
“Schöne Schurk:innen”
Von Ulrich Schumann
Das Bielefelder „Film- und Musikfest“ präsentiert zum 36. Mal Stummfilm-Klassiker in Bielefeld / ein Tipp von Leos Kino
Stummfilme sind gerade so angesagt wie selten. In diesem Sommer meldete das renommierte Bonner Stummfilmfest einen Besucherrekord und auch bei den wunderbaren UFA-Filmnächten in Berlin ist man mit der Resonanz sehr zufrieden. Gute Rahmenbedingungen für das fast schon traditionelle „Film- und Musikfest“ in Bielefeld. Vom 23. Oktober 2026 bis zum 8. November 2026 zeigt die Murnaugesellschaft wieder Stummfilme mit Live-Musik. Und 2026 ist das Programm noch spannender als sonst! Das Motto lautet „Schöne Schurk:innen“.
Acht Stummfilm-Konzerte in 16 Tagen können die Ostwestfalen und Lipper in der Rudolf-Oetker-Halle (ROH) und im Lichtwerkkino erleben. Das Programm ist geprägt aus einer Mischung von großen Namen und unbekannten Perlen, die entdeckt werden wollen. Da ist zum Beispiel das recht selten gezeigte Drama „The Man Who Came Back“ (Freitag, 23. Oktober 2026, 20 Uhr, ROH), den das Festival prominent als Eröffnungsfilm platziert.
Berühmter ist da schon „Chigaco“ (Sonntag, 25. Oktober 2026, 17 Uhr, ROH). Unter der Regie des legendären Cecil B. De Mille entstand die Geschichte um die Tänzerin Roxie, die ihren Liebhaber tötet. Roxies Mann nimmt die Tat auf sich, doch der Bezirksstaatsanwalt lässt sich nicht so leicht täuschen. Der Stoff wurde 1975 zum Broadway-Musical und auch die Murnaugesellschaft verspricht einen tollen Abend. Begleitet wird der Film von Axel Goldbeck und seinem „Cinematografischen Ensemble“, bekannt für „Swing, Tempo und Improvisation“, so die Murnau-Gesellschaft.
Auch die kleineren Vorstellungen haben ihren Reiz. Die großartige Greta Garbo ist am Donnerstag, 29. Oktober 2026 im Lichtwerk als Diva zu sehen, der die Männer reihenweise verfallen („The Tempress“, 20 Uhr Lichtwerk). Filmkenner und Stummfilm-Pianist Daniel Kothenschulte begleitet diesen Film am Klavier.
Und dann sind da noch die Special-Interest-Vorstellungen: passend zu Halloween wird der Gruselfilm „The Unknown“ gezeigt ( Samstag, 31. Oktober 2026, 20 Uhr, Lichtwerk) und für die Festival-Besucher von morgen gibt es „Kino für Kurze“ (Sonntag, 8. November 2026,15 Uhr, ROH) mit Kurzfilmen, in denen Stan Laurel, Oliver Hardy und Buster Keaton zu sehen sind.
Ein Werk von Namensgeber Friedrich Wilhelm Murnau gibt es natürlich auch zu erleben: die Aufführung der Komödie von „Tartüff“ (Freitag, 6. November 2026, 20 Uhr, ROH) könnte unvergesslich werden. Der Bielefelder Komponist Bernd Wilden hat zu diesem Film eine neue Musik komponiert, die an diesem Abend als Welturaufführung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird
Obwohl Bielefeld zu den 20 größten deutschen Städten gehört, gibt es hier kein Filmfestival, das die ganze Stadt ergreift, wie es in Osnabrück, Braunschweig, Cottbus oder Lübeck der Fall ist. Das „Film- und Musikfest“ hat 2026 mit seinen „Schönen Schurk:innen“ Potential hierfür. Dass das Team im vergangenen Jahr den deutschen Stummfilmpreis gewonnen hat, ist Beleg genug hierfür.




