
Internationales Forscherteam untersucht Wallburg auf dem Piepenkopf
Dörentrup. Ein Sommer ohne Grabungen mit den Partnern von der Cardiff University? Das können sich die Kolleginnen und Kollegen im Lippischen Landesmuseum gar nicht mehr vorstellen. Seit 2017 läuft das internationale Projekt zur archäologischen Untersuchung prähistorischer Wallburgen in Lippe, und auch 2026 haben Archäologinnen und Archäologen sowie Studentinnen und Studenten aus Wales und Norwegen wieder ihr Quartier in der Burg Sternberg bezogen, um täglich zu graben.
Im Mittelpunkt steht die Anlage auf dem Piepenkopf. Ziel ist es, Aufbau, Infrastruktur und Bedeutung der Wallburgen für die eisenzeitlichen Menschen, etwa drittes bis erstes Jahrhundert v.Chr. im heutigen Lippe zu entschlüsseln.
„Bei den Arbeiten legen wir Strukturen unterhalb des steinernen Tores der Wallburg, die möglicherweise Teil einer früheren Bauphase sind, frei und erfassen auch Bereiche der Innenbebauung“, erläutert Elke Treude, Bodendenkmalpflegerin im Kreis Lippe und stellvertretende Leiterin des Lippischen Landesmuseums.
Keramikfunde zeugen vom eisenzeitlichen Alltag innerhalb der Wallanlage, doch auch eine 25 bis 30 Zenitimeter hohe Schicht schwarzer Holzkohle hat es den Forschern angetan: „Sie deutet darauf hin, dass die Wallburg vermutlich gegen 250 v.Chr. ein größeres Schadensfeuer erlebt hat und Teile der Befestigung zerstört wurden“, sagt Archäologe Ian Dennis von der Cardiff University.
Die Cardiff University nutzt das Ausgrabungsprojekt für die Ausbildung ihrer Studentinnen und Studenten, die im Rahmen ihres Studiums das Grabungshandwerk erlernen. Das Lippische Landesmuseum und die Universität freuen sich, dass dieses Projekt nun schon viele Jahre läuft: „Archäologische Forschung ist grundsätzlich ein internationales Anliegen und fördert Freundschaften über Grenzen hinweg“, ist Treude überzeugt. „Die Kooperation gibt dem Lippischen Landesmuseum die Möglichkeit, im Rahmen unseres Forschungsschwerpunktes zur vorrömischen Eisenzeit wichtige Fragen zu klären. Außerdem droht durch Umwelteinflüsse und Raubgräberei die undokumentierte Zerstörung archäologischer Stätten in Lippe. Grabungen wie hier am Piepenkopf können historisch-archäologische Informationen sichern.“
Auch für den Landesverband Lippe hat das Forschungsprojekt große Bedeutung: „Die lippischen Wallburgen sind im Kontext anderer Wallburgen zum Beispiel in Frankreich, Italien oder Großbritannien ein interessantes Forschungsgebiet, aus dem wir viel über die europäische Geschichte lernen können, aber auch über unsere eigene, spezifisch lippische“, betont Arne Brand, Allgemeiner Vertreter des Verbandsvorstehers. „Wir unterstützen unser Lippisches Landesmuseum deshalb gern bei diesem Projekt und stellen dem Team aus Cardiff die Unterburg der Burg Sternberg kostenfrei als Quartier zur Verfügung.“
In diesem Jahr erhält das Projekt wichtige Unterstützung vom Kreis Lippe, der großzügig ein Fahrzeug für den Transport der Studentinnen und Studenten im Rahmen der diesjährigen Kampagne zur Verfügung stellt. Landrat Meinolf Haase und Verbandsvorsteher Jörg Düning-Gast haben es dem Team zu Beginn der Arbeiten übergeben und sich den Stand der Arbeiten erklären lassen.
Als weiteren, wichtigen Aspekt bietet die Grabung die Möglichkeit, die Arbeit des Lippischen Landesmuseums den Lipperinnen und Lippern vorzustellen: „Wie vergangenes Jahr auch, laden wir zum Tag der offenen Grabung am kommenden Sonntag, 9. August 2026, ein. Von 10 bis 15 Uhr erläutert das gesamte Forschungsteam die Grabungsfelder sowie die Ergebnisse und steht für Fragen bereit.“ Ein Shuttle-Service kann auf Nachfrage ab der Einfahrt zur Maibolte angeboten werden, unter Tel.0171-3072580 oder 0175-6181014.
Hintergrundinformation
Seit 2016 kooperieren das Lippische Landesmuseum Detmold und die Cardiff University (Wales). Koordiniert wird die Zusammenarbeit von Michael Zelle und Elke Treude, beide Lippisches Landesmuseum Detmold. Seit 2017 führen die beiden Partner das gemeinsame Projekt zur Erforschung der lippischen Wallburgen/Wallanlagen aus der Eisenzeit durch.
Bisherige Grabungen sind: Falkenburg (Mittelalterliche Dynastenburg, 2016), Grotenburg und Piepenkopf (Eisenzeitliche Ringwallanlagen, 2017), Grotenburg und Piepenkopf (Eisenzeitliche Ringwallanlagen, 2018), Wallanlage Piepenkopf (2019, 2022 bis 2026). Grabungskampagne in diesem Jahr begann am 17. Juli 2026 und soll am 14. August 2026 enden
Wallanlage Piepenkopf
Der Piepenkopf ist eine der am besten erhaltenen Wallanlagen/Wallburgen im Kreis Lippe. Datiert wird sie nach aktuellem Forschungsstand ins dritte Jahrhundert vor Christus. Projektziel für den Piepenkopf ist eine Funktionsanalyse „Wer lebte hier Wann und Wie?“ Bis 2017 gab es hier nur kleinere Grabungen, vorwiegend im Bereich des Walles, aber keinerlei Untersuchungen der inneren Siedlungsfläche. Durch die bisherigen Grabungen konnten mehrere Dutzend Scherben und Spinnwirtel (Hinweis auf Textilproduktion) gefunden werden. Die Scherben gehörten zu Vorratsgefäßen und auffällig vielen fein gearbeiteten Trinkschalen.




