Schaden oder Nutzen – der Vormarsch der Wasserlinsen

Schon seit Monaten restlos mit Wasserlinsen besiedelt - Regenrückhaltebecken am Krähenholz Ende Juni 2026. Fotos: NABU Leopoldshöhe / Ewald Thies
Schon seit Monaten restlos mit Wasserlinsen besiedelt – Regenrückhaltebecken am Krähenholz Ende Juni 2026. Fotos: NABU Leopoldshöhe / Ewald Thies

NABU Leopoldshöhe – Naturinfo

Leopoldshöhe. Unsere kleinsten heimischen Schwimmpflanzen sind die Wasserlinsen. Bekannt ist vor allem die häufige Kleine Wasserlinse (Lemna minor) – auch Entengrütze oder Entenflott genannt – mit ungeteilten, linsenförmigen Schwimmblättchen, schreibt der Naturschutzbund in seiner Naturinfo.

Ihre Schwesterart ist die Dreiteilige Wasserlinse (Lemna trisulca). Beide Arten können in kurzer Zeit die Teichoberfläche mit einem dünnen, grünen Blattteppich bedecken. Das ist nicht immer erwünscht, hilft aber im Sommer das Teichwasser kühl zu halten.  Sie reinigen das Wasser, da sie Nährstoffe direkt aufnehmen. Bei massenhaftem Auftreten können sie jedoch das ökologische Gleichgewicht stören.

Die Kleine Wasserlinse wächst als Schwimmpflanze direkt an der Wasseroberfläche. Die eigentlichen Blättchen ragen nur etwa 0,5 bis 0,7 Zentimeter tief ins Wasser. Die feinen Wurzeln, die der Nährstoffaufnahme dienen, erreichen eine Länge von bis zu vier Zentimeter. Für das Wachstum der Pflanze selbst spielt die Wassertiefe des Gewässers eine untergeordnete Rolle, da sie frei an der Oberfläche treibt.

Wasserlinsen (Entengrütze) sind in kleinen Mengen nützlich, da sie Nährstoffe binden und das Algenwachstum reduzieren. In zu großer Zahl sind sie jedoch schlecht. Sie bilden schnell eine geschlossene Decke, die den Teich abdunkelt und den lebenswichtigen Sauerstoffgehalt im Wasser drastisch senkt. 

Bei starkem Wuchs der Wasserlinsen, die an der Wasseroberfläche oft durchaus auch einen dichten Pflanzenteppich bilden können, kann es ratsam sein, die Entengrütze frühzeitig auszudünnen, da sonst das Leben unter der Schwimmpflanzendecke kaum mehr Licht abbekommt. 

Im Herbst lagert die Kleine Wasserlinse Stärke als Reservestoff ein, bevor sie auf den Gewässergrund sinkt, wo sie den Winter verbringt. Im Frühjahr steigt sie an die Wasseroberfläche auf und beginnt sich auszubreiten. 

So sah das Regenrückhaltebecken im Mitte Mai 2026 aus.
So sah das Regenrückhaltebecken im Mitte Mai 2026 aus.

Kleine Stillgewässer sind sehr artenreiche und ökologisch bedeutende Lebensräume mit vielen, teils spezialisierten Artengruppen. Diese Lebewesen sind an die speziellen Bedingungen wie starke Schwankungen von Wasserstand, Temperatur oder Sauerstoff gut angepasst. Viele Tiere sind Luftatmer und ziemlich mobil und können (neue) Gewässer schnell besiedeln.
Ein dichter Bewuchs von Gewässern mit Wasserlinsen, ein Überhandnehmen, kann leider dazu führen, dass sie für andere Arten (Amphibien, Fische) als Lebensraum nicht mehr in Frage kommen.

Wasserlinsen können Libellen auf mehrere Weisen beeinflussen -sowohl positiv als auch negativ, je nach Dichte des Bewuchses. Ein geschlossener Wasserlinsenteppich schadet Libellen vor allem in der Larvenphase. Die Wasserlinsen beschatten das Gewässer vollständig, wodurch die Photosynthese von Unterwasserpflanzen einbricht. Gleichzeitig verbraucht der Abbau von abgestorbener Biomasse am Grund Sauerstoff.

Libellenlarven, die aufgelösten Sauerstoff angewiesen sind, leiden darunter erheblich. Wenn fertig entwickelte Larven aus dem Wasser steigen, um zu schlüpfen,  können dichte Wasserlinsenteppiche dies behindern oder den Zugang zur Ufervegetation blockieren. Ein dichter Wasserlinsen-Teppich verändert die Lebensgemeinschaft des Gewässers – viele Kleintiere (Wasserflöhe, Mückenlarven), die als Beutetiere für Libellenlarven dienen, können bei extremem Sauerstoffmangel verschwinden.

Libellen, die Eier ins offene Wasser oder auf Wasserpflanzen ablegen, wie die Teichjungfern, finden weniger geeignete Ablageplätze.

Bei moderatem Bewuchs können  Wasserlinsen dagegen sogar Schutz bieten -Libellenlarven nutzen sie als Versteck vor Fressfeinden. Massenhaftes Wasserlinsen-Wachstum ist oft selbst ein Symptom von Eutrophierung (Nährstoffüberschuss, auch durch Düngemitteleinträge).

Gewässer mit diesem Problem weisen generell eine verarmte Lebensgemeinschaft auf – Libellen sind damit eher ein Indikator für ein bereits belastetes Gewässer, nicht allein das Opfer der Wasserlinsen.

Fazit

Für Libellen ist ein dichter, geschlossener Wasserlinsenteppich überwiegend schädlich, vor allem durch Sauerstoffmangel und erschwerten Schlupf.  Ein lockerer, teilweise offener Bewuchs ist dagegen weniger problematisch und für manche Arten tolerierbar.

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