Schöner morden

Die Krimi-Autorin Heike Rommel stellte im Johanneshof ihren Krimi "Heller Sand - Dunkler Tod" und die Anthologie "Pickert, Pölter, Pistolen". Foto: Thomas Dohna
Die Krimi-Autorin Heike Rommel stellte im Johanneshof ihren Krimi “Heller Sand – Dunkler Tod” und die Anthologie “Pickert, Pölter, Pistolen”. Foto: Thomas Dohna

Krimifestival OWL im Johanneshof

Leopoldshöhe (ted). Erleiden möchte es niemand, aber viele davon lesen. Morden und meucheln ist im Trend, zum Glück vor allem auf dem Buchmarkt. Hier tummelt sich Heike Rommel recht erfolgreich. Jetzt war die Krimi-Autorin im Johanneshof zu Gast und stellte ihren achten Roman vor.

Die Lesung war Teil des zweiten Krimifestivals OWL. Heike Rommel gehört zu den Organisatoren. Mehr als 30 Akteure bei mit mehr als 20 Veranstaltungen an 20 Orten stellen Kriminalliteratur aus OWL mit Crime Nights, Tatortwanderungen und klassischen Krimi-Lesungen vor. NRW-Innenminister Herbert Reul unterstützt das Festival. „Er ist ja der oberste Dienstherr der Polizei. Daher passt das ganz gut“, findet Rommel.

Sie las aus ihrem achten Krimi. Die ersten sieben spielen in Bielefeld. Hauptperson ist Dominik Domeyer, ein Kripo-Kommissar, geschieden und Vater. Im achten Krimi ist Domeyer auf Norderney aktiv, nicht offiziell, eher persönlich eingebunden.  In “Heller Sand und dunkler Tod” verliebt sich Domeyer in seine Jugendliebe Kim. Die leidet an einer Borderline-Störung, was damals schon zur plötzlichen Trennung der beiden führte. Sie hatten sich in einem Kinderheim kennengelernt. Dann zog Domeyer in eine Pflegefamilie und Kim brach den Kontakt ab.

Viele Jahre später nehmen sie wieder Kontakt zueinander auf. Nur ist Kim verheiratet, mit einem Hotelier auf Norderney. Der wandert gern. Dabei erleidet er einen Unfall, der eine fast vollständige Lähmung zur Folge hat. Mit Hilfe einer Psychotherapie beginnt der Hotelier sich mehr und mehr an den Unfall zu erinnern. Da wird er ermordet, mit Hilfe von Insulin, dass Kim als Diabetikerin nehmen muss.

Heike Rommel kennt die Nordseeinsel Baltrum gut. Aber sie sollte nicht der Spielort ihres Krimis sein. Norderney, die größte der Nordseeinseln bot ihr mehr Erzählmöglichkeiten, sagt sie während der Lesung. Der Ortswechsel im Ganzen biete neue Perspektiven. In einem Urlaub habe sie die Insel in einem dicht gedrängten Programm genau erkundet. Das ist der wesentliche Grund, warum Domeyer im neunten, gerade entstehenden Krimi Rommels zur Kripo Aurich wechselt.

Rommel ist Diplom-Psychotherapeutin und war lange in Bethel beschäftigt. Im achten Krimi kommt ein Psychotherapeut vor, der neue Freund von Domeyers Ex-Frau. Den zieht Domeyer zu Rate, um Näheres zur Borderline-Störung zu erfahren. Aus Rommels Stimmgebung der Beiträge des Mannes war zu entnehmen, dass sie solche Männer, die zwar kaum praktische Erfahrung mit dieser Störung haben, dennoch alles darüber wissen, gut kennt.

Thomas Schweitzer garnierte die Lesung mit Saxophon-Improvisationen. Foto: Thomas Dohna
Thomas Schweitzer garnierte die Lesung mit Saxophon-Improvisationen. Foto: Thomas Dohna

Rommel ist Jahrgang 1962 und in Altersteilzeit. Zum Schreiben von Romanen ist sie 2012 durch ein Pen-and-Paper-Spiel gekommen. Da müssen Charaktere entworfen und Geschichten erzählt werden. Die Spielerinnen und Spieler nehmen Rollen und erleben durch Erzählen Abenteuer. Dabei werden die Charaktere auf Papier festgehalten und Notizen zum Spielverlauf gemacht.

Das habe ihr so viel Freude gemacht, dass daraus am Ende ein 1.200 Seiten starker Fantasy-Roman geworden sei, berichtete Rommel. Da sie selbst gern Krimis liest – und aus einer Polizistenfamilie stammt – verlegte sie sich aufs Krimischreiben. Die seien kürzer und besser zu überarbeiten.

Zu den Krimifestivals sind Anthologien mit Kurzkrimis verschiedener Autoren erschienen: “Pickert, Pölter und Pistolen” heißen sie. Im zweiten Band geben sich 24 Autoren aus OWL mit Geschichten, die in OWL spielen ein Stelldichein. Heike Rommel ist ebenfalls dabei, mit der Erzählung „Der Leichenschmaus“, die zu Weihnachten im Bielefelder Stadtteil Hoberge spielt. Sie las sie vollständig und erzählte von einem Geschiedenen, der ein Päckchen bekommt, dass ihn zu einer Leiche führt, die er wiederum seiner Ex unterschiebt.

In den etwa zwei Stunden Lesung bot der Bielefelder Saxophonist Thomas Schweizer musikalische Improvisationen auf Bariton- und Altsaxophon. Die Geschichte um den Leichenschmaus garnierte er mit einer Improvisation über das Weihnachtslied „O Tannenbaum“.

Die reichlich erschienenen Zuhörer hörten gespannt zu, stellten Fragen und verabschiedeten Rommel und Schweizer mit herzlichem Applaus.

Schreibe einen Kommentar