
Hauptgeschäftsführerin Svenja Jochens und Referent Timm Lönneker (links) die derzeitige Situation in der lippischen Wirtschaft vor. IHK-Vizepräsident Stephan Westerdick (zweiter von links) legt als Geschäftsführer der Unirez GmbH einen besonderen Fokus auf den Dienstleistungssektor. Foto: IHK Lippe
Auswertung für den Frühling 2026
Kreis Lippe. Die wirtschaftliche Lage in Lippe hat sich eingetrübt. Und auch für die nächsten Monate erwarten die Unternehmen keine spürbare Besserung. Branchenübergreifend klagen sie über investitionshemmende Rahmenbedingungen und sprunghaft gestiegene Rohstoff- und Energiekosten. Auch die Arbeitskosten belasten die Unternehmen massiv. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe) im Frühjahr 2026. An der Umfrage in der Zeit vom 13. bis 26. April haben sich 167 Unternehmen beteiligt, schreibt die IHK Lippe in einer Mitteilung.
Volker Steinbach, Präsident der IHK Lippe, mahnt die Politik zu Zusammenhalt und fordert grundlegende Reformen: „Die Wirtschaft ist enttäuscht von der Zögerlich- und Mutlosigkeit der Regierung. Die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit muss an erster Stelle stehen. Nach jahrelangem Stillstand und Fahren auf Verschleiß benötigen wir eine „Generalüberholung“ mit tiefgreifenden Strukturreformen und Geschwindigkeit in der Umsetzung.“
Um Deutschland wieder auf Spur zu bringen, sei vor allem konstruktive Zusammenarbeit über alle Parteigrenzen hinweg gefragt. „Es hilft der Regierung, Vertrauen zurückzugewinnen, indem sie endlich deutlich macht, am selben Strang zu ziehen und dieselben Ziele zu verfolgen. Polarisierung hilft keinem“, mahnt die Hauptgeschäftsführerin der IHK Lippe Svenja Jochens.
Grund für die harsche Kritik der IHK Lippe sind die düsteren Geschäftserwartungen. Branchenübergreifend erwarten nur 7 Prozent der Betriebe, dass sich das Geschäft innerhalb eines Jahres verbessern wird (-9 Prozent gegenüber Herbst 2025). Der Anteil der Pessimisten verdoppelt sich fast auf nun 33 Prozent (+17 Prozent). Mit Beginn des Krieges im Nahen Osten hat sich die wirtschaftliche Erwartung deutlich eingetrübt. Die Auswirkungen des Konflikts treffen viele Unternehmen und Verbraucher:innen mit voller Wucht. Die Unsicherheit ist gestiegen.

Die aktuelle Geschäftslage schätzen die Unternehmen durchwachsen ein. So berichten branchenübergreifend 46 Prozent der Unternehmen in Lippe derzeit von einer „befriedigenden“ Situation (-4 Prozent gegenüber dem Herbst 2025). Der Anteil der Unzufriedenen steigt jedoch auf 33 Prozent (+4 Prozent). Nur knapp ein Viertel der Unternehmen beurteilt die aktuelle Situation als „gut“ (unverändert).

Die Industrie steht unter Druck: „Die Kapazitäten sind nicht ausgelastet. Die schwache Nachfrage verschärft die Wirkung hoher Kosten. Die Unternehmen können Preissteigerungen kaum weitergeben. Es fehlen vor allem Aufträge“, analysiert Steinbach.
Im Handel trübt sich das Bild deutlich ein: „Die Stimmung ist sehr gedrückt, geprägt von enormer Kaufzurückhaltung und hoher Unsicherheit. Die Verbraucher haben in den Krisenmodus geschaltet und sparen“, berichtet Steinbach.
Das Gastgewerbe befindet sich in einer stark angespannten wirtschaftlichen Lage. Viele Restaurants, Cafés und Hotels in Lippe kämpfen mit Kosten deutlich über Vorkrisenniveau. „Der Druck auf dem Kessel ist trotz der teils reduzierten Mehrwertsteuer brutal hoch“, so Steinbach.
