
Seit sieben Jahren wird geplant
Leopoldshöhe (ted). Die Sanierung des Lehrschwimmbeckens an der Grundschule Nord wird etwa doppelt so teuer, wie 2022 geplant. Das sagte der Fachbereichsleiter Bauen, Planen, Ordnung der Gemeindeverwaltung, Dirk Puchert Blöbaum, anlässlich der Richtfestes für das Becken.
2020 hatte ein Gutachter im Auftrag der Verwaltung festgestellt, dass das Becken sanierungsbedürftig ist. Feuchtigkeit und Chlorgase hatten den Beton des Beckens und seiner Stützen chemisch verändert und instabil gemacht. Die Sanierung sollte vier Millionen Euro kosten, errechnete ein zweiter Gutachter, denn die hätte vor allem in Handarbeit geschehen müssen. Die Kosten hätte die Gemeinde allein tragen müssen. 2021 ließ die Gemeinde Stützen einbauen, um den Drück auf die Betonstützen abzufangen.
2019 hatte die Verwaltung mit der Aufstellung eines Integrierten Städtebaulichen Konzeptes (ISEK) begonnen, auch um darüber die Sanierung des Schwimmbades zu finanzieren. Dafür müssen die Vorhaben aber bestimmten, vom Land vorgegebenen Kriterien entsprechen. Beim Lehrschwimmbeckens war es die Idee, das Gebäude energetisch zu sanieren. Dafür sollte die Fassade des Schwimmbades entfernt und energetisch modern aufgebaut sowie das alte Becken abgebaut und durch ein Edelstahlbecken ersetzt werden. Die Verwaltung kalkulierte das damals mit gut 2,7 Millionen Euro. Das Land zahlt 60 Prozent der Summe.
2020 scheiterte ein erster Antrag an das Land, die Gemeinde stellte 2021 einen zweiten Antrag, über den das Land inzwischen positiv entschieden hat. Im Wirtschaftsplan 2022 des Kommunalen Gebäude- und Liegenschaftsmanagements (KGL) waren 2,4 Millionen Euro eingestellt, der Rest für das Jahr 2023, in dem Jahr hätte das Becken also fertig sein sollen, wie die Verwaltung 2022 verkündete. Im September 2022 beschloss der Rat auf Vorschlag der Verwaltung die Schließung des Beckens.

Bei der Übergabe des Förderbescheides im November 2022 räumten Vertreter der Verwaltung ein, dass noch unklar sei, wann der Baubeginn sein würde. Im optimalen Falle könne in den Sommerferien 2023 der Abriss des alten Beckens beginnen und im Jahr darauf das sanierte Bad zum Ende der Sommerferien fertig sein, sagte damals der von der Gemeinde beauftragte Architekt Falko Biermann. Es könne sich aber auch länger hinziehen. Spätestens am 31. Dezember 2026 müssen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, danach verfällt der Förderbetrag. „Wir wollen deutlich eher fertig sein“, sagte Fachbereichsleiter Puchert-Blöbaum damals.
Das sanierte Schwimmbad soll vor allem durch eine sogenannte Hybrid-Photovoltaikanlage mit Strom und Wärme versorgt werden. Das habe erhebliche Umplanungen erfordert, berichteten Puchert-Blöbaum und Architekt Biermann. Bei einer Hybrid-Photovoltaikanlage erzeugen die Solarpaneele sowohl Strom als auch warmes Wasser. Durch das Wasser würden die Paneele gekühlt, was die Stromausbeute erhöhte, sagte Architekt Biermann damals. Das erhitzte Wasser könne für die Beheizung des Schwimmbades genutzt werden.

Unterdessen kamen die Heizungsanlagen für die Grundschule, die Felix-Fechenbach-Gesamtschule und vor allem für die der Zweifachhalle in die Jahre. Außerdem steht für die kommenden Jahre ein tiefgreifender Umbau der Grundschule Nord an. In Verwaltung und Politik entstand die Idee, angesichts der dringend notwendigen Einsparung von Kohlendioxyd eine Lösung zu finden, mit der möglichst klimaneutral alle Liegenschaften beheizt werden können.
Ein Planungsbüro stellte drei Konzepte vor. Alle haben die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Zweifachhalle gemein. Der erste Vorschlag sah eine Wärmepumpe in Kombination mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) vor. Das BHKW sei umstellbar auf Biogas oder Wasserstoff. Die Kosten betragen etwa 900.000 Euro. Nach etwa neuneinhalb Jahren habe sich die Anlage durch Energieeinsparungen amortisiert. Außerdem sei diese Anlage erweiterungsfähig und könne auf die gesamte Grundschule Nord erweitert werden.
Fertig im nächsten Jahr
Die zweite Lösung waren autarke Wärmepumpen. Die sollten etwa 620.000 Euro kosten. Eine Förderung von etwa 300.000 Euro war möglich. Die Amortisation betrug etwa elf Jahre. Die Anlage wurde als begrenzt erweiterungsfähig bewertet. Die dritte Variante beschrieb ein Erdgas-BHKW für 370.000 Euro, die Amortisationszeit sei kürzer als bei den anderen Varianten. Die Politik entschied sich für Variante eins.
Inzwischen schätzt Fachbereichsleiter Puchert-Blöbaum die Kosten auf die doppelte Höhe der ursprünglichen 2,7 Millionen Euro. Ursache seien das geplante BHKW, aber auch jährliche Baukostensteigerungen von rund zehn Prozent pro Jahr. Außerdem sei das Unternehmen, dass das Edelstahlbecken liefern wollte, in die Insolvenz gegangen. Inzwischen sei ein anderes Unternehmen gefunden worden, das auch für die Stad Oerlinghausen arbeite.
Den bisherigen Baufortschritt beging die Grundschule Nord mit einem Richtfest. Als Vertretung für die Handwerker hatte Nico Peters vom Kommunalen Gebäudemanagement, Architekt und gelernter Zimmermann, seine Handwerkerkluft angezogen und den Richtspruch gehalten. Bürgermeister Martin Hoffmann spendierte den Schülerinnen und Schüler anlässlich des Ereignisses ein Eis und verkündete, dass mit der Fertigstellung des Beckens im kommenden Jahr zu rechnen sei.
Was wir bisher berichtet haben
Sanierung des Lehrschwimmbeckens kommt
Notlösung für das Schwimmbecken
Chancen für das Schwimmbad
Schwimmbad wird geschlossen
Gemeinderat beschließt Schwimmbadschließung
Ärger über Schwimmbadschließung
Kalte Hallen in Herbst und Winter
Millionen für die Schulen
Millionen fürs Schwimmbad
Eine Million Euro für Leopoldshöhe
Mehrere Millionen für Gebäude
Gemeindesportverband kritisiert Verwaltung





