Sei kein schlechter Verlierer

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Tipps von Leos Kino: Filme über Menschen, die nicht mit Niederlagen umgehen können

Von Ulrich Schumann

Dass Wahlverlierer nicht wahrhaben wollen, dass sie verloren haben und sich mit Händen, Füßen und der Restmenge verbliebener politischer Macht gegen die Realität stemmen –  das ist historisch wie auch aktuell politisch ein Thema.  Auch das Kino verhandelt das Erlebnis des Verlusts und die hohe Kunst des Umgangs damit immer wieder. Leos Kino hat einige sehenswerte Filme zum Thema in seinem monatlichen Filmtipp zusammengestellt.

Die Grube (Lettland 2019)

Die Umstellung fällt ihm schwer: Der zehnjährige Markuss hat seinen Vater verloren und muss aus der Großstadt Riga in ein kleines lettisches Dorf zu seiner Oma ziehen. Markuss ist darüber so frustiert, dass er die kleine Emilija in eine Grube stößt, aus der sie so schnell nicht herauskommt. Obwohl Emilija nicht zu Schaden kommt, ist Markuss isoliert. Auf Streifzügen durch die lettischen Wälder lernt er einen Mann kennen, der in einer Scheune ein Glasfenster zusammensetzt. Der Junge ist begeistert von dem alten Handwerk. Regisseurin Dace Puce erzählt in magischen Bildern eine Geschichte von einem jungen Menschen, der es schafft, seinen Frust in Kreativität zu verwandeln. Einfühlsam und faszinierend!

läuft bis zum 22.11.21 in der NDR-Mediathek

der Trailer auf YouTube

Weißer, weißer Tag (Island 2019)

Einst war Ingimundur Polizeichef einer kleinen isländischen Gemeinde, dann verlor er seine Frau bei einem Autounfall. Nun kann er nicht mehr arbeiten, kümmert sich stattdessen rührend um seine Enkelin und findet eines Tages heraus: Seine Frau hat ihn betrogen! Für den wortkargen Mann ist das zu viel. Ingimundur rastet aus. Kann die Enkelin ihren Großvater beruhigen? Es ist atemberaubend zu sehen, wie Regissuer Hlynur Palmasson die Topograhie Islands als Seelenlandschaft einsetzt. Und es ist beeindruckend, wie Ingvar Sigurdsson, der große alte Mann des isländischen Schauspiels, den trauerenden Witwer gibt – harter Schale, noch härterer Kern!

läuft bis zum 24.11.21 in der NDR-Mediathek

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A Ghost Story (USA 2017)

Noch ein Verlust durch einen Autounfall: Musiker C (Casey Affleck) stirbt dabei auf tragische Weise, doch plötzlich, erhebt sich der tote C, wirft sich ein Bettlaken mit zwei Gucklöchern über und kehrt nach Hause zurück. Andere können ihn nun nicht mehr wahrnehmen. Die Jahre vergehen, Cs Ehefrau trauert, verliebt sich neu, zieht fort. C bleibt als Gespenst an das Haus gebunden, selbst als es abgerissen wird und ein Hochhaus entsteht. In extrem langen Einstellungen inszeniert David Lowery einen großartigen Film über die Unfähigkeit, loslassen zu können. Eine wunderbare Reflexion über die Relativität der Zeit und den damit verbundenen Schrecken. Und wir Zuschauer wünschen C, dem Gespenst, ein wenig mehr vom kleinen Markuss aus „Die Grube“: hier überwindet jemand den Verlust und fängt neu an. Und das ist vielleicht die beste Lösung, wenn man etwas oder jemanden verloren hat.

Der Film ist bei den meisten gängigen Streaming-Diensten sowie auf DVD und Blu-Ray erhältlich.

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