im Vollbrand. Die Flammen hatten zu diesem Zeitpunkt nicht nur die Dachhaut durchbrochen, sondern bereits den Treppenraum sowie zwei Zimmer im Dachgeschoss erfasst.
Gefährlicher Einsatz unter Atemschutz
Sofort drangen mehrere Trupps unter schwerem Atemschutz in das Gebäude vor, um den Brand von innen zu bekämpfen. Doch die Hitzeentwicklung und die massive Ausbreitung der Flammen zwangen die Einsatzleitung schnell zu einer schweren Entscheidung: Aus Eigenschutzgründen musste der Innenangriff zunächst abgebrochen werden. Die Gefahr eines Einsturzes oder einer Rauchgasdurchzündung war zu groß.

Angesichts der Lage forderte die Feuerwehr Oerlinghausen umgehend Verstärkung an. Die Wehren aus Leopoldshöhe und Augustdorf rückten mit weiteren Kräften sowie der Drehleiter Leopoldshöhe an. Insgesamt sind 65 Feuerwehrleute im Einsatz. Über zwei Drehleitern wurde die Dachhaut von außen mühsam geöffnet, um eine gezielte Brandbekämpfung von außen durchzuführen. Parallel dazu versucht die Feuerwehr im Laufe des Einsatzes, erneut Trupps ins Innere vorzuschicken, um verbliebene Brandherde effektiver erreichen zu können.

Unterstützt werden die lokalen Wehren durch den Kreis Lippe, der einen Abrollbehälter für Atemschutz zur Verfügung stellt, um den hohen Bedarf an frischen Atemschutzgeräten zu decken. Zur Absicherung der Einsatzkräfte sind zudem der Rettungsdienst der Malteser Oerlinghausen sowie das ehrenamtliche DRK aus Leopoldshöhe vor Ort.
Warn-Apps ausgelöst – Millionenschaden befürchtet
Wegen der starken Rauchentwicklung lösten die Behörden die Warn-Apps „NINA“ und „Katwarn“ aus. Anwohner wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Detmolder Straße bleibt zwischen der Rathausstraße und der Marktstraße bis auf Weiteres voll gesperrt.

Die Bilanz ist schon jetzt bitter: Zwar wurde glücklicherweise nach aktuellem Stand niemand verletzt, doch der Sachschaden ist immens. Die Polizei geht nach ersten Schätzungen von einer Schadenshöhe im Millionenbereich aus. Besonders tragisch: Das Gebäude beherbergt die „Bergstadt-Praxis“. Die erst kürzlich modernisierten Räumlichkeiten der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis sind vorerst nicht nutzbar. Wann der Praxisbetrieb wieder aufgenommen werden kann, ist derzeit völlig unklar.

Ärger über Gaffer und Falschparker – Einsatz dauert an
Für Unmut bei den Einsatzkräften sorgt jedoch nicht nur das Feuer, sondern auch das Verhalten einiger Bürger. Trotz der weiträumigen Absperrungen versuchten Autofahrer immer wieder, die Polizeiabsperrungen zu ignorieren. Besonders dreist: Einige Fahrzeuge wurden rechtswidrig direkt im Kreuzungsbereich geparkt, was die Wege für nachrückende Rettungsfahrzeuge gefährlich einengte. Die Polizei appellierte eindringlich, Rettungswege unbedingt freizuhalten und den Bereich weiträumig zu umfahren.

Der Einsatz dauer zur Stunde (15.41 Uhr) noch an und wird sich nach Einschätzung der Feuerwehr vermutlich bis in den späten Nachmittag hinziehen. Die Kriminalpolizei wird die Ermittlungen zur genauen Brandursache aufnehmen, sobald das Gebäude sicher betreten werden kann.




