
Mads ab!
Von Ulrich Schumann
Für alle, die vor der Weihnachts-Harmonie flüchten wollen: „Therapie für Wikinger“ ist der schrägste Film des Jahres / ab 25. Dezember 2025 im Kino
Weihnachten wird anders! Wer an den Feiertagen ins Kino geht und singenden Hexen oder abmagerten Schlümpfen in Feuer und Asche entgehen will, ist bei „Therapie für Wikinger“ genau richtig. Pünktlich zum Fest der Liebe zündet Anders Thomas Jensen ein rabenschwarzes und makabres Feuerwerk – und liefert eine zutiefst menschliche Botschaft. Herrlich! Und Mads Mikkelsen toppt mal wieder alles.
Um es gleich zu sagen: es wird Kinogänger geben, denen sich die Filmwelten von Anders Thomas Jensen nie erschließen werden. Man muss das Makabere, Geschmacklose und Übertriebene mögen, das Groteske und Absurde. Jensens Filme sind durchweg Geschmackssache. Glücklicherweise gibt es aber eine große Fangemeinde, die seit „Adams Äpfel“ jeden Streich Jensens verfolgt und feiert. Bei einer Vorpremiere in Braunschweig merkt man: wir werden auch diesmal nicht enttäuscht.
Die Handlung ist wie immer Nebensache: Anker muss wegen eines Raubs mit Todesfolge ins Gefängnis und wird nach 15 Jahren entlassen. Nur sein Bruder Manfred weiß, wo das Geld aus dem Überfall versteckt ist. Doch Manfred erinnert sich nur verschwommen. Er lebt in seiner eigenen Welt und hält sich für John Lennon. Die Brüder kehren in ihr ehemaliges Elternhaus zurück und treffen dort auf weitere skurrile Personen. Vor allem Psychiater Lothar glaubt eine Lösung zu haben. Er gründet eine Band mit weiteren Patienten, die sich für einen Beatle halten. Das Chaos wird unendlich.
Filme von Anders Thomas Jensen sind wie ein Familientreffen. Eine ganze Reihe von dänischen Schauspielkapazitäten trifft sich alle paar Jahre, um sich unter Jensens Regie auszupowern. Keine Jensen-Komödie ohne Nikolai Lie Kaas (Anker) oder Nicolas Bro (hier als Flemming, der zu irren Gewaltausbrüchen neigt). Natürlich sind Sören Malling und Sofie Grabol mit dabei, die wie in Deutschland als Kommissarin Lund kennen. Mads Mikkelsen aber gibt den Manfred / John Lennon vollkommen entfesselt. Und wenn die angebliche Beatles-Reunion mit einem wilden ABBA-Medley endet, tobt der ganze Saal.
Sinnlose Gewaltausbrüche, literweise Theaterblut und absurdes Chaos – das ist in „Therapie für Wikinger“ an der Tagesordnung. Doch nur Anders Thomas Jensen weiß den schmalen Grat zur Ernsthaftigkeit zu wahren. Warum das witzig ist? Weil der Regisseur so dermaßen übertreibt, dass jedem Vergleich zur Realität der Boden entzogen wird, weil man die große Ironie des Films gar nicht verkennen kann und weil die Botschaft des Films unfassbar tief und menschlich ist. Und auch das macht einen Film von Abdres Thomas Jensen aus.
„Therapie für Wikinger“ ist ab dem 25. Dezember 2025 in den Kinos zu sehen.