Die Stimmung im Dienstleistungssektor kühlt sich spürbar ab. Die laufenden Geschäfte sind vielerorts noch akzeptabel, doch die Erwartungen sind stark eingebrochen. Besonders der Bau, die Logistik, tourismusnahe Dienstleistungen und investitionsnahe Services stehen unter Druck.

Der Geschäftsklima-Index der IHK Lippe sinkt von 98 Punkten im Herbst auf 83 Punkte im Frühjahr 2026. Der Index visualisiert die Salden der Geschäftslage und -erwartungen der Unternehmen. Dabei signalisieren 100 Punkte aus technischer Sicht eine ausgeglichene Stimmung. Seit der ersten Erhebung der Daten in 1993 hat sich in Lippe ein langjähriger, positiver Durchschnitt von 108 Punkten etabliert, Tendenz sinkend.
Situation der Branchen im Detail
41 Prozent der Industrieunternehmen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als „schlecht“ (-3 Prozent). Knapp die Hälfte der Betriebe bewerten die aktuelle Geschäftslage als „befriedigend“ (+6 Prozent). Nach einem zunächst positiven Start ins neue Jahr habe sich die Situation nach dem Beginn des Nah-Ost-Konfliktes dramatisch verschlechtert, heißt es exemplarisch. Wachstum sei bei vielen Unternehmen nicht in Sicht, im Gegenteil: Kurzarbeit sei nicht auszuschließen. Nur zehn Prozent der Industrieunternehmen vergeben eine „gute“ Konjunkturnote (-4 Prozent).
Im Handel trübt sich die Stimmung stark ein. Für mehr als die Hälfte der Händler:innen ist die wirtschaftliche Situation „schlecht“ (53 Prozent, +18 Prozent). Die extreme Zurückhaltung der Verbraucher:innen macht der Branche schwer zu schaffen – nicht zuletzt aufgrund anhaltender politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten. Nur noch knapp 30 Prozent der Handelsunternehmen vermelden eine „befriedigende“ Geschäftslage (-18 Prozent). Weiterhin 18 Prozent bewerten die Situation als „gut“. Der Branchen fehlen vor allem Impulse seitens der Politik: „Preissteigerungen für Energie und keine Aussicht auf nachhaltige Problemlösungen lassen Konsumwünsche in den Hintergrund treten. Die Menschen sparen“, heißt es im Handel. Mit zunehmender Dauer der Krisen schwinde die Zuversicht der Konsument:innen, dass sich auch die eigene Einkommenssituation in den kommenden Monaten verbessern wird. Darüber hinaus stehe für den Handel mit dem Sommer eine eher schwache Saison an.
Der Dienstleistungssektor zeigt sich trotz der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage insgesamt robust. Während es bei der Mehrheit von 55 Prozent „befriedigend“ läuft (+2 Prozent), beurteilen gut drei von zehn Betrieben die Lage als „gut“ (-2 Prozent). Die Auftragslage sei auf Vorjahresniveau, aber: „Neue Anfragen nehmen spürbar ab. Viele Unternehmen investieren nicht mehr“, fasst ein Dienstleister die Situation beispielhaft zusammen. Hoher bürokratischer Aufwand drücke auf die Stimmung. Eine „schlechte“ Lage geben entsprechend 16 Prozent der
Dienstleistungsunternehmen an (unverändert). Für die kommenden Monate erwartet der Dienstleitungssektor eine deutliche wirtschaftliche Eintrübung: Der Anteil der Pessimisten steigt von 15 auf 36 Prozent. Nur noch ein geringer Anteil von 7 Prozent geht von einer positiven
Entwicklung aus (-9 Prozent). Die Mehrheit von 57 Prozent erwartet keine Veränderung (-12 Prozent).
Die Lage im Gastgewerbe bleibt deutlich angespannt, trotz der dauerhaften Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen auf 7 Prozent zum 1. Januar 2026. Die Branche leidet unter den hohen Energie- und Lebensmittelpreisen sowie gestiegenen Personalkosten, insbesondere durch den höheren Mindestlohn. Für die Hälfte der Betriebe ist die Lage befriedigend (-6 Prozent). Knapp vier von zehn Unternehmen vergeben „schlechte“ Konjunkturnoten (+8 Prozent), nur noch 10 Prozent ein „gut“ (-2 Prozent): Die hohen Betriebskosten, Arbeitskräftemangel und ein
verändertes Konsumverhalten führten zu Umsatzrückgängen und Insolvenzrisiken, insbesondere
in der Speisegastronomie. Über den Sommer sei zwar grundsätzlich mit einer stabilen Nachfrage zu rechnen, doch das Umfeld bleibe fragil, heißt es aus der Branche.
