
Mücken und Elefanten
Wenn aus einem Nachbarschaftsstreit eine Staatsaffäre wird: „Der Affront“ am 31.08. in Leos Kino
Ärgerlich: Yasser bekommt Schmutzwasser aus einem defekten Rohr ab und repariert es kurzerhand – auf seine Art. Hausbesitzer Toni ist das aber keinesfalls recht. Und dann nimmt die Sache ihren Lauf. Der cholerische Toni beleidigt Yasser, dieser wehrt sich mit Fäusten und die Sache landet vor Gericht.
Schnell bewahrheitet sich ein Satz, den Tonis Vater zu seinem Sohn sagt „Was Du gesagt hast, ist inakzeptabel. So fangen Kriege an.“ Und das könnte stimmen. Denn Toni ist Christ, Yasser ein palästinensischer Flüchtling. Wir sind in Beirut, mitten im Libanon. 30 Jahre lang tobte hier ein Bürgerkrieg, 1990 ging er zuende, die Leiden der Bevölkerung sind unerträglich. Alle Beteiligten wurden über eine „General-Amnestie“ freigesprochen. Aufgearbeitet wurden die Grausamkeiten nie, im Streit um Alltäglichkeiten finden sie ein Ventil.
Die Sache zwischen Yasser und Toni landet unter großer medialer Anteilnahme vor Gericht und entwickelt sich zur Staatsaffäre. Aus einer Mücke wird eine ganze Elefantenherde. Am Ende wüten Anhänger beider Seiten in den Straßen Beiruts.
Der libanesische Film von 2018 ist mehr als ein klassischer Gerichtsfilm. Tiefenpsychologisch zeigt er, wie und warum Konflikte eskalieren – gerade im Nahen Osten. Regisseur Ziad Doueiri (Jahrgang 1963) hat dabei das große Trauma des Libanon hautnah miterlebt, bevor er in die USA ging und seine Erfahrungen mit diesem imaginären Fall verarbeitete.
Auf die aktuellen Ereignisse in der Region kann der Film nicht reagieren, er ist acht Jahre alt. Doch auf eigenwillige Art und Weise ist „Der Affront“ doch ein Kommentar zur Lage. Ohne pädagogischen Zeigefinger zeigt der Film die Folgen religiösen Fanatismus, Verallgemeinerungen, pauschalisierenden Vorurteilen und daraus resultierenden Dominoeffekten. Großes Kino.
Leos Kino zeigt „Der Affront“ (Libanon 2018) am Montag, den 31. August (!!) um 19.30 Uhr. Am dritten Montag des Monats gibt es keine Vorstellung. Der Film ist in der Aula der Grundschule Leopoldshöhe-Nord zu sehen (Schulstraße 21). Einlass ist um 19 Uhr. Der Eintritt beträgt fünf Euro.





