
Kein Grund zur Entwarnung
Leopoldshöhe. Bereits zum elften Mal hatte der Nabu NRW zur Teilnahme an der Falterzählaktion „Schmetterlingszeit“ in Nordrhein-Westfalen aufgerufen. Im Zeitraum vom 15. Juni bis 15. Juli 2026 wurden bei bestem Sommerwetter mit 19.053 Faltermeldungen etwas weniger Tag- und Nachtfalter beobachtet als im Vorjahr. Bei den Tagfaltern liegt erneut der Kohlweißling vorn, bei den Nachtfaltern sichert sich das Taubenschwänzchen den ersten Platz. Auffällig war in diesem Jahr der hohe Anteil an gesichteten Faulbaumbläulingen.
Dem Naturschutzbund seien etliche Beobachtungen von Schwalbenschwänzen und Raupenfunde gemeldet, ebenso Faltermeldungen von Widderchen, auch bekannt als Blutströpfchen, telt der Nabu mit.
Die Zählergebnisse sind in erster Linie dem günstigen Wetter während des Beobachtungszeitraums geschuldet. „Bei anhaltend trockenem und sonnigem Sommerwetter waren schlicht viele Falter unterwegs“, erklärt der Falterkenner Hans Dudler. Doch die Zahl der fliegenden Falter hängt nicht allein vom Sommerwetter ab. So profitierte der in diesem Jahr häufiger gemeldete Faulbaumbläuling – im Siedlungsraum meist in der Sammelgruppe der Bläulinge verborgen – von den warmen, blütenreichen Wochen im Frühjahr. „Die Blüten fressenden Raupen fanden in der für sie entscheidenden Entwicklungsphase reichlich Nahrung und konnten dadurch eine individuenstarke Sommergeneration hervorbringen“, betont Dudler weiter.
Ewald Thies vom Nabu Leopoldshöhe fügt hinzu: “Ab dem Frühsommer konnten wir bereits einen bemerkenswert starken Einflug von Distelfaltern und auch Admiralen beobachten”. Diese wanderfreudigen Falter bilden über den Sommer hinweg mehrere Generationen und tauchen vermehrt auch in den Gärten auf. Überhaupt kann man sagen, in diesem Sommer verstärkt feststellen:

Bedingt durch die hohen Temperaturen zeigen die Falter ein unruhiges Flugverhalten, zu beobachten sind, was insbesondere Insektenkenner erfreut, ausgeprägte Wanderungsbewegungen der Schmetterlinge. Was das bedeutet, erklärt Hans Dudler: “Wir sind davon überzeugt, dass im nächsten Jahr hier bei uns bestimmt Arten auftauchen, die selten sind und die wir hier bislang nicht oder kaum zu Gesicht bekamen”.
Weniger positiv fällt dagegen erneut die Bilanz bei den Falterarten Schornsteinfeger und Landkärtchen aus: Beide Arten wurden im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich seltener gemeldet. „Die leichte Erholung, die wir im vergangenen Jahr nach zwei feuchteren Sommern beobachten konnten, war leider nur von kurzer Dauer“, so Dudler.

„Diese Arten leiden besonders unter trockenen Sommern. Ein positiver Trend einzelner Arten innerhalb eines Jahres ist also noch lange kein Grund zur Entwarnung“, hebt Insektenkenner Dudler hervor.
Denn die entscheidenden Weichen für den Erhalt der Artenvielfalt müssen weiterhin in unserer Kulturlandschaft gestellt werden. Zwar leisten naturnahe Gärten als grüne Inseln im Siedlungsraum einen wichtigen Beitrag und städtisches Grün gewinnt darüber hinaus als Trittsteinbiotop zwischen isolierten Lebensräumen zunehmend an Bedeutung. Doch für eine nachhaltige Verbesserung der Situation heimischer Schmetterlinge – und der Insekten insgesamt – wird vor allem die zukünftige Wiederherstellung wertvoller Lebensräume im Rahmen der Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung entscheidend sein.
Die Ergebnisse der Zählaktion im Detail
Den ersten Platz belegen erneut wenig überraschend wie im letzten Jahr die Weißlinge mit rund 3.989 Meldungen. Das Tagpfauenauge steht ebenso wie im letzten Jahr auf Platz 2 mit 1.583 Meldungen. Platz 3 belegt das Großes Ochsenauge mit 1.018 Zählungen. Die Bläulinge (862), der Admiral (824) und der Zitronenfalter (747) liegen dicht beieinander auf den Plätzen 5,6 und 7 hinter dem Taubenschwänzchen, dem meist gesichteten tagaktiven Nachtfalter. Zu den weiteren noch häufiger gesichteten Tagfaltern gehören der Kleine Fuchs (499), der im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich häufiger gesichtete Distelfalter (482) und der Schornsteinfeger mit 479 Zählungen. Weiter abgeschlagen folgen der C-Falter (219) und das Landkärtchen (132).
Zu den sechs zur Beobachtung vorgeschlagenen Nachtfalter-Arten liegt das Taubenschwänzchen mit 905 Zählungen weit vorne auf Platz 1. Mit einigem Abstand folgt die Gammaeule mit 460 Zählungen auf Platz 2. Auf Platz 3 befindet sich der Weiße Hartheuspanner mit 62 Meldungen, dicht gefolgt vom Ockergelber Blattspanner mit 40 Meldungen. Das Gemeine Blutströpfchen (26) und der Ampferspanner (1) gehören ebenfalls zu den gezählten Nachtfaltern.
Falter fördern vor der eigenen Haustür
Wer nun Schmetterlingen helfen möchte, kann direkt im eigenen Umfeld aktiv werden. Das Projekt „Mehr gArtenvielfalt in NRW“ unterstützt Bürgerinnen und Bürger dabei, ihre Gärten, Balkone oder öffentlichen Grünflächen naturnäher und falterfreundlicher zu gestalten. Erste praktische Tipps gibt es unter http://www.mehrgartenvielfalt.de. Dort findet sich eine umfangreiche Informationsplattform rund um naturnahe Gestaltungsmöglichkeiten. Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.