Geschäftsrisiken: Branchenübergreifend liegen die größten Herausforderungen der lippischen Wirtschaft in den hohen Energie- und Rohstoffpreisen (77 Prozent, +16 Prozent im Vergleich zum Herbst 2025), investitionshemmenden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (68 Prozent, -1 Prozent), den hohen Arbeitskosten (60 Prozent, -4 Prozent) und im schwachen Inlandsabsatz (58 Prozent, -6 Prozent). Die Bedeutung des Fachkräftemangels hat um 10 auf 30 Prozent abgenommen. Ein zu geringer Auslandsabsatz stellt für 23 Prozent (-4 Prozent) ein Problem dar. Das Finanzierungsrisiko steigt leicht an (13 Prozent, +3 Prozent). Wechselkurse stellen hingegen kaum ein Risiko für die Wirtschaft dar (7 Prozent, +1 Prozent).


Als Reaktion auf die Geschäftsrisiken und die hohen Kosten am Standort planen wieder mehr Betriebe Maßnahmen zur Rationalisierung, Automatisierung und Digitalisierung (50 Prozent, +6 Prozent im Vergleich zum Herbst 2025). Um auf gestiegene Kosten zu reagieren, werden voraussichtlich 42 Prozent der Unternehmen die Preise erhöhen (+10 Prozent). Positiv: 35 Prozent der Betriebe wollen ihre Innovationskraft erhöhen (+5 Prozent) oder neue Märkte erschließen (28 Prozent, -1 Prozent).
Ein Viertel der Unternehmen will die Kompetenzen der Mitarbeitenden stärken bzw. diese weiterbilden (-3 Prozent). 23 Prozent wollen jedoch Personal abbauen (+3 Prozent). 12 Prozent wollen in der Personalgewinnung neue Wege gehen (-3 Prozent). Stärker auf die klassische Ausbildung setzen, planen branchenübergreifend nur noch 6 Prozent der Unternehmen (-6 Prozent).
Knapp ein Fünftel der Betriebe erwägt die Verlagerung des Betriebs oder von Betriebsteilen (18 Prozent, +4 Prozent). Sieben Prozent der antwortenden Unternehmen erwägen gar eine Betriebsschließung (+1 Prozent). Im Dienstleistungssektor, Handel und Gastgewerbe werden voraussichtlich 16 Prozent die Öffnungszeiten reduzieren (-1 Prozent). Kurzarbeit geben insgesamt 5 Prozent der Betriebe als Konsequenz auf die schwache Auftragslage an (-5 Prozent). 17 Prozent der Unternehmen werden den Mitarbeitenden zukünftig voraussichtlich höhere Löhne zahlen (-2 Prozent). Das eigene Geschäftsmodell an die sich schnell verändernden wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen, geben 15 Prozent der Unternehmen an (-1 Prozent).
Finanzlage: Erfreulich ist, dass für 66 Prozent der Betriebe in Lippe die Finanzlage unproblematisch ist (-3 Prozent). Allerdings ist die Entwicklung besorgniserregend, denn vor zwei Jahren berichteten noch drei Viertel der Betriebe von gesunden Finanzen. Derzeit hat ein Drittel der Unternehmen finanzielle Probleme: 25 Prozent kämpfen mit einem Rückgang des Eigenkapitals (+2 Prozent) und knapp ein Fünftel leidet unter Forderungsausfällen (+7 Prozent).

