Fast sechs Jahre

Der Skate-Park "Awake Asphalt" ist eröffnet. Foto: Gemeinde Leopoldshöhe
Der Skate-Park “Awake Asphalt” ist eröffnet. Foto: Gemeinde Leopoldshöhe

Skateanlage auf dem alten Sportplatz in Greste geöffnet

Greste (ted). Als die beiden jungen Männer Robin Nickel und Marc Wilms im August 2020 ihre Idee im Sportausschuss des Gemeinderates vorstellten, glaubten viele, der Skatepark können rasch umgesetzt werden. Fast sechs Jahre hat es dann doch gedauert.

Berthold Dück, damals für die SPD im Gemeinderat, hatte in der Sitzung daran erinnert, dass es eine ähnliche Initiative schon 2010 gegeben habe. Damals war eine bestehende Halfpipe auf der Fläche der heutigen Mensa des Schulzentrums wegen des Baus der Mensa weggefallen. Die Gemeinde hatte versprochen, sie andernorts wieder aufzubauen, was nie geschehen ist.  

Robin Nickel und Marc Willms hatten konkrete Vorstellungen, wie ein solcher Park aussehen soll und wo er aufgebaut werden könnte. Sie hatten sich bei den Jugendlichen in Greste und Asemisssen umgehört, 72 Unterschriften gesammelt und eine Instagram-Gruppe ins Leben gerufen, die bis heute besteht. Einen Film übers Skaten in Asemissen hatten sie gedreht und eine Präsentation zusammengestellt. Das Familienservicebüro unterstützte die Jugendlichen.

Die Jugendlichen hatten sich nach möglichen Standorten umgesehen. In Asemissen fanden sie eine Fläche, die allerdings für zukünftige Erweiterungen eines Leopoldshöher Industriegebietes vorgesehen ist. Der zweite von den Jugendlichen vorgeschlagene Standort war eine Brachfläche am Platz des TuS Asemissen. Den dritten mögliche Standort sahen die Jugendlichen auf dem alten Gerster Sportplatz an der Dorfstraße.

Der Sportausschuss der Gemeinde befürwortete den Antrag und setzte eine Arbeitsgruppe ein, die nach einem Standort suchen sollte. Die kam nach einem Jahr wie die Jugendlichen auf den Grester Sportplatz.

Robin Nickel und Marc Willms sind die Sprecher einer Skater-Community in Asemissen und Greste. Sie wollen einen Skater-Park bauen und suchen die Hilfe der Gemeinde und der von Sponsoren. Archivfoto (2020): Thomas Dohna
Robin Nickel und Marc Willms sind die Sprecher einer Skater-Community in Asemissen und Greste. Sie wollen einen Skater-Park bauen und suchen die Hilfe der Gemeinde und der von Sponsoren. Archivfoto (2020): Thomas Dohna

Gegen diesen Standort richtete sich Protest von Anwohnern. Nach Gesprächen zwischen den Jugendlichen und den Anwohnern unmittelbar nach der Sitzung wandelte sich das Bild. Die Anwohner akzeptierten den Skatepark und entwickelten zusammen mit der Gemeindeverwaltung weitere Ideen für den ehemaligen Sportplatz. Ein inzwischen angepflanzter Tiny-Forrest sollte dort entstehen.

Nachdem die Gemeinde einen Bauantrag für den Sportplatz Geste gestellt hatte, forderte der Kreis Lippe ein Bodengutachten an. Der Gutachter stellte eine Dioxinbelastung der Fläche fest. In den 1960er Jahre war der Platz mit sogenanntem Kieselrot belegt worden, eine Schlacke aus einer besonderen Form der Kupfergewinnung. Die war schon in den 1930er Jahre als so gefährlich für die Gesundheit von Mensch und Natur angesehen worden, dass sie verboten wurde. Die Schlacke ist in den 1950er bis in die 1970er Jahre von einer Baufirma bundesweit an Kommunen und Sportstättenbauer verkauft worden.

Der Sportplatz in Geste musste wegen einer Dioxin-Belastung saniert werden. Archivfoto: Thomas Dohna
Der Sportplatz in Geste musste wegen einer Dioxin-Belastung saniert werden. Archivfoto: Thomas Dohna

In den 1990er Jahren entdeckten Bremer Umweltforscher die zum Teil erhebliche Dioxin-Belastung der Schlacke. Dioxine gelten als Nervengift. Die meisten Kommunen tauschten in den folgenden Jahren die Oberflächen der Plätze aus, Leopoldshöhe nicht. Die Gemeinde belegte den Platz mit ungefährlicheren Stoffen.

Der Bodengutachter stellte damals für den Sportplatz Greste eine über den erlaubten Grenzwerten liegende Dioxin-Belastung fest. Die Gemeinde sperrte den Platz und beantragte Fördermittel für die Sanierung. Die ließen auf sich warten.

Übergangsweise durften die Jugendlichen die inzwischen während eines „Work-Camps“ auf einem Firmengelände in Nienhagen gebauten Skate-Geräte auf einem Parkplatz an der Industriestraße in Greste aufstellen. An dem Camp hatten sich mehr als 50 junge Menschen beteiligt. Dabei entstanden unter anderem eine „Mini-Ramp“, eine „Quarterpipe“, ein „Hausdach-Kicker“, ein „Hausdach Curb-Cut“, eine „Bank“ sowie ein „Curb“.

Nico Klippstein probiert die neue Skaterrampe gleich aus. Foto: Thomas Dohna
Nico Klippstein probiert die neue Skaterrampe aus. Er war Teilnehmer des Workcamps, während dessen die Geräte für den Skate-Park gebaut worden sind. Archivfoto: Thomas Dohna

Der damalige Ausschussvorsitzende Klaus Fiedler versprach, dass es nach der Fertigstellung des Sportplatzes Greste einen Umzug dorthin und eine große Einweihungsfeier geben werde. Jetzt hat die Gemeindeverwaltung den Platz als eröffnet erklärt, ohne „große Einweihungsfeier“.

Der Skatepark an der Dorfstraße in Greste ist vom Lehagenweg aus zu erreichen. Die Skater haben ihn „Awake Asphalt“ genannt.

Instagram-Auftritt der Skater

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