Leopoldshöher Nachrichten

Bunte Stauden an Gewässern

Blütenreiche Hochstaudenflur. Foto: NABU Leopoldshöhe/Ewald Thies

Feuchte Hochstaudenfluren bieten Insekten und Vögeln Raum

Leopoldshöhe. An den Ufern von Gewässern und an Waldrändern können sich Streifen mit einer ausgeprägten Pflanzendecke ausbilden, teilt der Naturschutzbund Lippe mit. Voraussetzung ist, dass der Lebensraum durch den Menschen nicht oder nur sehr sporadisch durch einmalige Mahd genutzt wird. Diese Hochstaudenfluren bestehen aus Pflanzen, die mehrere Jahre leben, aber nicht verholzen. Sie sind je nach Standort recht vielgestaltig und zeichnen sich alle durch erhöhten Nährstoffbedingungen des Wuchsstandortes aus.

Hochstaudenflur an der Bega. Foto: NABU Leopoldshöhe/Ewald Thies

Kennzeichnende Pflanzen von feuchten Hochstaudenfluren an Gewässerufern und Waldrändern sind zum Beispiel das weiß blühende Mädesüß (Filipendula ulmaria), Echter Baldrian (Valeriana officinalis, oder das rosa blühende Behaarte Weidenröschen (Epilobium hirsutum). Je nach Standort und Region können jedoch sehr viele unterschiedliche Pflanzenarten in unterschiedlichen Kombinationen, sogenannten Pflanzengesellschaften, auftreten, so dass es schwierig ist, alle typischen Arten zu nennen. Auftreten können zum Beispiel die Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica), Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum), Beinwell (Symphytum officinale), Sumpfkratzdiestel (Cirsium palustre), Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre), Gundermann (Glechoma hederacea), Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) oder Pestwurz (Petasites hybridus) und viele weitere Arten.

Im Hochsommer kann dieser Lebensraum mitunter durch leuchtende Blüten, besonders in den Farben Lila, Gelb und Weiß auffallen. Eine besonders farbenprächtige Form dieser Hochstaudenfluren ist die Himmelsleiterflur. Markantes Merkmal all dieser Ausprägungen ist, dass die Lebensräume kaum durch den Menschen genutzt werden und sich dadurch diese mehrjährigen Pflanzenarten mit ihrem Blütenreichtum erhalten können. Der Standort bedingt, dass die Nährstoffbedingungen günstig sind, so dass es in der Regel zu einem sehr üppigen Wuchs kommt.


Die feuchten Hochstaudenfluren beeindrucken vor allem zur Blütezeit im Sommer durch eine hohe Individuen- und Artendichte bei den Insekten, zum Beispiel durch zahlreiche Schmetterlinge bei der Nektarsuche. An Fließgewässern dienen sie für Libellen wie die Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia) und die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) als Sitzwarten im Revier. Ohne Uferrandvegetation aus Hochstaudenfluren verlieren Fließgewässer ihre Lebensraumfunktion für diese Libellenarten.

Vogelarten wie Rohrammer und vor allem Sumpfrohrsänger legen ihre Nester in diesen Hochstaudensäumen an und fangen dort Insekten zur Aufzucht ihrer Jungen. Weil Hochstaudenfluren sich oft linienartig an Gewässern oder Wäldern entlangziehen, sind sie bedeutsam als verbindende Lebensräume, das heißt Tiere können durch sie auch in entfernte Gebiete wandern.

Eingriffe des Menschen sind gefährlich

Hochstaudenfluren entlang natürlicher Fließgewässer sind stärkeren Veränderungen unterworfen als die an Waldrändern. Bei Überflutungen wird das Konkurrenzgefüge beeinflusst. Außerdem bieten sich an den Gewässern Transportmöglichkeiten nicht nur für die Pflanzensamen der Hochstaudenfluren, sondern auch für konkurrierende und wuchskräftige Neophyten, den Neubürgern im Pflanzenreich, die die alteingesessenen Arten verdrängen. Durch Veräbderungen im Flusslauf kommt es regelmäßig zur Zerstörung und Neuentstehung von möglichen Standorten, die einmal von Hochstauden erfolgreich besiedelt in der Regel mehrere Jahrzehnte bestehen bleiben.

Gefährlich für die feuchten Hochstaudenfluren sind Verbuschung, zu intensive Mahd oder Beweidung. An den Gewässern können Gewässer- und Uferausbau und -unterhaltung, Eindeichungen, Entwässerungen sowie der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln im nahen Umfeld diese Fluren beschädigen oder vernichten.

Ein zunehmendes Problem stellen sogenannte Neophyten dar. Diese Neubürger im Pflanzenreich haben sich natürlicherweise oder durch den Menschen erst in den letzten Jahren in unserer Pflanzenwelt angesiedelt. Teilweise sind diese Arten so stark, dass sie die alteingesessenen einheimischen Arten verdrängen und fast als Monokultur auftreten. Zu diesen Arten gehören beispielsweise der Japanische Staudenknöterich (Polygonum cuspidatum), Sachalin-Staudenknöterich (Polygonum sachalinense), Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) und Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera). Diese Arten stellen eine Gefahr für feuchte Hochstaudenfluren dar.

Darüber hinaus ist zum Schutz des Lebensraums die Erhaltung oder Wiederherstellung der typischen Standortbedingungen wie unterschiedliche Wasserstände, Feuchte und Nährstoffhaushalt nötig. Zur Vermeidung der Verbuschung kann eine gelegentliche Mahd in zwei- bis mehrjährigem Abstand notwendig werden.