| Motive für Investitionen (branchenübergreifend) | Prozent [%] | Veränderung gegenüber Herbst 2025 [%] |
| Ersatzbedarf | 73 | +1 |
| Rationalisierungsmaßnahmen | 46 | +7 |
| Produktinnovationen | 46 | +4 |
| Ausweitung der Kapazitäten | 13 | -5 |
| Umweltschutz / Energieeffizienz | 9 | unverändert |
| Motive gegen Investitionen (branchenübergreifend) | Prozent [%] | Veränderung gegenüber Herbst 2025 [%] |
| Zu geringe Nachfrage | 65 | +14 |
| Vorhandene Kapazitätsreserven | 35 | -5 |
| Mangel an Eigenkapital | 13 | -11 |
| Administrative Hemmnisse | 16 | -3 |
| Zu hohe Fremdkapitalzinsen | 14 | +2 |
| Bessere Rendite durch Finanzanlagen | 7 | -1 |
Beschäftigungspläne: Vor dem Hintergrund des in weiten Teilen der Wirtschaft fortbestehenden Fachkräftemangels, der demografischen Entwicklung und einer möglichen konjunkturellen Trendwende mit einem baldigen Ende des Iran- oder Ukraine-Krieges hält die Mehrheit der Unternehmen in Lippe an ihren Beschäftigten fest: So soll die Zahl der Mitarbeitenden bei sechs von zehn Betrieben gleichbleiben (+4 Prozent). Allerdings planen 30 Prozent, das Personal zu reduzieren (+6 Prozent). Nur knapp 10 Prozent der Unternehmen werden voraussichtlich neue Arbeitsplätze schaffen (-8 Prozent).
Die wirtschaftliche Lage in Lippe hat sich eingetrübt. Und auch für die nächsten Monate erwarten die Unternehmen keine spürbare Besserung. Branchenübergreifend klagen sie über investitionshemmende Rahmenbedingungen und sprunghaft gestiegene Rohstoff- und Energiekosten. Auch die Arbeitskosten belasten die Unternehmen massiv. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe) im Frühjahr 2026. An der Umfrage in der Zeit vom 13. bis 26. April haben sich 167 Unternehmen beteiligt.
Volker Steinbach, Präsident der IHK Lippe, mahnt die Politik zu Zusammenhalt und fordert grundlegende Reformen: „Die Wirtschaft ist enttäuscht von der Zögerlich- und Mutlosigkeit der Regierung. Die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit muss an erster Stelle stehen. Nach jahrelangem Stillstand und Fahren auf Verschleiß benötigen wir eine „Generalüberholung“ mit tiefgreifenden Strukturreformen und Geschwindigkeit in der Umsetzung.“
Um Deutschland wieder auf Spur zu bringen, sei vor allem konstruktive Zusammenarbeit über alle Parteigrenzen hinweg gefragt. „Es hilft der Regierung, Vertrauen zurückzugewinnen, indem sie endlich deutlich macht, am selben Strang zu ziehen und dieselben Ziele zu verfolgen. Polarisierung hilft keinem“, mahnt die Hauptgeschäftsführerin der IHK Lippe Svenja Jochens.
Grund für die harsche Kritik der IHK Lippe sind die düsteren Geschäftserwartungen. Branchenübergreifend erwarten nur 7 Prozent der Betriebe, dass sich das Geschäft innerhalb eines Jahres verbessern wird (-9 Prozent gegenüber Herbst 2025). Der Anteil der Pessimisten verdoppelt sich fast auf nun 33 Prozent (+17 Prozent). Mit Beginn des Krieges im Nahen Osten hat sich die wirtschaftliche Erwartung deutlich eingetrübt. Die Auswirkungen des Konflikts treffen viele Unternehmen und Verbraucher:innen mit voller Wucht. Die Unsicherheit ist gestiegen.

Die aktuelle Geschäftslage schätzen die Unternehmen durchwachsen ein. So berichten branchenübergreifend 46 Prozent der Unternehmen in Lippe derzeit von einer „befriedigenden“ Situation (-4 Prozent gegenüber dem Herbst 2025). Der Anteil der Unzufriedenen steigt jedoch auf 33 Prozent (+4 Prozent). Nur knapp ein Viertel der Unternehmen beurteilt die aktuelle Situation als „gut“ (unverändert).

Die Industrie steht unter Druck: „Die Kapazitäten sind nicht ausgelastet. Die schwache Nachfrage verschärft die Wirkung hoher Kosten. Die Unternehmen können Preissteigerungen kaum weitergeben. Es fehlen vor allem Aufträge“, analysiert Steinbach.
