Locke darf nicht auflegen

Improvisiert: Für das Foto hat Dennis Jorczick, alias DJ Locke, seine Technik in der Garage aufgebaut. Das Schaugeschäft ruht wie so Vieles wegen Corona. Foto: Ralf Bittner

Zwangspause für DJ Locke, den Mann hinter der Dorfdisco

Leopoldshöhe (rab). Wie viele Menschen im Showgeschäft sind dem DJ Dennis Jorczick viele Aufträge weggebrochen. Auf Unterstützung aus den Hilfspaketen kann er wohl trotzdem nicht hoffen.

Der Aufdruck auf dem T-Shirt ist Programm: Dorfdisco. „Das trifft es ziemlich gut“, sagt Dennis „Locke“ Jorczick: „Ich bin eine Dorfdisco.“ Seit 2002 legt er auf, erst zuhause, später in einer Großdisco Schlager. Heute legt er für alle zwischen 18 und 70 Jahren auf, bei Vereins-, Betriebs- und Weihnachtsfeiern oder Volksfesten. Wie viele andere Menschen im Show-Business trifft auch ihn Corona hart: „Mai, Juni ist eigentlich Hauptsaison, aber viele Veranstaltungen sind bereits abgesagt.“

Jorczick ist DJ derzeit noch im Nebenberuf, arbeitet als Metallbauer. „Noch haben wir zu tun, doch es zeichnet sich Kurzarbeit ab, weil die Zulieferer nicht nachkommen“, sagt er, „und dann wird es eng.“ Eng wird es auch, weil er gerade in neue Veranstaltungstechnik investiert hat: „Ich kann jetzt Veranstaltungen bis etwa 300 Leute beschallen, vorher lag die Grenze so bei Veranstaltungen mit um die 100 Besuchern.“ Ausbleibende Auftritte und Kurzarbeitergeld würden die Lage finanziell schon schwierig machen.

„Die finanziellen Notprogramme, die Bund und Länder wegen Corona aufgelegt haben, richten sich natürlich zuallererst an Firmen oder Kreative, die als Soloselbstständige jetzt akut in ihrer Existenz bedroht sind“, sagt Jorczick, der auch zweiter Vorsitzender der CDU Leopoldshöhe ist, „für mich kommen sie also vermutlich nicht infrage“.

Auch in der Kommunalpolitik habe sich in den letzten Wochen viel verändert: „Es wird viel gemailt und telefoniert, wir versuchen uns an einer wöchentlichen Skypekonferenz“, sagt er „irgendwie versuchen wir, die Kommunalpolitik am Laufen zu halten“. Den persönlichen Kontakt zu Bürgern vermisse er schon sehr, sagt er, auch wenn vieles jetzt sogar schneller gehe als im persönlichen Gespräch, denn: „Ich bin ein kommunikativer Mensch.“

Weil er den Kontakt zum Publikum liebt, kehrte er der Großdisco den Rücken, zog lieber mit dem Onkel, der ebenfalls DJ war, über die Dörfer und Feste, oft nicht im Lipper-, sondern im Osnabrücker Land. Noch davor war er über den Vater, der seinen Lebensunterhalt mit Live-Musik verdiente, zur Musik gekommen. „Die Musik der 60er, 70er und 80er lernte ich über ihn kennen, in den 90ern entdeckte ich meine eigene Musik“, sagt er, und bis heute, bereite es ihm Spaß diese für andere Menschen aufzulegen.

„Es lief richtig gut“, sagt er, „So langsam hätte ich darüber nachdenken können, das hauptberuflich zu machen. Ich wollte das aber langsam aufbauen, nicht volles Risiko gehen.“ Allein im April fehlen ihm gut 2.000 Euro. Wenn dann vom Gehalt auch noch 33 Prozent wegfallen sollten, würde es schon eng. Viel ändern kann er nicht, nur abwarten und hoffen, dass das Veranstaltungsgeschäft im Sommer wieder anläuft und im Herbst vielleicht sogar ein paar Termine nachgeholt werden.

Ganz ohne Musik kann er natürlich nicht: „Ich werde in dieser Zeit viel Musik hören, an meiner Technik des Auflegens arbeiten und vielleicht den ein oder anderen Mix zusammenstellen – was DJs eben so tun, wenn sie nicht vor Publikum auflegen.“