
175 Jahre Kirche am Marktplatz
Leopoldshöhe (ED). Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Leopoldshöhe feiert in einem Festgottesdienst am 11. Oktober 2026 um 15 Uhr das 175-jährige Bestehen. Ohne die Kirche gäbe es die heutige Gemeinde Leopoldshöhe nicht.
Im ausgehenden 18. Jahrhundert gab es Kirchen in Schötmar, Oerlinghausen, Lage und Heepen. Die Gegend um das heutige Leopoldshöhe war überwiegend mit Bauernhöfen besiedelt. Die Menschen mussten zum Teil stundenlange Fußmärsche auf sich nehmen, um am Sonntag zum Gottesdienst in eine der Kirchen zu gelangen.
Die Dorfschaften Bechterdissen, Döldissen, Milse, Evenhausen, Krentruperhagen, Heipke, Bexterhagen, Nienhagen, Ehrdissen, Schuckenbaum und Hovedissen wandten sich im Aprill 1777 an den Grafen Simon August zu Lippe mit der Bitte um ein neues Kirchgebäude. Damals wie heute waren die zu erwartenden Kosten ein Verzögerungsgrund. Hinzu kam, dass man sich nicht einig war, wo genau das neue Kirchgebäude stehen sollte. Auch waren die umliegenden Kirchengemeinden nicht erfreut angesichts der zu erwartenden Gemeindeglieder-Abgänge, was sich nicht nur beim sonntäglichen Gottesdienst bemerkbar machen würde, sondern auch im Geldbeutel.
Der Bau

Erst im August 1835 verfasst der damalige Schullehrer Lüdeking eine Bitte an das hochfürstliche Konsortium. Gutachten, damals wie heute, wurden erstellt mit dem Ergebnis, dass ein neues Kirchengebäude nötig sei und gebaut werden solle.
Es wurde eine Baukommission gebildet und, damals wie heute, Geld gesammelt für den Bau. Gebaut werden sollte am Schnittpunkt der Wege von Schötmar nach Oerlinghausen und von Lage nach Heepen. Der Baumeister Ferdinand Ludwig August Merckel wurde mit der Planung und Durchführung beauftragt. Im Beisein von Fürst Leopold wurde am 21. Mai 1850 der Grundstein für die Kirche gelegt. Als Geschenk soll der Fürst das Abendmahlsgeschirr überreicht haben, das noch heute Verwendung findet.

Nach dem Vorbild der Leopoldshöher Kirche baute Merckel mit kleinen Abwandlungen vier weitere Kirchen in Lippe: Die Kirche in Bega 1863, die Kirche in Almena 1865, die Kirche in Augustdorf 1875/76 und die Kirche in Schlangen 1877/78. Der viereckige Turm wurde mit in den Grundriss eingeschlossen und endete in einer achteckigen Turmspitze, die mit Schiefer gedeckt wurde. Der Turm ist das höchste Gebäude in Leopoldshöhe und misst bis zur Turmspitze 36, 71 Meter.
In den Turm eingearbeitet ist die Uhr, die von allen Himmelsrichtungen her zu sehen ist und die einen Durchmesser von 1, 50 Metern hat. Auf der Turmspitze ist eine große vergoldete Kugel weithin sichtbar. In ihr sollen sich Dokumente befinden. Darüber erhebt sich ein Kreuz von 3, 20 Metern Höhe und den Abschluss bildet der 37 Zentimeter große Hahn.
Die Glocken

Im Turm hingen bis zum Jahr 1917 zwei Bronzeglocken. Sie erklangen zum ersten Mal, per Hand an langen Seilen gezogen, am Tag der Einweihung am 12. Oktober 1851 und wurden von der Glockengießerei Lohmeier aus Gütersloh hergestellt. Die größere der beiden wog 13 Zentner und trug die Inschrift „Gott allein die Ehre“, die kleinere wog 7,5 Zentner. Auf ihr war die Inschrift „Eintracht und Liebe“ zu lesen. Geläutet wurde früher zu vielen Anlässen. Alte Leopoldshöher hätten sich noch erinnert, dass ganze Schulklassen zum Läuten abkommandiert worden seien, schreibt Burghard Meier in seiner Chronik.

Die große Glocke wurde im ersten Weltkrieg konfisziert, die kleine durfte auf Antrag des Kirchenvorstandes in der Kirche verbleiben. Nach dem Krieg beschloss der Kirchenvorstand den Kauf von drei neuen Stahlglocken aus Bochum, die Anfang 1924 in Leopoldshöhe eintrafen. Die übriggebliebene alte Glocke wurde nach Lockhausen verkauft.
Die Glocken werden seit 1961 nicht mehr mit der Hand geläutet, sondern zunächst elektrisch und seit 1976 auch automatisch gesteuert. Geläutet werden die mittlere und die kleine Glocke zu fröhlichen Anlässen, die mittlere und die große Glocke zu traurigen Anlässen und die kleine Glocke allein zu Andachten.

Die große Glocke hat einen Durchmesser von 1,38 Metern und mit 1.128,5 Kilogramm das Gewicht eines Kleinwagens. Die mittlere Glocke wiegt 626, 5 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 1,17 Metern und die kleine Glocke ist dagegen ein Leichtgewicht von nur 453 Kilogramm bei einem Durchmesser von 1,06 Metern.
Die Orgel
Die zunächst zu kleine Orgel, die der Orgelbauer Kummer aus Minden geliefert hatte, und die, so wird erzählt, bei lautem Gesang nicht mehr zu hören gewesen sei, wurde zum 50-jährigen Bestehen der Kirche vergößert. Ihr heutiges Gesicht hat die Orgel in den Jahren 1954/55 erhalten. Verantwortlich war die Firma Steinmann in Vlotho, die auch heute noch die regelmäßig nötigen Renovierungs- und Pflegearbeiten übernimmt.

Die Orgel hat heute 24 Register, insgesamt 1.300 Pfeifen, von denen 232 aus Holz gefertigt sind und die übrigen aus Zinn.
Die Kronleuchter

Früher war es in der Kirche dunkel, es gab keine Möglichkeit, den Innenraum zu beleuchten. Die ersten Kirchenkronleuchter wurden etwa 30 Jahre nach dem Bau der Kirche gekauft: zwei Kirchenkronleuchter für 20 und 16 Kerzen und fünf Wandleuchter für vier und drei Kerzen, dazu 15 Bronzekugeln. Heute gibt es in der Kirche eine elektrische Beleuchtung. Die verbliebenen Kronleuchter hingen zunächst nur noch zur Zierde, werden aber seit 1976 anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Kirche bei besonderen Anlässen wieder zum Leuchten gebracht.
Eine Heizung ließ die Kirchengemeinde erstmals 1896 installieren, 1899 kam die Empore hinzu und vergrößerte die Anzahl der Sitzplätze auf 900. Der ersten großen Innenrenovierung im Jahr 1926 folgten weitere in den Jahren 1957/58 und 1982 und zuletzt im vergangenen Jahr. 1951 bekam die Kirche ein erneuertes Dach. Seit dem 11. April 1983 steht die Leopoldshöher Kirche unter Denkmalschutz.





