
NABU Leopoldshöhe – Naturinfo
von Ewald Thies
Leopoldshöhe. An einem schönen Novembermorgen kann man manchmal denken, es sei Frühjahr: Ein Hausrotschwanz singt sein knarzendes Lied von einer alten Dachantenne, in einer Hecke schmettert ein Zaunkönig eine laute Strophe.
Selbst im tiefsten Winter singt ein Rotkehlchen ausdauernd im Gebüsch nahe der Straßenkreuzung und eine Amsel singt auf dem hell erleuchteten Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz.
Wenn Sie jetzt im November draußen im Garten diesen schönen, feinen Gesang hören, haben Sie gute Chancen, sowohl singenden Herren als auch singenden Damen des Rotkehlchens zu lauschen. Petra Gehle von der Leopoldshöher Nabu-Gruppe gerät ins Schwärmen: “Rotkehlchen sitzen oft im Unterholz und knattern oder keckern, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Sie sind nicht zu überhören, wohltuend ist es, ihren Gesang zu hören”. Bei den meisten Rotkehlchen, die im Winter bei uns sind, handelt es sich allerdings um nordische Gäste, die im Federkleid nicht von heimischen Vögeln zu unterscheiden sind.
Sehr vielseitig ist die Nahrung der Vögel. Bevorzugt werden Insekten gefressen, deren Larven und viele Kerbtiere, die in der Laubstreu gesucht werden. Im Herbst und Winter zählen auch weiche Früchte und Pflanzenteile zum Nahrungsspektrum. Besonders in der kalten Jahreszeit suchen Rotkehlchen gerne auch Futterstellen in Gärten auf.
Auch Nabu-Mitglied Martin Düsterberg hat den sympathischen Vogel in sein Herz geschlossen, er findet: “Das Rotkehlchen ist ein Vogel, der sehr beliebt ist und den viele gerne im Garten haben. Rotkehlchen sehen toll aus mit ihrer orangeroten Brust und Kehle. Ich beobachte das Rotkehlchen gerne am Futterhäuschen /Futterspender oder wenn es bei der Gartenarbeit in der Nähe auf dem Boden herumhüpft – es ist, wie ich finde, ein beliebter Singvogel, den ich, ebenso wie viele andere Singvögel auch, leider nicht mehr so oft wie früher sehe.”
Haben Sie in Ihrem Garten in letzter Zeit ein Rotkehlchen singen gehört oder vielleicht sogar bei der Futtersuche beobachtet? Rotkehlchen sind extreme Frühaufsteher. Sie beginnen oft schon eine Stunde vor Sonnenaufgang – weit vor den meisten anderen Vögeln – zu singen und sind auch abends in der Dämmerung noch lange zu hören.
Die Nabus werden oft gefragt: Stimmt es, dass Rotkehlchen jetzt im November wieder kräftig singen? Und sind es die Männchen oder die Weibchen, die singen? Ja, das stimmt absolut. Das Rotkehlchen singt fast das ganze Jahr hindurch. Als eine der ganz wenigen Vogelarten in Mitteleuropa unterbricht es seinen Gesang lediglich während der Mauserzeit im Hochsommer, meist im Juli und August, für wenige Wochen.
Der typische, oft etwas melancholisch und perlend klingende Gesang des Rotkehlchens ist im Zeitraum Oktober/November wieder sehr häufig zu hören. Nach einer ruhigeren Phase im Spätsommer während der Mauser, dem Federwechsel, werden die Vögel im Herbst und Spätherbst wieder stimmgewaltig.
Wer singt da überhaupt – Männchen oder Weibchen?
Beim Rotkehlchen gibt es eine Besonderheit, die viele überrascht: Sowohl die Männchen als auch die Weibchen singen im Herbst.
Im Sommer leben Rotkehlchen als Paar zusammen. Im Herbst trennen sich ihre Wege jedoch vorübergehend. Sowohl Männchen als auch Weibchen beanspruchen nun ein eigenes, strikt verteidigtes Winterrevier für sich, in dem sie genügend Nahrung wie Insekten, Würmer und Beeren finden.
Mit ihrem lautstarken, oft frühmorgens oder spät abends ertönenden Gesang machen sie Artgenossen unmissverständlich klar: „Dieses Revier ist besetzt, bitte fernbleiben!“ Da beide Geschlechter gleichermaßen ein Revier verteidigen, singen Männchen und Weibchen.
Kleine Unterschiede
Äußerlich sehen sich Männchen und Weibchen zum Verwechseln ähnlich. Auch ihr Gesang klingt sehr ähnlich, allerdings ist der Gesang der Weibchen oft einen Tick leiser und kürzer. Wenn Sie also jetzt im November draußen im Garten diesen schönen, feinen Gesang hören, haben Sie gute Chancen, sowohl singenden Herren als auch singenden Damen des Rotkehlchens zu lauschen.
Rotkehlchen sind extreme Frühaufsteher. Sie beginnen oft schon eine Stunde vor Sonnenaufgang – weit vor den meisten anderen Vögeln – zu singen und sind auch abends in der Dämmerung noch lange zu hören. Der perlende, etwas wehmütige Gesang ist auch im tiefsten Winter zu hören. Da Rotkehlchen wie beschrieben strikte Einzelgänger sind, verteidigen sowohl Männchen als auch Weibchen in der kalten Jahreszeit eigene Nahrungsreviere gegen Konkurrenten.
Warum singen manche Vögel im Herbst und Winter?
Die Ornithologen erklären das so: Dass manche Vögel im Herbst und Winter singen, liegt vor allem an Hormonschwankungen durch die Tageslänge, der Verteidigung von Winterrevieren, dem Sichern von Futterplätzen sowie dem Üben der Gesangskünste. Während der Vogelgesang im Frühling primär der Partnersuche dient, hat er in der kalten Jahreszeit ganz andere, überlebenswichtige Funktionen.