Im Handel trübt sich das Bild deutlich ein: „Die Stimmung ist sehr gedrückt, geprägt von enormer Kaufzurückhaltung und hoher Unsicherheit. Die Verbraucher haben in den Krisenmodus geschaltet und sparen“, berichtet Steinbach.
Das Gastgewerbe befindet sich in einer stark angespannten wirtschaftlichen Lage. Viele Restaurants, Cafés und Hotels in Lippe kämpfen mit Kosten deutlich über Vorkrisenniveau. „Der Druck auf dem Kessel ist trotz der teils reduzierten Mehrwertsteuer brutal hoch“, so Steinbach.
Die Stimmung im Dienstleistungssektor kühlt sich spürbar ab. Die laufenden Geschäfte sind vielerorts noch akzeptabel, doch die Erwartungen sind stark eingebrochen. Besonders der Bau, die Logistik, tourismusnahe Dienstleistungen und investitionsnahe Services stehen unter Druck.

Der Geschäftsklima-Index der IHK Lippe sinkt von 98 Punkten im Herbst auf 83 Punkte im Frühjahr 2026. Der Index visualisiert die Salden der Geschäftslage und -erwartungen der Unternehmen. Dabei signalisieren 100 Punkte aus technischer Sicht eine ausgeglichene Stimmung. Seit der ersten Erhebung der Daten in 1993 hat sich in Lippe ein langjähriger, positiver Durchschnitt von 108 Punkten etabliert, Tendenz sinkend.
Die Situation der Branchen im Detail:
41 Prozent der Industrieunternehmen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als „schlecht“ (-3 Prozent). Knapp die Hälfte der Betriebe bewerten die aktuelle Geschäftslage als „befriedigend“ (+6 Prozent). Nach einem zunächst positiven Start ins neue Jahr habe sich die Situation nach dem Beginn des Nah-Ost-Konfliktes dramatisch verschlechtert, heißt es exemplarisch. Wachstum sei bei vielen Unternehmen nicht in Sicht, im Gegenteil: Kurzarbeit sei nicht auszuschließen. Nur zehn Prozent der Industrieunternehmen vergeben eine „gute“ Konjunkturnote (-4 Prozent).
Im Handel trübt sich die Stimmung stark ein. Für mehr als die Hälfte der Händler:innen ist die wirtschaftliche Situation „schlecht“ (53 Prozent, +18 Prozent). Die extreme Zurückhaltung der Verbraucher:innen macht der Branche schwer zu schaffen – nicht zuletzt aufgrund anhaltender politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten. Nur noch knapp 30 Prozent der Handelsunternehmen vermelden eine „befriedigende“ Geschäftslage (-18 Prozent). Weiterhin 18 Prozent bewerten die Situation als „gut“. Der Branchen fehlen vor allem Impulse seitens der Politik: „Preissteigerungen für Energie und keine Aussicht auf nachhaltige Problemlösungen lassen Konsumwünsche in den Hintergrund treten. Die Menschen sparen“, heißt es im Handel. Mit zunehmender Dauer der Krisen schwinde die Zuversicht der Konsument:innen, dass sich auch die eigene Einkommenssituation in den kommenden Monaten verbessern wird. Darüber hinaus stehe für den Handel mit dem Sommer eine eher schwache Saison an.
Geschäftsrisiken: Branchenübergreifend liegen die größten Herausforderungen der lippischen Wirtschaft in den hohen Energie- und Rohstoffpreisen (77 Prozent, +16 Prozent im Vergleich zum Herbst 2025), investitionshemmenden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (68 Prozent, -1 Prozent), den hohen Arbeitskosten (60 Prozent, -4 Prozent) und im schwachen Inlandsabsatz (58 Prozent, -6 Prozent). Die Bedeutung des Fachkräftemangels hat um 10 auf 30 Prozent abgenommen. Ein zu geringer Auslandsabsatz stellt für 23 Prozent (-4 Prozent) ein Problem dar. Das Finanzierungsrisiko steigt leicht an (13 Prozent, +3 Prozent). Wechselkurse stellen hingegen kaum ein Risiko für die Wirtschaft dar (7 Prozent, +1 Prozent).


