Leopoldshöher Nachrichten

Klimaschutz und Denkmalschutz

Auf den Dächern des Dorfes Greste sollen Photovoltaikanlagen möglich werden. Die Grünen spielen dabei unnötigerweise den Denkmalschutz gegen den Klimaschutz aus, meint unser Kommentator. Foto: Thomas Dohna
Auf den Dächern des Dorfes Greste sollen Photovoltaikanlagen möglich werden. Die Grünen spielen dabei unnötigerweise den Denkmalschutz gegen den Klimaschutz aus, meint unser Kommentator. Foto: Thomas Dohna

Ein unnötiger Gegensatz

Von Thomas Dohna

Was haben sich die Grünen nur dabei gedacht?  In der Brunsheide wollen sie eine nach Möglichkeit klimaneutrale Siedlung schaffen. Das ist gut und richtig so. Bei ihrem Antrag auf die Zulassung von Photovoltaikanlagen auf den Dächern des Dorfes Greste stellen sie Denkmalschutz als Hindernis für den Klimaschutz dar. Das ist so falsch wie unnötig.

Wer ein wenig in die Geschichte der Baukunst auf dem Lande schaut, wird entdecken, dass Häuser, wie die im Dorf Greste schon klimaneutral gebaut und bewirtschaftet worden sind, als es den Begriff noch gar nicht gab. Klassisch gebaute Fachwerk- oder Lehmhäuser sind auf höchste Energieeffizienz hin gebaut worden. Ofenanlagen wurden mit nachwachsendem und nicht anders zu verwendendem Holz betrieben. Das Vieh im Haus sorgte im Winter für Wärme. Das Stroh auf den Böden und auch auf den Dächern hielt die Wärme im Haus. Der Lehm in den Wänden und der dampfdurchlässige Anstrich außen brachten im Sommer wie im Winter ein sehr brauchbares Raumklima mit.

Als in der Nachkriegszeit versucht worden ist, diese Häuser zu modernisieren, sind alle diese energieeffizienten Eigenschaften zunichte gemacht worden. Statt Stroh kamen Dachziegel auf das Dach, die die Wärme ungehindert nach außen strömen ließen. War dann auch das Stroh vom Dachboden geräumt, wurde es richtig kalt in der guten Stube. Dem versuchte man mit modernen Heizungen, dichtschließenden Fenstern und Dämmmaterialien entgegenzuwirken. Mit dem Ergebnis, dass in vielen dieser Häuser die Bausubstanz unrettbar verrottete, weil die Feuchtigkeit nicht mehr entweichen konnte. Ersetzt wurden die oft Jahrhunderte alten Häuser dann durch moderne Einfamiliengebäude, die auf fossile Heizmittel angewiesen sind und deren Baumaterial kaum klimaneutral hergestellt werden kann.


Wären diese alten Häuser erhalten geblieben und unter den Gesichtspunkten historisch und vor allem bauphysikalisch zielführend modernisiert worden, wären sie jetzt schon auch ohne großflächige Solaranlagen klimaneutral. Historische Bausubstanz wird ja nicht nur aus ästhetischen Gründen erhalten. Sie wird auch erhalten, um daran zu lernen, wie die Menschen früher Probleme gelöst haben. Historische Fachwerkgebäude können schon heute mit weitgehend natürlichen und klimaneutral erzeugten Baumaterialien erhalten und zur Klimaneutralität hin modernisiert und bewirtschaftet werden – auch ohne feigenblattähnlicher Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Denkmalschutz ist kein Feind und Verhinderer des Klimaschutzes, ganz im Gegenteil. Gut gemachter und vom Ende gedachter Denkmalschutz kann Ideen für modernes, klimaschützendes Bauen bereitstellen. Die Grünen sollten also nicht für eine Aufhebung des Denkmalschutzes plädieren, sondern für dessen Stärkung hin zu einer wiederbelebten und zugleich modernisierten Bauweise, die über viele Jahrhunderte gezeigt hat, dass sie klimaneutral, nachhaltig und energieeffizient funktioniert. Kluge Architekten wissen das. Sie modernisieren alte, denkmalgeschützte Bausubstanz in diesem Sinne. Und sie werden solche Häuser in der Brunsheide verwirklichen wollen.