
Wirtschaftlicher Klimaschutz
Debattenbeiträge geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder
Von Thomas Dohna
Eine Fraktion im Gemeinderat will, dass die Gemeinde ihre Klimaschutzziele aufgibt. Damit könne Geld gespart werden. Zugleich beantragt sie, dass die Gemeinde immer die kostengünstigste und wirtschaftlichste Lösung beim Einbau neuer Heizungen berücksichtigt.
Die erste Idee ist reaktionär. Sie negiert wissenschaftliche Erkenntnisse. Hinter der Idee verbirgt sich der Glaube, dass die Lebensverhältnisse auf der Erde endlos belastbar seien. Das sind sie nicht. Das ist inzwischen Allgemeinwissen. Nur noch Ignoranten bestreiten das – oder gewissenlose Profitgeier.
Die zweite Idee ist gut. Diese Lösung ist sogar vorgeschrieben, denn mit Steuergeld soll sorgsam umgegangen werden. Die wirtschaftlichste Lösung bei Heizungsanlagen ist die Wärmepumpe. Das ist ebenfalls unumstritten, jedenfalls bei Fachleuten und bei Menschen, die rechnen können und sich mit Physik auskennen.
Darauf hätte die Verwaltung bei der Neubeschaffung der Heizung für das Sporthaus des TuS Asemissen auch kommen können. Das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF), das nun seit 2008 angewendet wird und damit so gar nicht so neu mehr ist, sieht explizit vor, dass bei Investitionen über die Laufzeit hinweg auch die Folgekosten berücksichtigt werden müssen.
Das macht jeder Unternehmer. „Lohnt sich die neue Maschine?“, fragt er sich und fängt an zu rechnen. Genauso macht er es bei einer neuen Heizung. Der Unternehmer weiß, dass die Heizung etwa 30 Jahre halten muss. Der nimmt die Investitionskosten und legt die per Abschreibungen auf die 30 Jahre um. Und er betrachtet die Unterhalts- und Betriebskosten. Bei Letzteren weiß der Unternehmer spätestens seit dem Krieg der USA gegen den Iran und der Sperrung der Straße von Hormuz, dass gewisse Abhängigkeiten sehr teuer werden können.
Am Ende der Abwägungen wird der Unternehmer wie viele Privatleute im Land sich für eine Wärmepumpe entscheiden. Wenn die gut ausgelegt ist, erzeugt sie aus einer Kilowattstunde Strom drei bis fünf Kilowattstunden Wärme – weil die Pumpe die Umgebungswärme nutzt. Aus einer Kilowattstunde Gas wird wegen der Wirkungsgradverluste immer weniger als ein Kilowatt Wärme erzeugt, weil die Gasheizung nur die Energie nutzt, die im Gas enthalten ist. Das ist Physik. Die folgt weder Parteiprogrammen noch irgendeiner Ideologie.
Um die zweite Idee richtig gut zu machen, müsste sie explizit die Folgekosten in den Blick nehmen und den Einbau fossiler Heizungen in Zukunft ablehnen. Da in dieser Fraktion Unternehmer die Mehrheit stellen, dürfte das selbstverständlich sein. Man darf ja noch hoffen.