Als Reaktion auf die Geschäftsrisiken und die hohen Kosten am Standort planen wieder mehr Betriebe Maßnahmen zur Rationalisierung, Automatisierung und Digitalisierung (50 Prozent, +6 Prozent im Vergleich zum Herbst 2025). Um auf gestiegene Kosten zu reagieren, werden voraussichtlich 42 Prozent der Unternehmen die Preise erhöhen (+10 Prozent). Positiv: 35 Prozent der Betriebe wollen ihre Innovationskraft erhöhen (+5 Prozent) oder neue Märkte erschließen (28 Prozent, -1 Prozent).
Ein Viertel der Unternehmen will die Kompetenzen der Mitarbeitenden stärken bzw. diese weiterbilden (-3 Prozent). 23 Prozent wollen jedoch Personal abbauen (+3 Prozent). 12 Prozent wollen in der Personalgewinnung neue Wege gehen (-3 Prozent). Stärker auf die klassische Ausbildung setzen, planen branchenübergreifend nur noch 6 Prozent der Unternehmen (-6 Prozent).
Knapp ein Fünftel der Betriebe erwägt die Verlagerung des Betriebs oder von Betriebsteilen (18 Prozent, +4 Prozent). Sieben Prozent der antwortenden Unternehmen erwägen gar eine Betriebsschließung (+1 Prozent). Im Dienstleistungssektor, Handel und Gastgewerbe werden voraussichtlich 16 Prozent die Öffnungszeiten reduzieren (-1 Prozent). Kurzarbeit geben insgesamt 5 Prozent der Betriebe als Konsequenz auf die schwache Auftragslage an (-5 Prozent). 17 Prozent der Unternehmen werden den Mitarbeitenden zukünftig voraussichtlich höhere Löhne zahlen (-2 Prozent). Das eigene Geschäftsmodell an die sich schnell verändernden wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen, geben 15 Prozent der Unternehmen an (-1 Prozent).
Finanzlage: Erfreulich ist, dass für 66 Prozent der Betriebe in Lippe die Finanzlage unproblematisch ist (-3 Prozent). Allerdings ist die Entwicklung besorgniserregend, denn vor zwei Jahren berichteten noch drei Viertel der Betriebe von gesunden Finanzen. Derzeit hat ein Drittel der Unternehmen finanzielle Probleme: 25 Prozent kämpfen mit einem Rückgang des Eigenkapitals (+2 Prozent) und knapp ein Fünftel leidet unter Forderungsausfällen (+7 Prozent).

| Motive für Investitionen (branchenübergreifend) | Prozent [%] | Veränderung gegenüber Herbst 2025 [%] |
| Ersatzbedarf | 73 | +1 |
| Rationalisierungsmaßnahmen | 46 | +7 |
| Produktinnovationen | 46 | +4 |
| Ausweitung der Kapazitäten | 13 | -5 |
| Umweltschutz / Energieeffizienz | 9 | unverändert |
| Motive gegen Investitionen (branchenübergreifend) | Prozent [%] | Veränderung gegenüber Herbst 2025 [%] |
| Zu geringe Nachfrage | 65 | +14 |
| Vorhandene Kapazitätsreserven | 35 | -5 |
| Mangel an Eigenkapital | 13 | -11 |
| Administrative Hemmnisse | 16 | -3 |
| Zu hohe Fremdkapitalzinsen | 14 | +2 |
| Bessere Rendite durch Finanzanlagen | 7 | -1 |
Beschäftigungspläne: Vor dem Hintergrund des in weiten Teilen der Wirtschaft fortbestehenden Fachkräftemangels, der demografischen Entwicklung und einer möglichen konjunkturellen Trendwende mit einem baldigen Ende des Iran- oder Ukraine-Krieges hält die Mehrheit der Unternehmen in Lippe an ihren Beschäftigten fest: So soll die Zahl der Mitarbeitenden bei sechs von zehn Betrieben gleichbleiben (+4 Prozent). Allerdings planen 30 Prozent, das Personal zu reduzieren (+6 Prozent). Nur knapp 10 Prozent der Unternehmen werden voraussichtlich neue Arbeitsplätze schaffen (-8 Prozent).



