
NABU-Naturinfo
von Petra Gehle und Ulrike Hoffmann
Leopoldshöhe. Mit achtsamem Blick auf die Grünfläche am Parkplatz neben dem Wichmann-Dentallabor stellen wir erstaunt fest, wie reich sie doch an einheimischen Wildpflanzen ist.
Gerade im Frühling fallen die kleinen, violetten Blüten des Gemeinen Gundermann als Farbtupfer auf, die in Gärten, Wiesen, Wald- und Heckensäumen von etwa 40 Wildbienen-Arten, Hummeln und Bienen besucht werden. Auch Aurora- und Zitronenfalter, Grünader- und Rapsweißlinge saugen gern am Nektar. Ameisen sammeln die Samen und tragen so zur Verbreitung bei. Zu Unrecht wird der Gemeine Gundermann – auch Efeu-Gundelrebe genannt – als Unkraut gesehen. Dabei besitzt er wertvolle Inhaltsstoffe und wurde früher für Küche und Hausapotheke genutzt.
Über 100 Wild-Bienenarten, Honig-Bienen und Hummeln besuchen die intensivgelben Löwenzahn-Blüten, um Nektar als Energiereserve und Pollen für ihre Larven zu sammeln. Stieglitz und Distelfink profitieren von den Samen der „Pusteblumen“. In der Wildkraut-Küche wird der zarte Blattaustrieb als Salat zubereitet und aus den geschlossenen Blütenknospen lässt sich ein Kapernersatz herstellen. Wie andere Wildkräuter auch, diente der Löwenzahn früher als Heilpflanze.

Noch tritt das Kleine Mausohr-Habichtskraut nur mit seinen graufilzig-behaarten Blättern in Erscheinung, die ihm den Beinamen „Mausöhrchen“ gegeben haben. Der hellgelbe Blütenteppich wird dann ab Mai über 30 Wildbienenarten wie Sandbienen, Furchenbienen und Mauerbienen anlocken. Dazu kommen mehr als 20 Schwebfliegen- und mehrere Schmetterlingsarten wie der seltenere Habichtskrautspinner. Bereits Hildegard von Bingen kannte diese Pflanze als Heilkraut.
Seine lanzettartigen Blätter, die mehr als 80 Raupenarten Nahrung bieten, richtet der Spitzwegerich schon früh auf. Man kann sie im Salat verwenden oder zerrieben gegen Mückenstiche nutzen. Sie wirken reizlindernd und sind daher auch vielen Hustentees beigemischt.

Ein langzeitiges Nahrungsangebothalten Gänseblümchen vor, schieben sie doch ihre Blüten von März bis November nach jedem Rasenschnitt neu.
Schon früh im Jahr steht die Purpurrote Taubnessel Hummelköniginnen zur Verfügung. Sie dient insbesondere vielen Eulenfaltern als Raupenfutterpflanze. Über 40 Wildbienenarten sammeln hier Pollen, vor allem Hummeln, Pelzbienen und Mauerbienen, sogar die schwarze Holzbiene. Sie blüht von März bis Oktober. Ameisen verbreiten ihre ölhaltigen Samen.

Des Weiteren finden sich Zeiger magerer Böden wie das gelbe Frühlings-Fingerkraut, Mauerpfeffer und das Quendel-Sandkraut.
Auf offenen Bodenstellen siedeln kleine Ackerbegleitpflanzen, die hier Ersatzlebensräume gefunden haben, so Acker-Stiefmütterchen, Acker-Frauenmantel, Acker-Ehrenpreis und Persischer Ehrenpreis. Hinzu kommen Hornkrautarten, Kriechender Hahnenfuß, Weißklee und Zwerg-Storchschnabel.
Wer hätte gedacht, dass wir auf diesem unscheinbaren Rasenstück mindestens 18 verschiedene einheimische Wildpflanzen zählen konnten, gelten doch Mährasen gemeinhin als artenarm.

Arten der Kurzschnittrasen sind an den regelmäßigen Schnitt angepasst! Ihr teppichartiger Wuchs schützt sie vor den Messern des Rasenmähers, gleichzeitig entwickeln sie ständig neue Blüten. Ungedüngte Scherrasen, die gern betreten und bespielt werden dürfen, können daher neben einem reichhaltigen Nahrungsangebot das ganze Jahr über attraktive Blühaspekte bieten.
Dazu braucht es keine Samenmischungen
Kleine offene Bodenstellen werden gern spontan von standortangepassten Wildpflanzen besiedelt und mit ihnen kommen die dazugehörigen Insekten und Kleinstlebewesen. Da diese Lebensgemeinschaft licht- und wärmeliebend ist, sollte nicht gemulcht und das Mähgut stets abgeräumt werden. Mähroboter sind nicht nur für Igel, sondern auch für naturliebende Gartenbesitzer eine schlechte Wahl.



